Projekt-Theater der Uni Siegen spielt "Gretchen 89ff." von Lutz Hübner
Vergnüglicher Blick hinter die Theaterkulissen

Schnelle Pointen, begeisterndes Stück – rascher, bescheidener Moment des Dankes: Das Ensemble um Regisseur und Theaterprofessor André Barz (Mitte) verbeugt sich, um gleich in die lebhafte Kommunikation mit allen einzusteigen.
  • Schnelle Pointen, begeisterndes Stück – rascher, bescheidener Moment des Dankes: Das Ensemble um Regisseur und Theaterprofessor André Barz (Mitte) verbeugt sich, um gleich in die lebhafte Kommunikation mit allen einzusteigen.
  • Foto: Olaf Neopan Schwanke
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

ne Siegen. Seit 2003 steht das Projekt-Theater unter der Leitung von Initiator André Barz – es ist ein universitäres Projekt, aber ohne Leistungsnachweise, sondern bloß aus Interesse, aus Spaß am Spiel, aus der Befriedigung des Urtriebes Verstellung, Maskerade und Rollenwechsel, wie in einem Max-Reinhardt-Zitat auf dem Programmzettel angedeutet wird. Wo also Lust, sinnliches Theatererleben im Fokus steht, kann Lutz Hübner nicht weit seit, sein 1997 uraufgeführtes Stück „Gretchen 89ff.“ stellte André Barz mit seinem Ensemble auf die Kleinkunstbühne des Siegener Lÿz.

Süffisant moderierte Nummernrevue

Die Premiere am Mittwoch vor nicht ausverkauftem Saal geriet zu einem vergnüglichen, selbstironischen, mitunter dekuvrierenden Blick hinter die Theaterkulissen, zeigte mit einer von Stephanie M. Klein als Theaterwissenschaftlerin süffisant anmoderierten Nummernrevue der Sketche neun Variationen auf eine klassische Szene, illustrierte Schnurren und Kanten verschiedener Stereotypen des Theaterbetriebes, nahm Schauspieler, Regisseure, Dramaturgen unter die Lupe und ordnete sie charakterlichen Extremen zu.

Ein Kaffee mit "Schätzchen" und "Fräulein"

Gespielt werden sollte die „Kästchenszene“ aus Goethes Faust, Textbuchseite 89 und folgende: Gretchen kommt von der Begegnung mit dem jungen Faust erregt und verwirrt nach Hause, entdeckt das Schmuckkästchen des Teufels und fühlt sich verführt, denn „am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles“. Und zwischendrin das kleine Liedchen vom König in Thule.Aus dem Plot machte Autor Hübner eine Komödie, die von großer Liebe zu den zum Teil skurrilen Typen zeugt, die für das Weiterleben der Theaterleidenschaft an ihre Grenzen gehen – oder eben nicht. Die Schauspielerinnen und Schauspieler sind mal Diva oder Anfängerinnen, die Regisseure mal freudianisch-sexistisch nur auf Fleischlichkeit und Provokation aus oder haben als altes Turnierpferd alles souverän im Griff, an Neuem kein Interesse und wollen bloß noch mit der jungen Darstellerin, die sie „Schätzchen“ oder „Liebes“ oder „Fräulein“ nennen, hinterher einen Kaffee nehmen. Jungregisseure lassen sich von der Diva fertigmachen, ambitionierte Schauspielschulabsolventen verstehen die Praxis nicht – und alles spricht vom Zauber der Bretter, die für viele ihre Welt bedeuten.

"Theater ist toll!"

Oliver Reichert spielte mit Annika Dietermann, Jasmin Darband mit Thomas Ziel und Hanna Giebeler mit Carl Christian Griese je drei Konstellationen durch, eingefasst in einen Prolog von „Dozentin“ Klein und einen Epilog, in dem „Dozentin“ Stephanie M. Klein nach einem Programm noch in der Garderobe sitzt und von einem Fan (Carl Christian Griese) vergöttert wird, was sie ein wenig nervt – und den Fan zum Schlusssatz motiviert: „Theater ist toll!“Das stimmt nicht nur in diesem Fall, aber eben besonders in diesem: flott inszeniert, wirklich mit vielen stimmigen Pointen getrüffelt – und neben all dem Spaß am Spiel auch die Vielschichtigkeit der Motivationen feiernd, kreativ zu sein. An diesem Freitag, 20 Uhr, ist die letzte der drei Vorstellungen: Theaterinteressierte sollten sich das gut zweistündige Vergnügen nicht entgehen lassen.

Autor:

Olaf Neopan Schwanke (Freier Mitarbeiter) aus Siegen

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