Chefdirigent der Philharmonie Südwestfalen fängt am 1. September an
Südwestfalen-Spiele mit Nabil Shehata können beginnen

Nabil Shehata, der künftige Chefdirigent der Philharmonie Südwestfalen, mag an „seinem“ neuen Orchester, dass es die Fähigkeit zur Veränderung besitzt und offen für Neues ist.
  • Nabil Shehata, der künftige Chefdirigent der Philharmonie Südwestfalen, mag an „seinem“ neuen Orchester, dass es die Fähigkeit zur Veränderung besitzt und offen für Neues ist.
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zel Siegen. Er besitzt eine Play Station 4, die fünfmal im Jahr zum Einsatz kommt. Nabil Shehata bezeichnet sich als Gaming-Fan – und weil er nicht nur ein Gamer, sondern auch der neue Chefdirigent der Philharmonie Südwestfalen ist, bringt er computerspielerisches Hobby und Beruf ganz einfach unter einen Hut und dirigiert am 29. April 2020 im Apollo-Theater die „Games-Musik“, ein Format, mit dem die heimischen Musiker schon in der jetzt ablaufenden Saison nicht nur (junge) Fans des Videospiels im Publikum erreichten.

Beim Antrittskonzert erklingt Beethovens Neunte

Am Montag stellten Orchestervorstand (vertreten durch Landrat Andreas Müller und Hilchenbachs Bürgermeister Holger Menzel), Intendant Michael Nassauer und eben „der Neue“, Nabil Shehata, gemeinsam das Programm 2019/20 der Philharmonie vor (www.philsw.de). Wo es möglich war, brachte sich Shehata schon in die Programmplanung mit ein. Kurz nachdem feststand, dass er sich gegen alle anderen (200!) Bewerber durchgesetzt hatte, war Michael Nassauer in Berlin, und die beiden, die sich aus dem Bundesjugendorchester kennen und sich danach aus den Augen verloren haben, schauten, was möglich ist. Beethovens Neunte, zusammen mit dem WDR-Rundfunkchor, zu Shehatas Antrittskonzert am 19. September (und auch am 20. und 22. September im Apollo) habe er dem neuen Chefdirigenten „aufgezwungen“, sagte Nassauer mit einem Lächeln. Der gibt ebenso lächelnd zurück, Beethoven sei einer seiner Lieblingskomponisten – alles gut. Damit er seine neue Arbeitsstätte richtig kennenlernen kann, will Shehata alle 13 Neujahrskonzerte selbst dirigieren und sich im Kreis Siegen-Wittgenstein und den angrenzenden Regionen vorstellen – u. a. mit Mozart, Rossini, Bizet und natürlich nicht ohne Johann Strauss (Sohn).

Shehata will interessante Solisten nach Siegen holen

Nabil Shehata war 2003 1. Solokontrabassist an der Staatsoper Unter den Linden und von 2004 bis 2008 bei den Berliner Philharmonikern. Von dort, aber auch von der Kammeroper München, wo er als musikalischer Leiter tätig war, verspricht er viele interessante Solisten und Solistinnen nach Siegen zu holen – etwa Sopranistin Sarah Aristidou, die am 24. April 2020  vier der „Sechs Lieder nach Gedichten von Clemens Brentano“ von Richard Strauss singen wird, bevor Mahlers 4. Sinfonie erklingt, oder Boris Brovtsyn (Violine) für das Chatschaturjan/Dvorák-Konzert am 27. März im Apollo. Chatschaturjan? So was laufe auch in anderen großen Orchestern selten, sagt Shehata, aber: „Wenn ich vollkommen überzeugt bin, dass das tolle Musik ist, wird sich das aufs Orchester und dann aufs Publikum übertragen.“

Philharmonie ist offen für Neues

Wenn er „sein“ neues Orchester beschreiben soll, fällt dem designierten Chef (Dienstbeginn ist der 1. September) zweierlei ein: Zum einen könnten die Musiker tatsächlich auf ihn und seine Vorstellungen vom Klang reagieren. „Es ist ein Orchesterapparat, der sich verändern kann“ – das sei beileibe nicht bei allen Orchestern so, weiß er aus Erfahrung. Und zum anderen sei die Philharmonie auch sehr offen für Neues, hätte Lust, etwas zu probieren. So hätten die Musiker schon im April 2018 bei einem Gastdirigat Shehatas die von ihm gewünschte neue Orchesteraufstellung ohne großes Murren mitgemacht („es kam keine Gegenwehr“). An der sogenannten „deutschen Aufstellung“ möchte Nabil Shehata festhalten, wo es sich anbietet. Dabei sitzen u. a. die 1. und 2. Geigen nicht nebeneinander, sondern sich gegenüber – das ergibt einen tollen Pingpong-Stereo-Effekt, ist aber wegen der räumlichen Entfernung auch schwieriger fürs Zusammenspiel. „Barenboim und Thielemann spielen immer so.“
Seinen ersten öffentlichen Auftritt in Südwestfalen hat der 1980 geborene Shehata jetzt hinter sich, nach den Orchesterferien können die Südwestfalen-Spiele beginnen! Shehata möchte in Siegen eine Wohnung beziehen und eine in Berlin behalten. Wo die Play Station wohnen wird, wissen wir noch nicht.

Autor:

Regine Wenzel (Redakteurin) aus Siegen

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