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Mission Literaturvermittlung
Studierende im Kampfmodus

Im September 2020 war das Vorbereitungsteam der Studierendenangebote von "vielSeitig" noch zuversichtlich, seinen Programmteil des Literaturfestivals anbieten zu können. Dann kam der zweite Lockdown …
  • Im September 2020 war das Vorbereitungsteam der Studierendenangebote von "vielSeitig" noch zuversichtlich, seinen Programmteil des Literaturfestivals anbieten zu können. Dann kam der zweite Lockdown …
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sz Siegen. Es ist kein Geheimnis, dass die Auswirkungen der Pandemie besonders auch für die Literatur- und Kulturbranche verheerend sind. Lesungen in der Öffentlichkeit sind derzeit nicht möglich. Wie soll man also statt dessen das geschriebene Wort außerhalb der eigenen vier Wände an den Mann oder die Frau bringen? Ein Studentenkollektiv der Universität Siegen hat sich der Frage angenommen und bewiesen, dass man trotz Schwierigkeiten und Frustrationen inmitten von Corona-Schutzverordnungen und im Rechtevergabe-Dschungel nicht auf das Erleben von Literatur verzichten muss.
Im Oktober berichtete sie SZ über das sechsköpfige Studierenden-Team (Leitung: Dr.

sz Siegen. Es ist kein Geheimnis, dass die Auswirkungen der Pandemie besonders auch für die Literatur- und Kulturbranche verheerend sind. Lesungen in der Öffentlichkeit sind derzeit nicht möglich. Wie soll man also statt dessen das geschriebene Wort außerhalb der eigenen vier Wände an den Mann oder die Frau bringen? Ein Studentenkollektiv der Universität Siegen hat sich der Frage angenommen und bewiesen, dass man trotz Schwierigkeiten und Frustrationen inmitten von Corona-Schutzverordnungen und im Rechtevergabe-Dschungel nicht auf das Erleben von Literatur verzichten muss.
Im Oktober berichtete sie SZ über das sechsköpfige Studierenden-Team (Leitung: Dr. Natasza Stelmaszyk) und dessen außergewöhnliche Arbeitsbedingungen im Kampf für die Verwirklichung ihrer Events „Lesung statt Vorlesung“, „All You Can Read“ und „Labyrinth der Zeit“ im Rahmen von vielSeitig, dem Europäischen Literaturfestival Siegen (www.vielseitig-festival.eu), das eigentlich für den vergangenen November geplant war. Die Vorbereitungen waren ungewöhnlich herausfordernd, wie der Bericht der studentischen Organisatoren zeigt.
Schon die Suche nach geeigneten Locations erwies sich ab März 2020 als Herausforderung. Ursprünglich sollten die Veranstaltungen in gemütlicher Café-Atmosphäre im Herzen von Siegen stattfinden. Dieses Vorhaben musste jedoch begraben werden, da ein Zusammenkommen auf verhältnismäßig engem Raum aus Infektionsschutz-Gründen nicht möglich war.
Doch die Studierenden planen weiter, per Zoom statt im Hörsaal und musste sich damit arrangieren, dass bereits ausgearbeitete Konzepte wieder über den Haufen geworfen und durch neue Lösungen ersetzt werden.
Einen herben Rückschlag erlitt das Team, als kurz vor dem geplanten Festivalbeginn Anfang November das kulturelle Leben wegen Corona vollständig auf Eis gelegt wurde. Auch das Literaturfestival, welches in enger Zusammenarbeit zwischen dem Kulturbüro des Kreises und der Universität Siegen organisiert wurde, wurde ersatzlos abgesagt: Ein Jahr intensivster Arbeit scheinbar für die Katz!
Damit die Leistungen der Studierenden zumindest nicht umsonst waren, einigte sich Seminar-Leiterin Dr. Stelmaszyk mit den Verantwortlichen vom Kulturbüro auf eine Umsetzung der geplanten studentischen Formate in virtueller Form als Projekt der Universität Siegen. Unter Hochdruck wurde an möglichen digitalen Alternativen gefeilt, mit Unterstützung der Dozenten. Auch das Medienzentrum der Universität Siegen griff den „Nachwuchs-Eventmanagerinnen“ tatkräftig bei der Planung der Zoom-Konferenzen an Stelle von Präsenz-Lesungen unter die Arme.
In der Praxis stießen die Studierenden dann aber auf einige unerwartete bürokratische Schwierigkeiten. Da es sich bei den Digitalformaten um Lesungen von Werken aus der kanonischen Weltliteratur durch Dozenten und internationale Studierende handelt, mussten für jeden Text gesondert die Rechte für virtuelle Formate eingeholt werden. Ein erheblicher organisatorischer Mehraufwand im Vergleich zu traditionellen Präsenzveranstaltungen. Besonders, wenn es darum ging, Rechte für Online-Formate einzuholen, schien der Literaturbetrieb noch relativ unvorbereitet zu sein. Die rechtlichen Aspekte erwiesen sich als schwierig. Selten konnten Verlage genaue Angaben machen, da auch sie durch die Pandemie vor völlig neue Herausforderungen gestellt wurden, für die es mitunter keine pauschalen Lösungen gibt.
Zermürbende Situation
Für die Studierenden eine zermürbende Situation! Letztlich wurde schweren Herzens beschlossen, die studentischen Events ersatzlos zu streichen. Diese Entscheidung sei allen alles andere als leicht gefallen, schreiben die Planer, aber der konsequente Abschluss war wichtig, um sich ohne Altlasten wieder neuen Zielen widmen zu können, so Projektkoordinatorin Dr. Natasza Stelmaszyk. Als Zeitverschwendung betrachtet dennoch keiner die Teilnahme am Seminar. „Die Entscheidungsfindung, was man am Ende machen kann und soll, genauso wie alle Stufen der in der Zeit der Pandemie viel schwierigeren Organisationsprozesse sind für die Studierenden eine Praxiserfahrung im Bereich Literaturvermittlung ohnegleichen. Im Berufsleben nach dem Studium wird sich dies als Goldwert erweisen“, ist sich die Dozentin sicher.
Bleibt zu hoffen, dass der Traum von „Literatur zum Anfassen“ bald wieder möglich ist. Die neue Edition des Literaturfestivals, inklusive studentischer Events einer neuen Projektgruppe, soll planmäßig im November 2022 über die Bühne(n) gehen.

Autor:

Redaktion Kultur

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