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Bruchwerk-Theater beleuchtet die soziale Isolation in Nahaufnahme
Virtuelles „Beben“

Isolation, um der Reizüberflutung zu entgehen? „Beben“ thematisiert in Nahaufnahme und über den Bildschirm das komplexe Thema, zum Auftakt der neuen Streaming-Reihe „Nahaufnahme“ des Bruchwerk-Theaters.
  • Isolation, um der Reizüberflutung zu entgehen? „Beben“ thematisiert in Nahaufnahme und über den Bildschirm das komplexe Thema, zum Auftakt der neuen Streaming-Reihe „Nahaufnahme“ des Bruchwerk-Theaters.
  • Foto: Bruchwerk-Theater
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jca Siegen. 103 Zuschauer zählt die virtuelle Neuauflage des Stückes „Beben“ (Maria Milisavljević) in der Spitze der Einschaltquoten am Donnerstagabend im Rahmen der hybriden Livestream-Reihe unter dem Motto „Nahaufnahme“ des Bruchwerk-Theaters in Siegen. Das erste Stück des „digitalen Experiments“ des noch jungen Theaters, möchte vor allem Nähe (zwischen Zuschauer und Darsteller) in einem visuellen und auditiven Format ermöglichen, so Regisseur Milan Pe(s)l im an den Stream anschließenden Gespräch mit dem Publikum.
Grenze medialer Performance verschobenDas Bruchwerk-Theater sprengt mit dem Auftakt seiner hybriden Reihe die Grenzen medialer Performance und schafft ein „Dazwischen“, das die durch Corona real gewordene soziale Distanzierung und emotionale Isolierung zu überwinden sucht.

jca Siegen. 103 Zuschauer zählt die virtuelle Neuauflage des Stückes „Beben“ (Maria Milisavljević) in der Spitze der Einschaltquoten am Donnerstagabend im Rahmen der hybriden Livestream-Reihe unter dem Motto „Nahaufnahme“ des Bruchwerk-Theaters in Siegen. Das erste Stück des „digitalen Experiments“ des noch jungen Theaters, möchte vor allem Nähe (zwischen Zuschauer und Darsteller) in einem visuellen und auditiven Format ermöglichen, so Regisseur Milan Pe(s)l im an den Stream anschließenden Gespräch mit dem Publikum.

Grenze medialer Performance verschoben

Das Bruchwerk-Theater sprengt mit dem Auftakt seiner hybriden Reihe die Grenzen medialer Performance und schafft ein „Dazwischen“, das die durch Corona real gewordene soziale Distanzierung und emotionale Isolierung zu überwinden sucht. Das Stück erzeugt dabei auf seine ganz eigene Art und Weise eine paradoxe Realität, die den Zuschauer den Figuren und der Story trotz eines Weiter-weg-Seins näher sein lässt, als es eine wirkliche Aufführung erlauben würde. Nicht nur „das Weiße im Auge“ wird durch Nahaufnahmen sichtbar, auch das Atmen der Protagonistinnen wird hör- und spürbar.
Improvisierend interagieren die Darstellerinnen Lisa Sophie Kusz und Irina Ries gekonnt und authentisch mit der Kamera. Anstelle einer Nähe in beide Richtungen beim Live-Theater ermögliche das virtuelle Format mit einem einzigen Blick alle Zuschauer im selben Moment zu erreichen, so Irina Ries. Die zunächst als „Fremdkörper“ erscheinenden Kameramänner werden Teil der Inszenierung. Sie schaffen eine neue Interpretationsebene, indem sie als „schwarze Schatten“ die Bedrohung der Außenwelt authentifizieren, meint auch Milan Pe(s)l im Anschluss an das Stück.
Die frei gewählte Isolation der Protagonistinnen als Ausweg aus dem Strom der Medien-Überflutung sekündlicher News und Feeds lässt die namenlosen Figuren des Stückes in eine Realität flüchten, die die rasende Außenwelt verneint und eine vermeintlich sichere Umgebung schafft – sicher vor einer Reizüberflutung dauerhafter Präsenz medialer News, sicher vor dem Beben da draußen – sicher vor sich selbst? Auf der Flucht vor dem Vergessen kann das Dröhnen so wenig wie die rasende Gedankenabfolge nach Draußen verbannt werden und letztlich den ersehnten Stillstand erzeugen.

Visuell und akustisch "ganz nah"

Dabei wird das Stück akustisch und authentisch von einem nahezu fortlaufenden Dröhnen untermalt, welches von Marcel Rudert mit der E-Gitarre live erzeugt wird. Auch seine Anwesenheit wird so wenig wie die der Kameramänner verheimlicht, sondern ist ein Teil des Stückes. Ein leises Beben bleibt dem Zuschauer auch nach dem Livestream präsent – ob die Bedrohung der Wirklichkeit da draußen oder doch die ersehnte Nähe anstelle eines Allein oder Einsam dieses Nach-Beben erzeugt, ist letztlich der Interpretation des Zuschauers überlassen.
Gewiss ist: Der Schnitt von 90 Zuschauern zeigt, dass virtuelle Formate durchaus ein Beben in die Wohnzimmer bringen können, was das Bruchwerk-Theater „sehr glücklich stimmt“, so Pierre Stoltenfeldt auf Nachfrage der SZ. In den nächsten Wochen im Stream des Theaters sind unter anderem „Meine Meinung – ein Bollwerk“, „Lenz“ und „Trashwerk TV“ zu sehen.

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Redaktion Kultur

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