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Ute Debus geht mit der Kantorei digitale Probenwege
Stimmübungen am Monitor

Probensaal auf 15 Quadratmetern: Ute Debus spielt am E-Piano, was die Sängerinnen und Sänger der Kantorei, die sich per Zoom zugeschaltet haben, in ihren Stimmen proben sollen. Es funktioniert.
  • Probensaal auf 15 Quadratmetern: Ute Debus spielt am E-Piano, was die Sängerinnen und Sänger der Kantorei, die sich per Zoom zugeschaltet haben, in ihren Stimmen proben sollen. Es funktioniert.
  • Foto: Peter Barden
  • hochgeladen von Peter Helmes (Redakteur)

pebe Siegen. „Fff – sss – schsch!“ Da wird nicht nur der Atem gefordert, auch das Zwerchfell bekommt etwas zu tun. Ute Debus unterstützt die kräftig herausgestoßenen stimmlosen Konsonanten mit Armbewegungen: Wer singt, singt mit dem ganzen Körper. Eine Grunderfahrung, die aber trotz allem immer wieder bewusst gemacht werden muss. Fast eine normale Chorprobe mit ausgedehnten Körper–, Atem- und Stimmübungen zu Beginn könnte es sein – wenn die Probe nicht im Arbeitszimmer der Kantorin stattfände. Ihre Instrumente: E-Piano und ein Spotify-Zugang. Ihr Probenraum: das Internet und der virtuelle Treffpunkt bei Zoom.

pebe Siegen. „Fff – sss – schsch!“ Da wird nicht nur der Atem gefordert, auch das Zwerchfell bekommt etwas zu tun. Ute Debus unterstützt die kräftig herausgestoßenen stimmlosen Konsonanten mit Armbewegungen: Wer singt, singt mit dem ganzen Körper. Eine Grunderfahrung, die aber trotz allem immer wieder bewusst gemacht werden muss. Fast eine normale Chorprobe mit ausgedehnten Körper–, Atem- und Stimmübungen zu Beginn könnte es sein – wenn die Probe nicht im Arbeitszimmer der Kantorin stattfände. Ihre Instrumente: E-Piano und ein Spotify-Zugang. Ihr Probenraum: das Internet und der virtuelle Treffpunkt bei Zoom.
Viele Chöre haben, wie berichtet, in den vergangenen Monaten nach Möglichkeiten gesucht, ihre Proben aufrecht zu erhalten, um die Sängerinnen und Sänger bei Laune und der Sache zu halten. Viele sind mit ihren Versuchen gescheitert, weil die Internet-Version keine Option des Probens war. Anders Ute Debus. Sie hat vergleichsweise gute Erfahrungen mit dem Proben im Internet gemacht. Das wollte die SZ von ihr genauer wissen.

"Es ist eine Sache der Einstellung"

„Es ist eine Sache der Einstellung“, sagt die Kirchenmusikdirektorin, „ich muss die Entscheidung treffen, ob ich es will oder nicht.“ Durch ihre Lehrtätigkeit an der Uni Siegen habe sie die durchaus vorhandenen Vorteile der virtuellen Kommunikation schätzen gelernt und Webinare professioneller Chorleiter besucht. Daraus sei das Konzept entstanden, Chorproben über das Videoangebot bei Zoom abzuhalten.
„Aber das ist natürlich keine normale Probe“, gibt Ute Debus zu. „Es ist eine One-Woman-Show der Chorleiterin.“ Anfangs sei es nicht leicht gewesen, sich mit allen Tiefen und Untiefen der Technik vertraut zu machen – aber es habe sich gelohnt.
Und wie läuft das ab? „Kommen Sie mit“, winkt die Musikerin und geht in ihr Arbeitszimmer. Dort ist Zoom auf dem Laptop schon freigeschaltet, die ersten Sängerinnen und Sänger haben sich bereits eingeklinkt und unterhalten sich – nicht anders als vor „analogen“ Proben auch. „Wir haben noch Zeit, „ich warte noch was, einige suchen noch einen Parkplatz“, scherzt Ute Debus für den Berichterstatter – ihre virtuellen Gegenüber kennen den „running gag“ schon. Nicht alle Sängerinnen und Sänger werden sich zu dieser speziellen Form der Probe zuschalten, aber pro Treffen seien es etwa 35 bis 50 Chormitglieder, sagt die Chorleiterin, die auch mit dem uniChor Siegen diesen virtuellen Probenweg beschreitet.
Ich bin überzeugt, dass alle davon profitieren.
Ute Debus
Kirchenmusikdirektorin
Der große Nachteil: Ein Dialog ist so nicht möglich. Ute Debus wird die einzelnen Stimmen nicht hören, zu Beginn der eigentlichen Probe werden die Sängerinnen und Sänger ihre Mikros ausschalten. Dann sind sie zu Hause auf sich allein gestellt. „Ich gebe dann Impulse, zum Beispiel beim Einsingen, das hören alle, die zugeschaltet sind.“ Eine Resonanz bekommt sie nicht, allerdings kann Chorsängerin Eva Grottschreiber als „Co-Host“ Nachfragen und Hinweise im Chat aufnehmen und weitergeben.
Für die Chormitglieder keine leichte Sache, das weiß die Chorleiterin: „Das zu Hause durchzuhalten, erfordert Mut. Man muss sich selbst aushalten.“ Denn es ist ja keine Chorprobe, in der man die Nachbarn hören und an denen man sich orientieren kann, es gibt keinen gemeinsamen Klang, der „Sound“ der Kantorei kann sich so nicht entwickeln. Dafür wäre Analogie nötig, in der der Körper schwingen kann, wo es ums gemeinsame Erarbeiten der chorischen Musik und die harmonische stimmliche Präsenz geht – also das, was den Reiz des Chorsingens ausmacht. Manche Chormitglieder sagten deshalb auch, dass die virtuelle Form nichts für sie sei. Verständlich und nachvollziehbar.
Das Proben der Literatur muss natürlich auch angepasst werden. Zunächst spielt Ute Debus Musikdateien der Stücke vor, die geprobt werden sollen – an diesem Abend eine ganz Menge: vom anrührenden Prätorius-Stück „Es ist ein Ros’ entsprungen“ über John Rutter, einen Star modernen geistlichen Chormusik, und sein Stück „Love came down at Christmas“ bis zu Johannes Eccards „Übers Gebirg Maria ging“. Die entsprechenden Partituren haben die Sängerinnen und Sänger vorliegen.
Dann spielt Ute Debus die Sätze am E-Piano, das mit dem Laptop verbunden ist. Es ist eine seltsame Situation: Stille im Raum bis auf das Spiel, ein Monitor, der viele kleine, konzentrierte Gesichter zeigt, und eine Chorleiterin, die dennoch eine „Performance“ liefern muss, als säße sie mit 100 Leuten im Probensaal. Und die versucht – wie bei einer „normalen“ Probe auch –, die Feinarbeit mit den einzelnen Stimmen zu bewältigen, auch wenn sie diesmal die Singenden nicht hört.
Doch auch, wenn es keine normale Probe ist: Die Sängerinnen und Sänger bleiben in Übung. Zwei Stunden wird das virtuelle Treffen dauern, mit einer Pause mittendrin. „Ja, ich bin überzeugt, dass alle davon profitieren“, sagt Ute Debus auf Nachfrage. Das könne sich aber erst zeigen, wenn sie wieder „vollanalog“ oder zumindest „hybrid“ – also teilweise im Probensaal, teilweise zugeschaltet – singen können. Bis dahin heißt es: durchhalten, versuchen, Freude am Singen zu bewahren. Peter Barden

Autor:

Peter Barden (Redakteur) aus Siegen

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