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„Die Möwe“ hatte Premiere im Bruchwerk-Theater
Tollmut-Theater erntet viel Applaus

Ein Moment der Zärtlichkeit zwischen Mutter Irina (Andrea Küsel) und Sohn „Kostja“ (Andrés Garcia Diaz).
  • Ein Moment der Zärtlichkeit zwischen Mutter Irina (Andrea Küsel) und Sohn „Kostja“ (Andrés Garcia Diaz).
  • Foto: Pauline Vollpert
  • hochgeladen von Claudia Irle-Utsch (Redakteurin)

pav Siegen. Leiden und Leidenschaften wurden am Freitagabend auf der Bühne des Siegener Bruchwerk-Theaters ausgetragen. Dort feierte das Schauspiel „Die Möwe“ Premiere. Dabei handelt es sich erneut, wie bereits ausführlich berichtet, um eine Werkstattproduktion des Tollmut-Theaters, das sich mit dem hochmodernen Text des russischen Schriftstellers Anton Tschechow, der selbst einst mit dem Stück gescheitert war, intensiv auseinandergesetzt hat.
"Kostja" will Schriftsteller werdenHinein: Der Theaterraum ist hellerleuchtet. Es knirscht, wenn man ihn betritt, weil der Boden über und über mit Kieselsteinen bedeckt ist. Ein Steg schafft eine Verbindung zwischen Bühne und Zuschauerraum und führt hinaus zu einem imaginären See.

pav Siegen. Leiden und Leidenschaften wurden am Freitagabend auf der Bühne des Siegener Bruchwerk-Theaters ausgetragen. Dort feierte das Schauspiel „Die Möwe“ Premiere. Dabei handelt es sich erneut, wie bereits ausführlich berichtet, um eine Werkstattproduktion des Tollmut-Theaters, das sich mit dem hochmodernen Text des russischen Schriftstellers Anton Tschechow, der selbst einst mit dem Stück gescheitert war, intensiv auseinandergesetzt hat.

"Kostja" will Schriftsteller werden

Hinein: Der Theaterraum ist hellerleuchtet. Es knirscht, wenn man ihn betritt, weil der Boden über und über mit Kieselsteinen bedeckt ist. Ein Steg schafft eine Verbindung zwischen Bühne und Zuschauerraum und führt hinaus zu einem imaginären See. Der Einstieg in das Stück, sowohl am Anfang als auch nach der Pause, geschieht auf eine ganz unvermittelte und beiläufige Weise. Schnell wird klar, dass es ein Spiel aus Nähe und Distanz ist und das Publikum in der Gefühlswelt der Figuren strandet. Allesamt fristen diese ein unglückliches Dasein auf dem Land im zaristischen Russland und tragen Konflikte zwischenmenschlicher Beziehungen nie persönlich miteinander aus. „Mich zieht es an den See wie eine Möwe“, sagt da Nina, die Geliebte von Konstantin. Während sie sich als Schauspielerin versucht, fasst „Kostja“ den Plan, Schriftsteller zu werden. Doch beide müssen schmerzlich feststellen, dass Erfolg, Liebe und Anerkennung schneller wieder gehen können, als sie gekommen sind und das Streben danach zeitlich begrenzt ist.

Zentrales Motiv: die Möwe

Die Möwe (Nika Zh), die immer wieder im Laufe des Stückes durch musikalisch unterlegte Tanzperformances in Erscheinung tritt, ist dabei nicht nur Titelgeberin des Stückes, sondern auch das zentrale Motiv der Figuren. Sie ist der Ausdruck von Sehnsucht und der Lust am Fliegen. Sie will die Welt erkunden, wie es Regisseur David Penndorf im Gespräch mit der SZ beschreibt, ist aber gleichzeitig der ständigen Gefahr ausgesetzt, erschossen zu werden. Sie hat Bedeutung für das ganze Stück, da jede Figur darin mit den eigenen Sehnsüchten und Träumen konfrontiert wird. Immer ist damit zu rechnen, dass sich Situationen im Stück zuspitzen und eskalieren könnten.Ein irres Lachen hier, ein lauter Schrei dort und ein verzweifelter Versuch, sich der Situation zu entziehen. Die Figuren wenden ihr Innerstes zum Äußeren, und dabei zeigt sich nicht nur, wie professionell die Schauspielerinnen und Schauspieler mit dem Text, der kein leichter ist, umgegangen sind und ihn verinnerlicht haben, sondern auch, wie konzentriert und fokussiert ihr Spiel auf engem Raum und in unmittelbarer Nähe des Publikums ist. So unglücklich die Figuren mit ihrer Situation auch sind, schaffen sie es doch bei all der Tragik, auch Witz und komische Momente auszuspielen. Das lässt einen lachen und sich fragen, warum hier keiner ernsthaft versucht, miteinander zu reden und dem Glück eine Chance zu geben.

Im Bruchwerk-Theater weitere Aufführungen

Acht weitere Termine sind für das Stück angesetzt: an diesem Montag, am Dienstag
sowie am 24., 25., 26., 27., 30. und 31. Januar jeweils ab 19.30 Uhr im Bruchwerk.

"Spiel von Nähe und Distanz"
Autor:

Pauline Vollpert (Freie Mitarbeiterin) aus Siegen

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