Es brodelt im Königreich und im Bruchwerk-Theater
Tollmut-Ensemble spielt „Yvonne – Prinzessin von Burgund“

König Ignaz (Peter N. Ewert) und Königin Margarethe (Alina Sophie Schäfer) verlieren nach und nach die Contenance. Mit seiner Verlobung hat ihr Sohn Philipp Unruhe ins harmoniebedürftige Königreich gebracht.
  • König Ignaz (Peter N. Ewert) und Königin Margarethe (Alina Sophie Schäfer) verlieren nach und nach die Contenance. Mit seiner Verlobung hat ihr Sohn Philipp Unruhe ins harmoniebedürftige Königreich gebracht.
  • Foto: Bärbel Althaus
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

ba Siegen. Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis. Entweder zum Tanzen oder gegebenenfalls sogar, um sich mit der hässlichsten, schweigsamsten und gleichermaßen provozierendsten Person, die es in seinem Königreich gibt, zu verloben. Wie Prinz Philipp aus Burgund (Pepa Ulrich), der die Nase gestrichen voll hat. Voll von Spaziergängen im Park, von Bäumen, einem festlichen Publikum, Trompetenklängen und dem permanenten Zwang zu tun, was getan werden muss. Weil alle sich ihres Lebens freuen, keimt in ihm der Widerstand. „Etwas packt mich, reißt mich mit. Ich sage euch, in mir brodelt etwas! Ich wünschte, es geschähe etwas!“, bekennt er. Und weil so gar kein Entrinnen in Sicht ist, ergreift er die Initiative und empört seine Eltern König Ignaz (Peter N. Ewert) und Königin Margarethe (herrlich: Alina Sophie Schäfer) mit der Wahl seiner Angebeteten. Er präsentiert den stets lächelnden Herrschern mit seiner Verlobten Yvonne (Clara Wolferseder) ihren fleischgewordenen Albtraum. Eine „Vogelscheuche“ und „Zimperliese“, die unerhört unattraktiv ist, nur ungeschickt lächeln kann und viel zu träges Blut hat.

Akteure in rasantem Tempo

„Yvonne – Prinzessin von Burgund“ nach Witold Gombrowicz lieferte dem Tollmut-Ensemble des Bruchwerk-Theaters Siegen den idealen Stoff für eine mitreißende Premiere, die am Mittwochabend im voll besetzten Haus die Zuschauer begeisterte. Denn die sich immer gleich drehende Welt des Prinzen Philipp rotierte nun auf einem Bühnen-Rondell, auf dem die Akteure zuweilen in rasantem Tempo kreisten. Bringt doch Prinz Philipp mit seiner absurden Aktion den Hofstaat gewaltig in Aufruhr. „Du treibst den Spaß zu weit“, wird er gewarnt, doch Philipp probt weiterhin den Aufstand gegen den Versuch seiner Eltern, seinen verrückten Ehe-Entschluss als edelmütige Tat darzustellen. Auch Yvonne widersetzt sich schweigend, indem sie die Verbeugung vor dem Königspaar verweigert, das Krönchen zu Boden wirft und die Situation ad absurdum führt, als sich letztendlich die Herrscher vor ihr verneigen.

Yvonne ist anders, auch äußerlich

Yvonnes Andersartigkeit ist unübersehbar. Während die anderen Akteure sich in hautengen, fleischfarbenen Kostümen mit gitterähnlichem Zierrat und leuchtend roten Schuhen durch Burgund bewegen, erstrahlt Yvonne in einem weißen, luftigen Hängekleid. Locker, frei und ungeheuerlich. Nicht nur Yvonnes Tante (Sandra Marras) kann kaum glauben, dass der Prinz ihre Nichte heiraten will, auch er selbst berät sich mit seinem Vertrauten Zyrill (Julia Zange) über die Absonderlichkeiten seiner Wahl. Er versucht, sich bei einem Spaziergang in Yvonne zu verlieben. Ein Unterfangen, das misslingt. Vielmehr erliegt er den Reizen der hübschen Isa (Nika Zh) und beschließt, sich zu entloben. „So was tut man nicht“, mahnt Valentin (Mira Weiß), der seinerseits ein Auge auf Yvonne geworfen hat und seine Wahl mit dem wahnwitzigen Satz „Wir lieben uns, weil sie mir ebenso wenig gefällt wie ich ihr“ begründet.

Temporeich, komisch und bitterböse inszeniert

Doch ist Yvonnes Schweigsamkeit nun ein Zeichen von Schwäche oder gar von Stärke? Und was hat es mit der Jugenderinnerung des Königs auf sich, über die er mit dem Kammerherrn (Laura Kölsch) tuschelt? Welche emotionalen Abgründe verbergen sich in der Poesie der Königin? Die Fassade bröckelt, als sich perfide Mordpläne ihren Weg in die einst schöne, heile Welt bahnen, die eines beabsichtigen: die störende potenzielle Prinzessin zu beseitigen. Dem Ensemble ist es unter der Regie von David Penndorf perfekt gelungen, das absurd-groteske Treiben im Königreich Burgund nicht nur temporeich, sondern gleichermaßen hinreißend komisch und bitterböse zu inszenieren. So war dieser „wunderbar verrückte Abend“, über den sich auch Milan Pesl (künstlerische Leitung Schauspiel) vom Bruchwerk-Theater freute, keine Sekunde langweilig. Wer sich „Yvonne – Prinzessin von Burgund“ anschauen möchte, hat am 8., 9., 10., 12., 14. und 15. Juli jeweils ab 19.30 Uhr im Bruchwerk-Theater die Möglichkeit dazu.

Autor:

Bärbel Althaus (Freie Mitarbeiterin) aus Wilnsdorf

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r

Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.