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Philharmonie Südwestfalen beendet Saison im Apollo
Tongemälde von Schönberg

Arnold Schönbergs „Verklärte Nacht“ hat als Programm das Gedicht von Richard Dehmel, das von Werner Hahn rezitiert und von den Streichern der Philharmonie Südwestfalen unter Nabil Shehata als großartiger Saisonabschluss gespielt wurde.
  • Arnold Schönbergs „Verklärte Nacht“ hat als Programm das Gedicht von Richard Dehmel, das von Werner Hahn rezitiert und von den Streichern der Philharmonie Südwestfalen unter Nabil Shehata als großartiger Saisonabschluss gespielt wurde.
  • Foto: Isabel Lippitz
  • hochgeladen von Claudia Irle-Utsch (Redakteurin)

lip Siegen. „Menschen spielen für Menschen“ heißt das Konzept des noch bis in den Juli hineinreichenden „Festivals der Abstände“ des Siegener Apollo-Theaters, das auch bundesweit Aufmerksamkeit gefunden hat, wie Intendant Magnus Reitschuster in seiner Begrüßung am Samstagabend beim Konzert der Philharmonie Südwestfalen (dem zweiten an diesem Tag) betonte. Nabil Shehata und die24 Streicher des Orchesters hatten die zwei Wochen seit dem Konzert „Hallo Heroes“ wieder zu intensiver Probenarbeit genutzt, um das „hochwertige Programm“ vorzubereiten, wie Orchester-Intendant Michael Nassauer berichtete.

lip Siegen. „Menschen spielen für Menschen“ heißt das Konzept des noch bis in den Juli hineinreichenden „Festivals der Abstände“ des Siegener Apollo-Theaters, das auch bundesweit Aufmerksamkeit gefunden hat, wie Intendant Magnus Reitschuster in seiner Begrüßung am Samstagabend beim Konzert der Philharmonie Südwestfalen (dem zweiten an diesem Tag) betonte. Nabil Shehata und die24 Streicher des Orchesters hatten die zwei Wochen seit dem Konzert „Hallo Heroes“ wieder zu intensiver Probenarbeit genutzt, um das „hochwertige Programm“ vorzubereiten, wie Orchester-Intendant Michael Nassauer berichtete.

Musik von Mozart und Elgar

Ein brillanter, leuchtkräftiger Klang, zugleich zupackend und durchsichtig, ließ Wolfgang Amadeus Mozarts Divertimento D-Dur KV 136, ein Werk des 15-Jährigen, zu einem anmutigen Auftakt des Konzertes werden. Ruhige Linienführung und ausdrucksstarke, fein abgestimmte Kantilenen des zweiten Satzes und ein spritziger, aber nicht überhitzter dritter Satz (der die Rezensentin in der Version von WDR 3 fast täglich um 12 Uhr ärgert!) erfreuten die Zuhörer. Auch die bekannte, viel zu kurze Serenade e-Moll, op. 20 des 25-jährigen Edward Elgar (1857–1937), bot ungetrübten Hörgenuss. Das „Allegro piacevole“ gestaltete sich dabei so: Hohe, blühende Streichermelodien kontrastierten mit markanten, pochenden Motiven der tiefen Streicher, während das „Larghetto“ ergreifend schöne, intensiv leuchtende Streicherchöre in nachdenklich ruhiger Stimmung bot. Ein leichtfüßiges Frage- und Antwortspiel („Allegretto“) zwischen den Streichergruppen – und schon war das romantisch schöne Stück zu Ende. Dankbarer Applaus für Nabil Shehata und seine Streicher!

Frühwerk von Arnold Schönberg

Höhepunkt und gleichzeitig Abschluss der Corona-gekürzten Konzertsaison war das Frühwerk Arnold Schönbergs, 1902 als Streichsextett „Verklärte Nacht“ op. 4 komponiert. 1917 verfasste Schönberg eine Version für Streichorchester, die er 1947 noch einmal revidierte. Das auf einem Gedicht von Richard Dehmel basierende Werk stieß bei der Uraufführung – wie alle Schönberg’schen Kompositionen – überwiegend auf Unverständnis, was heute verwundert, da die Tonsprache noch durchweg spätromantisch und expressiv ist. Werner Hahn (Apollo) rezitierte eindrücklich dieses Gedicht, das von zwei Menschen berichtet, die in kalter Nacht bei Mondschein zusammen gehen. Sie fürchtet, dass er sie verurteilen wird, da sie ein Kind von einem anderen Mann erwartet. In Liebe und Großmut nimmt er das Kind als sein zukünftiges an.

Am Pult: Chefdirigent Nabil Shehata

Nabil Shehata ließ die Streicher die Themen der Komposition spielen, wie sie Schönberg dem Gedicht entsprechend erdacht hat. Dunkel intonieren die tiefen Streicher die beklemmende Nachtszene, die in eine aufgeregte Stimmung umschlägt. Die Frau klagt sich an und fürchtet sich vor der Verurteilung des Mannes, wenngleich sie ihren gesegneten Zustand als Glück empfindet. Ein tröstliches Dur-Thema leuchtet kurz auf, um dramatischem und wildem (bedrohliches Tremolo der Kontrabässe!) und sich wehmütig verzehrendem Geschehen (Soli der Bratsche, der Geige und des Cellos!) zu weichen. Sanft und groß ertönt in D-Dur das Thema des Mannes.Wie Shehata in der Gegenüberstellung der Themen aufzeigte, zitiert Schönberg das jüdische Gebet „Kol Nidrei“, wie es Max Bruch komponiert hat. Eine in Harmonie endende Komposition. Zwei Menschen gehen vereint durch die Nacht: Sologeige und Solocello, begleitet von gedämpften Flageoletts und Arpeggien, ein herrliches Bratschensolo, ein ruhiger und selig beschwichtigender Schluss. Darauf erklang das ganze Werk in der vom Dirigenten subtil und fordernd geführten, wunderbaren Wiedergabe der Streicher der Philharmonie Südwestfalen. Wie im sehr langen Applaus und in der abschließenden Gesprächsrunde deutlich wurde, hatten die Zuhörer den großartigen Abend und besonders „Die verklärte Nacht“ genossen.

Autor:

Redaktion Kultur

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