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Workshop "Die ganze Welt ist Bühne" zu alternativen Spielorten
Vernetzung hilft der freien Kulturszene

So stellt sich David Penndorf seine mobile Bühne vor, mit der er im Sommer Corona-gerecht auf Plätzen der Region spielen könnte. Geplant ist „Romeo und Julia“.
  • So stellt sich David Penndorf seine mobile Bühne vor, mit der er im Sommer Corona-gerecht auf Plätzen der Region spielen könnte. Geplant ist „Romeo und Julia“.
  • Foto: David Penndorf
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

gmz Siegen. Die Kulturlandschaft der Region hat sich in Zeiten von Corona sehr verändert. Diese Beobachtung hat auch Susanne Thomas von der Kulturregion Südwestfalen gemacht, dem Servicebüro für regionale Kultur. Gerade im ehrenamtlichen Bereich, so auch die Beobachtung von David Penndorf (Bruchwerk- und Tollmut-Theater), seien viele Engagierte durch die lange Durststrecke, die jetzt ja praktisch schon ein Jahr dauere, müde geworden – entmutigt. Man könne sich nicht mehr treffen, nichts gemeinsam vorbereiten, im Moment noch nicht einmal planen, weil niemand wisse, wann „das Leben“ wieder weitergehen könne ohne starke Corona-Einschränkungen.

gmz Siegen. Die Kulturlandschaft der Region hat sich in Zeiten von Corona sehr verändert. Diese Beobachtung hat auch Susanne Thomas von der Kulturregion Südwestfalen gemacht, dem Servicebüro für regionale Kultur. Gerade im ehrenamtlichen Bereich, so auch die Beobachtung von David Penndorf (Bruchwerk- und Tollmut-Theater), seien viele Engagierte durch die lange Durststrecke, die jetzt ja praktisch schon ein Jahr dauere, müde geworden – entmutigt. Man könne sich nicht mehr treffen, nichts gemeinsam vorbereiten, im Moment noch nicht einmal planen, weil niemand wisse, wann „das Leben“ wieder weitergehen könne ohne starke Corona-Einschränkungen.

Kulturregion Südwestfalen will helfen

Um gerade den ehrenamtlich kulturell Tätigen Perspektiven zu bieten, hat die Kulturregion Südwestfalen in Zusammenarbeit mit dem Bruchwerk- und Tollmut-Theater jetzt den zweiten Workshop zum Thema „Die ganze Welt ist Bühne“ angeboten, in dem es unter anderem darum geht, nach Möglichkeiten zu suchen, wo und wie man an anderen Orten Theater spielen kann: Kultur belebt ja zum Beispiel auch „vereinsamte“ Innenstädte oder Zonen!

Teilnehmer fühlen sich "abgeschnitten"

David Penndorf, beim Bruchwerk-Theater Siegen zuständig für die Theaterwerkstatt, hat den Workshop geleitet, den zweiten in dieser Reihe, wie er im Gespräch mit der SZ sagt. Beim ersten ging es darum, sich kennenzulernen. Auch beim zweiten stand der intensive Austausch der Erfahrungen in der Pandemie im Vordergrund. Die zehn Teilnehmer aus verschiedenen Branchen teilten die Erfahrung, dass sie sich durch die Corona-Maßnahmen „abgeschnitten“ fühlen.

Märchenerzähler nutzen virtuelles Format kaum

Unterschiedlich hingegen, so Penndorf, war aber der Umgang mit alternativen Konzepten für Kultur-Erfahrungen: Die Märchenerzähler beispielsweise berichteten, dass das virtuelle Format für sie kaum nutzbar sei. Einer Kamera könne man keine Geschichte erzählen, sagen sie. Man brauche bei einem Märchen die unmittelbare Reaktion der Zuhörer …

Theatermacher können digital - aber es fehlt vieles

Für die Theatermacher dagegen sind virtuelle Räume nutzbar, allerdings – darin waren sich alle einig – nicht mit dem „Original“ vergleichbar. Und auch der Aufwand muss gestemmt werden: Für die Kultur-Einzelkämpfer der freien Szene, wie es sie im Siegener Umland gibt, fehlt oft das Know-how, fehlen die Kontakte oder und auch das Geld, um beispielsweise eine Aufführung oder eine Lesung „vernünftig“ zu streamen.

Amateure ohne Probemöglichkeiten

Dazu kommt noch, dass der ehrenamtlich organisierte Amateurbereich (z. B. Junges Theater Siegen), auch mit partizipativen Elementen, wie David Penndorf es mit dem Tollmut-Theater seit Jahren praktiziert, keine Probemöglichkeiten hat, da die Corona-Ausnahmen nur für den Profi-Bereich gelten. „Wer kennt uns noch nach zwei Jahren?“, fragt David Penndorf pointiert. Wenn über einen langen Zeitraum eine freie Truppe keine Aufführungen habe vorbereiten können, dann „gerät man schnell in Vergessenheit“, sagt er. Die über Jahre geleistete Aufbauarbeit sei dann nichts mehr wert: „Will dann noch jemand mitmachen?“ Oder heißt es: Alles auf Anfang …?

"Schockstarre" und weitere Lähmungen

Dazu kommen auch konkrete Probleme: Wenn freie, ehrenamtlich organisierte Gruppen keine Einnahmen durch Aufführungen generieren können, fällt es oft auch schwer, Miete für die Probenräume aufzubringen oder die nächsten Texte zu kaufen. Eine Art „Schockstarre“ stellt sich ein, die weitere Lähmungen nach sich zieht. Da sie nicht proben dürfen, kommen Theaterinteressierte auf Einladung des Bruchwerks alle 14 Tage virtuell zusammen und lesen gemeinsam ein Theaterstück. Sie lesen ganz klassisch mit verteilten Rollen – und sprechen dann natürlich auch über das Stück. Auch so kann Theater anfangen!

Penndorf lobt gemeinsame Initiative

Die Vernetzung der „freien“ Kulturmacher innerhalb von Siegen, stellten die Teilnehmer des Workshops fest, sei richtig gut. Man kenne sich und arbeite häufig auch zusammen. Die Kulturmacher aus dem Umland fühlten sich dagegen häufig als Einzelkämpfer. Gemeinsam habe man aber erste gemeinsame Projektideen entwickelt, die beim nächsten Treffen weiterentwickelt werden sollen. Ideen z. B., welche (leer stehenden) Räume in den Städten man bespielen könne. Diese gemeinsame Initiative, die sei vorher nicht da gewesen, sagt David Penndorf: Sie bestätigt die alte Erkenntnis, dass Vernetzung hilft!

"Romeo und Julia" im Tollmut-Truck

Penndorf hat für das Tollmut-Ensemble bereits einen Corona-konformen Plan: Auf der Ladefläche eines Trucks will er „Romeo und Julia“ spielen. Der Truck könne auf verschiedenen Plätzen der Region Halt machen, die Zuschauer säßen im Freien, mit Abstand, und könnten „mobiles Theater“ genießen…

Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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