„Alles, was Odem hat …“
Uni-Chor und -Orchester boten Mendelssohns „Lobgesang“

Ute Debus gab mit Uni-Chor und -Orchester sowie Solisten Mendelssohns „Lobgesang“ und Hugo-Wolf-Lieder (v. l.: Konzertmeisterin Dorothea Kiess, Ute Debus, Renate Lücke-Herrmann, Maximilian Fieth, Julia Ziehme).
  • Ute Debus gab mit Uni-Chor und -Orchester sowie Solisten Mendelssohns „Lobgesang“ und Hugo-Wolf-Lieder (v. l.: Konzertmeisterin Dorothea Kiess, Ute Debus, Renate Lücke-Herrmann, Maximilian Fieth, Julia Ziehme).
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  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

lip Siegen. Wie viel Arbeit, aber auch ansteckende Begeisterungsfähigkeit dazugehört, ein solch anspruchsvolles Konzert wie Mendelssohns „Lobgesang“ mit Musikstudierenden auf die Beine zu stellen, das ahnten die zahlreichen Zuhörer und Zuhörerinnen am Donnerstagabend in der Siegener Nikolaikirche sicher. Universitätsmusikdirektorin Ute Debus hat den 60-köpfigen Uni-Chor und das große Uni-Orchester glänzend vorbereitet. Keine einfache Aufgabe, denn sowohl die neu orchestrierten Lieder von Hugo Wolf als auch die Symphonie-Kantate von Felix Mendelssohn Bartholdy waren den meisten Studierenden vorher unbekannt.

Studierende nahmen sich drei Lieder von Hugo Wolf vor

Auch für die Zuhörer waren die zu Beginn erklingenden drei Lieder von Hugo Wolf eine spannende Neuentdeckung, denn Studierende des Faches Musik hatten, betreut von Prof. Martin Herchenröder, die Klavierbegleitung in eine farbenreiche Orchesterpartitur verwandelt. Sopranistin Renate Lücke-Herrmann, langjährige Uni-Dozentin für Gesang und gefragte Konzertsängerin, gestaltete die Lieder mit ihrer metallisch glänzenden, schönen Stimme eindrucksvoll und empfindsam. Der Mörike-Text „Auf einer Wanderung“ erglüht in der Bearbeitung von Michael Dorp in satten und auch grellen Orchesterfarben: „Goldglockentöne“, "Nachtigallenchor“ und „purpurnes Gewühle“. „Verschwiegene Liebe“ (Eichendorff) ist in der Version von Fionn-Elias Moora und Celina Müller ein warmes und bläsergetöntes Klanggebilde: „Mein Lieb ist verschwiegen und schön wie die Nacht“. „Verborgenheit“ (Mörike) entfaltet nach ruhigen, schweifenden Klangflächen ein farben- und stimmenreiches „Helle-Freude“-Gemälde (bearbeitet von Valerie Ludwig und Michael Theis). Welch wunderbare, Wagner-ähnliche Erweiterung (Hugo Wolf war Wagnerianer) des Orchesterlieder-Repertoires!

Ute Debus dirigierte energisch-federnd

Wie in Marco Hoffmanns Programmbeitrag zu lesen war, hat Felix Mendelssohn Bartholdy 1839 als Auftragsmusik zum 400. Gutenberg-Buchdruck-Jubiläum seine schon geschriebenen drei sinfonischen Sätze mit einer Kantate erweitert. Von den Posaunen mächtig intoniert, beginnt das Werk mit dem „Lobgesang“-Thema, das sich immer wieder durch alle Instrumentalsätze zieht und sich in der Kantate mit dem machtvollen Choreinsatz entfaltet: „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn“. Ute Debus feuerte mit energischem und federndem Dirigat in den ersten drei Sätzen das Orchester zu einem Wechsel der Klangfarben, Tempi und Ausdrucksmittel an. Choralthemen, lichte Passagen, dann auftrumpfend triumphaler Blechbläser- und Paukenglanz des ersten Satzes, tänzerisch wiegende Streichermelodien im zweiten und ruhige, nachdenkliche Bläserchöre im „Adagio religioso“. Flöte, Oboe, Klarinette und Horn seien stellvertretend für viele schöne Soli genannt.

Applausstürme im Stehen nach  Gänsehautmoment 

Kräftig und prachtvoll intonierte der Chor, vom ganzen Orchester mächtig unterstützt, „Alles, was Odem hat“ und begann die strahlend und kraftvoll alle Stimmen durchlaufende Fuge „Lobt den Herrn mit Saitenspiel“. Renate Lücke-Herrmanns heller Sopran intonierte mit den Frauenstimmen neuen Lobgesang. Mit tragender Stimme und tenoralem Glanz sang Maximilian Fieth das fast schon opernhaft lebendige Rezitativ und die Arie „Saget es, die ihr erlöst seid“. Anrührend und leuchtend schön stimmten die Sopranistinnen Lücke-Herrmann und Julia Ziehme das vom Chor begleitete Duett an: „Ich harrete des Herrn“.Auf die Frage des Tenors: „Hüter, ist die Nacht bald hin?“ gab die Sopranistin die erlösende Antwort: „Die Nacht ist vergangen“ – ein Gänsehautmoment! Jubelnde Chor- und Orchesterentladungen, Choräle des Dankes, lebendige Fugen: Der Chor war fantastisch und hatte im Orchester einen wunderbaren Partner! Nach dem triumphalen Schlusschor „Alles, was Odem hat“ gab es stehende, lange und begeisterte Applausstürme für alle Beteiligten.

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