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"Krönungsmesse" vom Kammerchor Weidenau
Trotzige Bitte um Frieden und ein Gerücht...

Der Kammerchor Weidenau und die Camerata Instrumentale Siegen präsentierten unter der Leitung von Helga Maria Lange an einem warmen Sonntag in der kühlen Kirche St. Joseph in Weidenau ein vielfältiges Barockkonzert, für das das Publikum mit stehendem Applaus dankte.
  • Der Kammerchor Weidenau und die Camerata Instrumentale Siegen präsentierten unter der Leitung von Helga Maria Lange an einem warmen Sonntag in der kühlen Kirche St. Joseph in Weidenau ein vielfältiges Barockkonzert, für das das Publikum mit stehendem Applaus dankte.
  • Foto: Johanna Schirmacher
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

jon Weidenau. Zum Abschluss dieses ersten richtig heißen Sommerwochenendes hatte es doch etliche Zuschauer in die Kühle von St. Joseph gezogen, die sich mit Barockmusik verwöhnen lassen wollten. Händel, Telemann und Mozart standen auf dem Programm – offenbar beliebte Komponisten. Dekanatskirchenmusikerin Helga Maria Lange hatte den Chor und die Camerata Instrumentale Siegen bestens auf ihre Aufgabe eingestellt. Das Solistenquartett tat sein Übriges dazu.
Erstmal "Vielschreiber" TelemannDie Musiker eröffneten das Konzert mit viel Verve mit der Kantate zum Erntedankfest „Nun danket alle Gott“ (TVWV 1:1166) vom „Vielschreiber“ Georg Philipp Telemann. Etwas früh im Jahr, aber trotzdem schön. Der Liedtext ist fast 400 Jahre alt!

jon Weidenau. Zum Abschluss dieses ersten richtig heißen Sommerwochenendes hatte es doch etliche Zuschauer in die Kühle von St. Joseph gezogen, die sich mit Barockmusik verwöhnen lassen wollten. Händel, Telemann und Mozart standen auf dem Programm – offenbar beliebte Komponisten. Dekanatskirchenmusikerin Helga Maria Lange hatte den Chor und die Camerata Instrumentale Siegen bestens auf ihre Aufgabe eingestellt. Das Solistenquartett tat sein Übriges dazu.

Erstmal "Vielschreiber" Telemann

Die Musiker eröffneten das Konzert mit viel Verve mit der Kantate zum Erntedankfest „Nun danket alle Gott“ (TVWV 1:1166) vom „Vielschreiber“ Georg Philipp Telemann. Etwas früh im Jahr, aber trotzdem schön. Der Liedtext ist fast 400 Jahre alt! Musikalisch zeichnet sich das Werk durch zwei schwungvolle, trompetenverstärkte Chorsätze aus. In zwei weiteren Sätzen setzten Sopranistin Andrea Artmann und Altistin Stefanie Geueke mit ihren Stimmen Glanzpunkte.

Schwierige Akustik in St. Joseph

Der zweite Satz der Kantate war ein Duett mit Thomas Iwe (Tenor) und Dr. Gerhard Pauli (Bass). Die Akustik in St. Joseph ist bekanntlich gekennzeichnet durch einen langen Nachhall, Fluch und Segen zugleich, denn die Textverständlichkeit geht so ein wenig verloren. Hier hätten Liedertexte im Programmheft geholfen. Georg Friedrich Händels Suite in D-Dur (HWV 341) war für Giselher Pankratz eine tolle Gelegenheit, auf der B-Trompete solistisch zu brillieren. Das Stück, umrahmt von den Streichern der Camerata, war für das Publikum ein absoluter Hörgenuss.

So schön: das "Ave verum corpus"

Die Höhepunkte des Abends waren sicherlich die drei Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, dessen Werke nach wie vor Publikum anziehen. Das bekannte „Laudate Dominum“, der fünfte Satz aus den „Vesperae solennes de confessore“ (KV 339) wurde wunderbar einfühlsam von der Camerata, dem Chor und der Sopranistin musiziert. Es folgte die heute bekannteste und am häufigsten aufgeführte Vertonung des „Ave verum corpus“ (KV 618) von Mozart, ebenfalls intonationssicher und schön gestaltet vom Chor, hier sind insbesondere die sonoren Männerstimmen zu erwähnen.

Eine Messe für das Krönungsfest?

Das Hauptwerk des Abends bildete die Messe in C-Dur (KV 317), fertiggestellt von Mozart am 23. März 1779. Landläufig ist sie als „Krönungsmesse“ bekannt geworden, was auf einem Gerücht beruht, das sich hartnäckig hält: Der Mozart-Enthusiast Johann Evangelist Engl behauptete im Jahre 1907, diese Messe sei für das ab 1779 alljährlich stattfindende Krönungsfest im Wallfahrtsort Maria Plain komponiert worden, was aber nicht belegt werden kann.
Vermutlich sollte die Messe im Ostergottesdienst am 4. April 1779 am Salzburger Dom aufgeführt werden. Mozart war nun eigentlich ein lebenslustiger Mensch, ein Spötter gar und Freimaurer, der nicht in erster Linie wegen seiner kirchenmusikalischen Kompositionen berühmt wurde, sondern eher für seine Opern.

Für "Figaros Hochzeit" wiederverwendet

Nachdem er in Mannheim und Paris nicht engagiert worden war, blieb ihm nichts anderes übrig, als in Salzburg bei einem knauserigen Erzbischof in Dienst zu gehen. Seine Salzburger Krönungsmesse nutzte Mozart sechs Jahre später und „recycelte“ Teile daraus in „Figaros Hochzeit“. Nach Mozarts Tod wurde die Krönungsmesse häufig bei Gottesdiensten aufgeführt. Auch heute noch erfreut sich dieses Werk großer Beliebtheit bei ambitionierten Kirchenchören.

"Dona nobis Pacem"

Kyrie – Gloria – Credo –Sanctus – Benedictus – Agnus Dei, das sind die üblichen Sätze einer Messe. Die Camerata Instrumentale, der vierstimmige Kammerchor und die vier Solisten brachten diese feierliche Musik unter dem engagierten Dirigat von Helga Maria Lange in St. Joseph klangvoll zur Geltung.
Das Schlussstück „Dona nobis Pacem“ passt in unsere Zeit, Wechsel zwischen Dur und Moll signalisieren Hoffnung und Hoffnungslosigkeit. Der Schluss ist eine fast trotzige Bitte um Frieden.
Das Publikum dankte mit stehendem Applaus den Mitwirkenden, die sich dafür mit der Wiederholung des ersten Satzes der Telemann-Kantate revanchierten. Nach dem Konzert blickte man rundum in lächelnde Gesichter: Barockmusik macht glücklich!

Autor:

Johanna Schirmacher (Freie Mitarbeiterin)

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