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Marmen Quartet erwies sich im Siegener Apollo-Theater als Entdeckung
Studio für Neue Musik feierte Silberjubiläum

Das Marmen Quartett mit (v. l.) Johannes Marmen (Violine), Ricky Gore (Violine), Steffan Morris (Violoncello) und Bryony Gibson-Cornish (Viola) war im Festkonzert zum 25-Jährigen des Studios für Neue Musik eine echte Entdeckung.
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  • Das Marmen Quartett mit (v. l.) Johannes Marmen (Violine), Ricky Gore (Violine), Steffan Morris (Violoncello) und Bryony Gibson-Cornish (Viola) war im Festkonzert zum 25-Jährigen des Studios für Neue Musik eine echte Entdeckung.
  • Foto: Claudia Irle-Utsch
  • hochgeladen von Claudia Irle-Utsch (Redakteurin)

Nicht das Kuss Quartett, sondern das Marmen Quartet spielte zum Jubiläum des Studios für Neue Musik im Apollo-Theater Siegen auf.
ciu Siegen. Mit „mixed feelings“, gemischten Gefühlen, genössen sie es, an diesem Donnerstagabend im Apollo-Theater auftreten zu können, seien „very happy to be here“ – auch um denen, die eigentlich dieses Festkonzert zum 25-Jährigen des Studios für Neue Musik hätten spielen sollen, im besten Sinne etwas zurückzugeben. Siegen nämlich hatte das Marmen Quartet nicht auf dem „Zettel“ seiner breit angelegten Tour durch Europa. Doch weil am Mittwoch die Nachricht kam, dass sich der Bratschist des ursprünglich engagierten Kuss Quartetts, William Coleman, den Finger gebrochen habe, das renommierte Ensemble also nicht würde in Siegen gastieren können, galt es für Prof.

Nicht das Kuss Quartett, sondern das Marmen Quartet spielte zum Jubiläum des Studios für Neue Musik im Apollo-Theater Siegen auf.
ciu Siegen. Mit „mixed feelings“, gemischten Gefühlen, genössen sie es, an diesem Donnerstagabend im Apollo-Theater auftreten zu können, seien „very happy to be here“ – auch um denen, die eigentlich dieses Festkonzert zum 25-Jährigen des Studios für Neue Musik hätten spielen sollen, im besten Sinne etwas zurückzugeben. Siegen nämlich hatte das Marmen Quartet nicht auf dem „Zettel“ seiner breit angelegten Tour durch Europa. Doch weil am Mittwoch die Nachricht kam, dass sich der Bratschist des ursprünglich engagierten Kuss Quartetts, William Coleman, den Finger gebrochen habe, das renommierte Ensemble also nicht würde in Siegen gastieren können, galt es für Prof. Martin Herchenröder, den Gründer und Leiter des Studios, gewissermaßen über Nacht probaten Ersatz zu finden. Er fand! Denn dieses junge, frisch und mit konzentrierter Lässigkeit agierende Streichquartett war für das Siegener Publikum eine echte Offenbarung und zum Silberjubiläum einer Konzertreihe des Aufbruchs ein unerwartetes, absolut passendes Präsent. Dem „Geheimtipp“ freilich sind Johannes Marmen (Violine), Ricky Gore (Violine), Bryony Gibson-Cornish (Viola) und Steffan Morris (Violoncello) längst entwachsen, sind 2019 preisgekrönt worden bei den Streichquartett-Contests in Bordeaux und Banff, was etwas heißt.

Großartig: das 1. Streichquartett von Ligeti

Im Apollo-Theater, dem Prof. Herchenröder in seinen einführenden Worten für die inzwischen jahrelange Kooperation dankte (wie auch den Kirchengemeinden, Museen, Institutionen und Sponsoren), nahm das Marmen Quartet sein Publikum geradezu gefangen – zunächst mit dem Streichquartett Nr. 7 von Salvatore Sciarrino, 1947 in Palermo geboren und einer der häufig aufgeführten Tonsetzer der Gegenwart, und damit mit einer Reise an die Grenzen des Hörbaren und dem Vermögen, manches im Vagen, nur Angedeuteten zu belassen. Und dann bestach die Formation vor allem und unbedingt mit György Ligetis 1. Streichquartett. Es entstand 1953/54 und damit in einer Zeit des auch kulturell abschottenden Eisernen Vorhangs zwischen Ost und West in Budapest und wurde 1958, nach Ligetis Flucht nach Österreich, in Wien uraufgeführt. An die Werke Béla Bartóks anknüpfend zeige sich, so Herchenröder, mit diesem Stück die individuelle Handschrift des Komponisten (1923–2006) sehr deutlich, die „noch temperamentvoller, noch verrückter“ sei, von noch mehr Brüchen gezeichnet – und doch eine Musik, „zu der man wunderbar tanzen könnte“.

Marmen Quartet im Gleichklang mit Publikum

Das Marmen Quartet spielte diese zwölf „Métamorphoses Nocturnes“ mit viel Gefühl für Stimmungen, mal druckvoll, gar wüst, mit Raum für sehr innige Momente, das Sinnliche dieser Musik beschwörend, schönste Harmonien auskostend, virtuos und mit spürbarer Achtung vor dem Schöpfer dieser Musik. Schon hier schien es, als atmeten die Besucherinnen und Besucher (darunter Studio-Weggefährten wie Prof. Daniel Hees und der Cellist Friedrich Gauwerky) im Gleichklang mit den vier Virtuosen, gefesselt und fasziniert, beeindruckt und beglückt.

Musik von Beethoven, Haydn und Mendelssohn

Nach einer Pause zeigte sich das Quartett, das sich 2013 am Royal College of Music in London gründete, von seiner klassischen Seite und gab zunächst Ludwig van Beethovens (1770–1827) Streichquartett f-Moll, op. 95 – auch das mit couragiertem, technisch meisterlichem Spiel, großer Verve, die eigene, sehr klare Idee umsetzend, dabei unprätentiös und mit seriöser Coolness unterwegs, um solches mit Joseph Haydns (1732–1809) erstem von sechs dem Preußenkönig Friedrich Wilhelm II. gewidmeten Quartetten noch einmal zu toppen. Es war so viel Klang im Spiel, immer wieder neu zu hören, überraschend … Applaus!
Mit dem dritten Satz aus Felix Mendelssohn Bartholdys Streichquartett Nr. 6 f-Moll op. 80, dem letzten vollendeten Werk des 1847 in Leipzig gestorbenen Komponisten, verabschiedeten sich Marmen, Gore, Gibson-Cornish und Morris von ihrem Siegener Publikum, das der Spur dieser Entdeckung folgen sollte.

Würdigungen
Prof. Dr. Holger Burckhart, Rektor der Universität Siegen, stellte das Jubiläum Beethovens dem des Studios für Neue Musik gegenüber. Bei beiden gehe es um die „Revolution der Töne“, um Um- und Aufbruch, um unerhörte Wege, das Wagnis des Visionären.

Steffen Mues, Bürgermeister der Stadt Siegen, würdigte Prof. Martin Herchenröder als „nimmermüden Motor“ für das Anliegen der zeitgenössischen Musik, als einen „Macher mit höchsten Ansprüchen“, der 1995 etwas gewagt habe, dank dessen „wir alle“ gewonnen hätten. „Weiter so!“

Andreas Müller, Landrat des Kreises Siegen-Wittgenstein, unterstrich die Notwendigkeit, dass Kunst (wie im Studio für Neue Musik) neu und anders sein dürfe, ja müsse, um Impulse und neue Akzente zu setzen. Es gelte, „das Bekannte, Vertraute bewusst infrage zu stellen“. Der Landkreis sei „echt musikalisch“, auch dank Martin Herchenröders Initiative.

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Autor:

Claudia Irle-Utsch (Redakteurin) aus Siegen

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