Charakterdarsteller mit Weltformat: Arndt Schwering-Sohnrey
Versöhnung am Sterbebett

Hildegard (Mariele Millowitsch) betreut den sterbenden Alexander (Arndt Schwering-Sohnrey).

la -„Verzeihen ist wichtig“, sagt Arndt Schwering-Sohnrey  im SZ-Interview. An diesem Freitag ist er  in „Käthe und ich“ zu sehen.
la Berlin. Als sein Vater 1999 an Leukämie starb, musste die Mutter in der Todesstunde die geliebten Söhne unter einem Vorwand wegschicken, weil ihr Mann sonst nicht loslassen konnte. „Deswegen ist er ohne uns gegangen“, sagt Arndt Schwering-Sohnrey. „Es war nicht einfach, und doch ist er auch jetzt, 21 Jahre später, noch immer präsent, nicht vergessen.“ Der Mensch mag gehen, die Seele nicht.
Um Verzeihen geht es auch in der zweiten neuen Episode „Käthe und ich“ mit dem Untertitel „Papakind“, die an diesem Freitag ab 20.15 Uhr im Ersten zu sehen ist. Die zehnjährige Emma (Martha Haberland) lebt nach der Scheidung der Eltern mit ihrer Mutter Hannah (Anna Grisebach) auf einem Bauernhof. Mit ihrem Vater Alexander (Arndt Schwering-Sohnrey), dem sie die Schuld an der Trennung gibt, hat das frühere „Papakind“ gebrochen. Selbst als er mit einem aggressiven Krebsleiden im Sterben liegt, bleibt Emma bei ihrer Ablehnung. Um den letzten Willen ihres leidenden Patienten Alexander zu erfüllen, der noch einmal seine Tochter in den Arm nehmen möchte, weiß Krankenpflegerin Hildegard (Mariele Millowitsch) nur noch einen Rat: Paul (Christoph Schechinger) und seine Therapiehündin Käthe sollen helfen.

Arndt Schwering-Sohnreyspielt mit beeindruckender Intensität

Mit beeindruckender Intensität spielt der 41-Jährige den todkranken Vater. Ein berührender Part. „Ich fand“, sagt Arndt Schwering-Sohnrey, „an der Rollen-Konstellation sehr spannend, wie das Kind die Handlungsweise der Mutter verteidigt. Und ich fand wichtig, dass der Aspekt des Verzeihens in dem Film herausgearbeitet wurde. Denn das Kind muss sich selbst verzeihen, um auch dem Vater zu verzeihen und sich mit ihm zu versöhnen.“ Doch eines hätte sich der sympathisch und so gänzlich uneitel wirkende Schauspieler, der jetzt in Berlin-Rummelsburg wohnt, gewünscht: dass mehr von den heiteren gedrehten Szenen mit ihm und seiner Filmtochter nicht dem Filmschnitt zum Opfer gefallen wären.

Schauspieler mit Hollywood-Erfahrung

Den Aufstieg seines Sohnes Arndt zum Schauspieler mit Hollywood-Erfahrung hat der Vater nicht mehr erlebt. Auch nicht, dass Arndt Schwering-Sohnrey zu einem der meistbeschäftigten deutschen Schauspieler wurde, der unter anderem mit Quentin Tarantino für „Inglourious Basterds“, Michael Haneke („Das weiße Band“) und David Cronenberg („A Dangerous Method“) zusammenarbeitete. Der mit Uli Edel („Das Adlon. Eine Familiensaga“) drehte und der Interpretationen ganz unterschiedlicher historischer Persönlichkeiten wie Billy Wilder und Joseph Goebbels seinen Stempel aufdrückte.
Im Weimarer „Tatort“ setzt er seit 2015 als mäßig begabter Hilfspolizist Ludwig Maria „Lupo“ Pohl Glanzlichter. Die Rolle des „Lupo“ wurde zur Kultfigur mit Suchtpotenzial. Und die intensive Verkörperung des stark geistig behinderten jungen Mannes als Hauptverdächtiger im Münchner „Tatort“ vergisst man so schnell nicht.

Schauspiel nicht in die Wiege gelegt

Dass er einmal in der Welt des Films, Fernsehens und des Theaters – er war u. a. am Staatstheater Hannover, Braunschweig, dem Thalia Theater in Hamburg und am Grips-Theater in Berlin engagiert – Fuß fassen sollte, war nicht vorauszusehen.
Der Urenkel des Schriftstellers und Sozialreformers Heinrich Sohnrey wuchs im ländlich-idyllischen Neuhaus im Solling auf. Weit entfernt von kulturellen Aktivitäten. Auf der Georg-von-Langen-Schule in Holzminden machte er sein Abi, leistete zwei Jahre Zivildienst im Bereich der Schwerbehinderten-Betreuung („eine tiefe Erfahrung“) – und studierte dann Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater Hannover. Schon während des Studiums stand er in Hannover auf der Bühne und arbeitete am Grips-Theater u. a. mit Leander Haußmann („Sonnenallee“), Detlef Buck und Wolfgang Becker („Good Bye Lenin“) zusammen. „Das Spielen vor Kindern“, sagt Arndt Schwering-Sohnrey, „war eine intensive Erfahrung, denn Kinder erleben Schauspiel viel emotionaler, man muss sie fesseln, sonst lässt die Aufmerksamkeit nach.“
Aufmerksamkeit auf roten Teppichen, das ist nicht sein Ding. Die Gestaltung der Rollen ist ihm wichtig, künstlerisch breit aufgestellt zu sein, auch als Autor. Nicht in Routine abzurutschen. Deshalb gibt er seine Erfahrungen auch als Coach weiter und lehrt u. a. an der Royal Central School of Speech and Drama in London. Was klar ist: Von Arndt Schwering-Sohnrey wird man noch viel hören und sehen, auch wenn man meint, mit diesem Namen könne man keine Karriere im Ausland machen. Doch das ist ein Irrtum, blasse Figuren weckt er zum Leben. Jörg Langendorf

Autor:

Jörg Langendorf aus Siegen

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