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Florian Schroeder „will Kanzler werden“ und erklärt, wie Politik geht
Vom Saulus zum Paulus

Florian Schroeder präsentierte dem Publikum im Siegener Kulturhaus Lÿz am Freitagabend gleich zweimal sein aktuelles Programm „Neustart“.
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  • Florian Schroeder präsentierte dem Publikum im Siegener Kulturhaus Lÿz am Freitagabend gleich zweimal sein aktuelles Programm „Neustart“.
  • Foto: Bärbel Althaus
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ba - Der Kabarettist drückte am Freitagabend im Lÿz gleich zweimal die Reset-Taste zum "Neustart".
ba Siegen.  So hat sich Florian Schroeder seinen „Neustart“ vermutlich nicht vorgestellt. Denn obwohl der Titel seines gleichnamigen Programms hoffnungsvoll klingt, wohnte ihm am Freitagabend im Kulturhaus Lÿz bereits ein Ende inne. Denn der Lockdown „light“, den die Politik beschlossen hat, trifft mit der Schließung der Theater und Spielstätten erneut die Kulturschaffenden. Trotzdem freute sich Schroeder darüber, dass in Siegen „50 klingen wie 5000“ und stellte direkt zu Beginn seiner ersten von zwei Vorstellungen unmissverständlich fest: „Alles, was ich hier sage, ist genauso gemeint, wie ich es sage.

ba - Der Kabarettist drückte am Freitagabend im Lÿz gleich zweimal die Reset-Taste zum "Neustart".
ba Siegen.  So hat sich Florian Schroeder seinen „Neustart“ vermutlich nicht vorgestellt. Denn obwohl der Titel seines gleichnamigen Programms hoffnungsvoll klingt, wohnte ihm am Freitagabend im Kulturhaus Lÿz bereits ein Ende inne. Denn der Lockdown „light“, den die Politik beschlossen hat, trifft mit der Schließung der Theater und Spielstätten erneut die Kulturschaffenden. Trotzdem freute sich Schroeder darüber, dass in Siegen „50 klingen wie 5000“ und stellte direkt zu Beginn seiner ersten von zwei Vorstellungen unmissverständlich fest: „Alles, was ich hier sage, ist genauso gemeint, wie ich es sage.“
Natürlich: Dafür ist der Meister der logischen Schlüsse und schnellen Worte schließlich bekannt. Und er wollte auch dieses Mal seinem Publikum Erleuchtung bringen, als „Ein-Mann-Lichterkette in der Krise.“ Quasi vom Saulus zum Paulus führe der Weg, sei doch die Corona-Krise sowas wie „unser Damaskus-Erlebnis“.

Man muss "woke" sein

In heutigen Zeiten will man schließlich „woke“ sein, also „wach“. Man ist gegen Flugzeuge und Autos und natürlich gegen Amazon, es sei denn, man muss mit dem Auto zum Lÿz kommen oder bei Amazon Prime eine sehenswerte Doku runterladen. Wer heterosexuell und weiß ist, ist privilegiert, und sollte sich dafür entschuldigen. Die Lufthansa darf fliegen, die Kirchen bleiben auf, aber die Theater zu. „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ mutiert in Corona-Zeiten zu „Eine Hochzeit und vier Todesfälle“: Das Leben ist halt kompliziert. Vielleicht bleiben deshalb Digitalisierung und Bildung nach wie vor auf der Strecke?
Schroeder parliert über Achtsamkeit, das Rumheulen von Frauen während der Corona-Krise und den Mann als „wahres Opfer der Gegenwart“. Nicht nur, dass er den ganzen Tag am Computer sitzen müsse, auch sei die gesetzliche Pflicht der Frau zur Haushaltsführung mittlerweile durch die gesetzliche Pflicht des Mannes zum Beziehungsgespräch ersetzt worden. „So unterdrückt ist der Mann, dass er nicht mehr weiß, was er eigentlich wollen soll.“
 

Florian Schroeder for Kanzler

Die Welt scheint im wahrsten Sinne ver-rückt zu sein. Er beschließt, auf „Reset“ zu drücken und in die Politik zu gehen. Mit „Neustart“, der Partei, die für alle Demokraten offen ist. 2025 will er Kanzler der Bundesrepublik Deutschland werden und hat seinen Weg zur absoluten Mehrheit bereits fest im Blick. 79 Prozent Spitzensteuersatz für Superreiche, 1000 Euro Grundeinkommen, Klimaschutz und kostenfreie Bildung für jeden eingeschlossen.
Die Köder liegen aus und müssen nur noch gefressen werden, um es ihm in seiner zweiten Amtszeit zu ermöglichen, vom deutschen Volke eine neue Verfassung beschließen zu lassen. Besagt doch Art. 146 des Grundgesetzes, dass das Grundgesetz seine Gültigkeit an dem Tage verliert, „an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die vom deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.“

Volks-App für alle

Wer bis dahin noch von so viel Enthusiasmus und politischer Durchschlagskraft berauscht war, sollte spätestens jetzt aufwachen. Denn Schroeder wird Kanzler auf Lebenszeit und führt neben „Malle für alle“ auch die Volks-App ein, damit „jederzeit jeder weiß, wer sich wann mit wem getroffen hat“. – „So führt man in Deutschland auf ganz legalem Wege eine Diktatur ein“, klärt er auf und hinterlässt ein unbehagliches Gefühl.
Das verblasst glücklicherweise, als er in seine Paraderolle als Markus Lanz schlüpft und seine illustren Gäste Robert Habeck, Markus Söder, Armin Laschet, Karl Lauterbach und letztendlich Angela Merkel parodiert. Und weil das so schön ist, setzt er als Zugabe mit Gerhard Schröder, Jogi Löw, Dieter Bohlen, Boris Becker und Alice Schwarzer noch einen weiteren Höhepunkt. Doch während Angela Merkel in der Talkrunde zu der dezidierten Erkenntnis kommt: „Warum soll ich etwas sagen, wenn nichts sagen mehr sagt, als alles sagen“, findet Schroeder deutliche Worte: „Wir leben nicht am Ende der Zeit, sondern in einer Zeit des Endes“ und aus einem „So ist es“ kann auch ein „Es könnte auch alles ganz anders sein“ werden. Vorausgesetzt, wir drücken auf „Neustart!“

Florian Schroeder präsentierte dem Publikum im Siegener Kulturhaus Lÿz am Freitagabend gleich zweimal sein aktuelles Programm „Neustart“.
In seiner Paraderolle als Markus Lanz hatte Florian Schroeder nicht nur illustre Gäste in seiner Runde, sondern auch die Lacher auf seiner Seite.
Autor:

Bärbel Althaus (Freie Mitarbeiterin) aus Wilnsdorf

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