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Das Museum für Gegenwartskunst präsentiert seine Sammlungen neu
"Von Erde schöner": Wiedersehen in Beziehungen

Die Ausstellung „Von Erde schöner“ bringt u. a. Arbeiten von Thomas Struth (hinten „Paradise, 1989–2001“) mit den „Tischen und Bäumen“ von Katalin Deér (2012) zusammen. Ab sofort und bis Februar 2022.
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  • Die Ausstellung „Von Erde schöner“ bringt u. a. Arbeiten von Thomas Struth (hinten „Paradise, 1989–2001“) mit den „Tischen und Bäumen“ von Katalin Deér (2012) zusammen. Ab sofort und bis Februar 2022.
  • Foto: Philipp Ottendörfer
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

zel Siegen. Wir fangen an, uns wiederzusehen – und wieder zu sehen, was uns Corona lange Zeit vorenthalten hat. Die Sehnsucht nach Kunst ist vorhanden, die nach Strand ist genauso groß. Vor der Abreise lohnt noch ein Besuch im Museum für Gegenwartskunst (MGK) Siegen, denn hier ist jetzt ein Wiedersehen mit der Sammlung Lambrecht-Schadeberg (Rubenspreisträger) möglich. Und darin natürlich: der „Strand“ von Sigmar Polke im Stil eines Zeitungsdrucks. Willkommen zurück!
Ines Rüttinger traf die AuswahlDoch nicht nur ausgewählte Werke der Sammlung Lambrecht-Schadeberg dürfen wieder an die Museumsluft, sondern auch Werke der Sammlung Gegenwartskunst des MGK.

zel Siegen. Wir fangen an, uns wiederzusehen – und wieder zu sehen, was uns Corona lange Zeit vorenthalten hat. Die Sehnsucht nach Kunst ist vorhanden, die nach Strand ist genauso groß. Vor der Abreise lohnt noch ein Besuch im Museum für Gegenwartskunst (MGK) Siegen, denn hier ist jetzt ein Wiedersehen mit der Sammlung Lambrecht-Schadeberg (Rubenspreisträger) möglich. Und darin natürlich: der „Strand“ von Sigmar Polke im Stil eines Zeitungsdrucks. Willkommen zurück!

Ines Rüttinger traf die Auswahl

Doch nicht nur ausgewählte Werke der Sammlung Lambrecht-Schadeberg dürfen wieder an die Museumsluft, sondern auch Werke der Sammlung Gegenwartskunst des MGK. Beide hat Kuratorin Ines Rüttinger verschränkt, hat aus beiden Beständen nach bestimmten Ordnungskriterien ausgewählt, im Modell und vor Ort probiert, was funktioniert und was nicht – thematisch, aber auch von der Größe des Raumes und der Größe der Bilder her. Im Austausch mit Museumsdirektor Thomas Thiel und dem Kurator der Sammlung Lambrecht-Schadeberg, Prof. Christian Spies, ist die Präsentation „Von Erde schöner“ entstanden, die so bis zum 13. Februar 2022 zu sehen sein wird.

Prof. Christian Spies, Kuratorin Ines Rüttinger und Museumsdirektor Thomas Thiel (v.l.) stellten am Freitag die neue Sammlungspräsentation "Von Erde schöner" im Museum für Gegenwartskunst Siegen vor.
  • Prof. Christian Spies, Kuratorin Ines Rüttinger und Museumsdirektor Thomas Thiel (v.l.) stellten am Freitag die neue Sammlungspräsentation "Von Erde schöner" im Museum für Gegenwartskunst Siegen vor.
  • Foto: Regine Wenzel
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

Peter Piller trifft Lucian Freud

Der Titel ist einer Arbeit von Rubensförderpreisträger Peter Piller entliehen, der vorgefundenes Archiv-Bildmaterial sichtet, nach eigenen Gesichtspunkten ordnet und ausstellt. Hier zu sehen sind Luftaufnahmen von Eigenheimen, teils in kuriosem Setting: Wer wohnt wohl auf dieser Brache? Wer sonnt sich in der ummauerten Einöde? Das Sammeln und Ordnen bezeichnet Rüttinger auch als einen Leitgedanken in ihrer Arbeit, die Auseinandersetzung mit dem Vorhandenen, neue Bezüge. So hat sie den Piller-Bildern Hinterhöfe des für seine Aktporträts bekannten Briten Lucian Freud zur Seite gestellt. „Raum“ und „Landschaften“ sind nämlich weitere Aspekte, unter denen die Kuratorin die Sammlungen neu angesehen hat.

Mit Sigmar Polke am Strand

Neue, interessante Verbindungen sind so entstanden. Im „Strand“-Raum mit dem Polke findet sich auch eine große Fotografie eines vermeintlichen Strandes von Götz Diergarten: Das Meer, auf das die Besucher des Restaurants in Kairo blicken, ist das Häusermeer am Horizont. Und jetzt kommt noch ein Element dazu, das zunächst fremd erscheinen mag, aber in der Zusammenschau total Sinn hat: drei Fotografien des Künstlerehepaars Bernd und Hilla Becher von der Grube San Fernando in Herdorf: Momentaufnahmen verschwundener industrieller Landschaften, auch „sandig“ irgendwie. Wer sich zum Gehen wendet, dessen Blick fällt auf eine zweiteilige Fotoarbeit von Diergarten: „Ravenoville“ zeigt in pastelligen Farben die Häuschen des nordfranzösischen Örtchens vor Strand – aber ohne Wasser. Die Idee von Weite habe sie hier in diesem Raum geleitet, erklärt Ines Rüttinger.

Zwei Feldwege

Doch nicht nur innerhalb der Räume hat sie Verbindungen zwischen Werken geschaffen, sondern sogar die Durchgänge und damit Durchsichten auf das, was kommt, genutzt: Besonders schön gelungen ist das bei den beiden Feldwegen: dem gemalten von Giorgio Morandi (dessen Stillleben natürlich auch vor Ort sind) und dem sich anschließenden fotografierten von Simone Nieweg.

Ins Grüne mit Nieweg, Winter, Struth

Von hier aus führt der Weg ins Grüne: Rhabarber, Wirsing und Kohlrabi, deren Strukturen für die Fotografin (Becher-Schülerin wie Andreas Gursky, Thomas Struth, Götz Diergarten und Candida Höfer) von besonderem Interesse war, leiten über zu Fritz Winters abstrakter „Komposition 38 (Grün)“, bei der es genauso um Struktur, Materialität und Bildkomposition gehe, so Rüttinger.
Grüner wird’s nicht? Aber ja doch. Mit den großformatigen Arbeiten von Thomas Struth geht es in die Wälder der Welt. Jetzt herrscht an Wäldern in der Region kein wirklicher Mangel – daher fasziniert der Bayerische Wald als Motiv ein bisschen weniger als der Regenwald in China oder Brasilien, nicht aber der meisterhafte fotografische Blick auf die fast undurchdringlichen, in mehr als 50 Schattierungen von Grün lockenden „Paradiese“. Im selben Raum: die Arbeit „Tische und Bäume“ von Katalin Deér, die wieder an die Leitfaden-Idee vom Sammeln und Ordnen anknüpft (welche wiederum auch die mexikanische Künstlerin Mariana Castillo Deball bei ihrer Schau „Amarantus“ geleitet hat, die bis zum 8. August im MGK verlängert wurde).

"Von Erde schöner":  Ausstellungsansicht im MGKSiegen mit Arbeiten von Francis Bacon (Study from the Human Body and Portrait, 1988, Portrait, 1962, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021) und von Antoni Tàpies (Oval gris-marró, 1959, Cos, 1987, Gris amb rectangles impresos, 1958, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021).
  • "Von Erde schöner": Ausstellungsansicht im MGKSiegen mit Arbeiten von Francis Bacon (Study from the Human Body and Portrait, 1988, Portrait, 1962, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021) und von Antoni Tàpies (Oval gris-marró, 1959, Cos, 1987, Gris amb rectangles impresos, 1958, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021).
  • Foto: Philipp Ottendörfer
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

Körperlich und gestisch

Und so geht es weiter und weiter: Unter dem Aspekt „Körperlichkeit“ bringt Rüttinger die großen Maler Freud, Tàpies und Bacon zusammen. Unglaublich, wie nah sich der verkrampfte Papst Innozenz X des Briten Francis Bacon und die zusammengekauerte Tonfigur „Cos“ des Katalanen Antoni Tàpies kommen können! Hans Hartung und Cy Twombly begegnen sich unter dem Aspekt „Gestische Malerei“ – wie „ordentlich“ dagegen Niele Toronis Wandarbeit mit den im Raster aufgetragenen gelb-quadratischen Pinselstrichen wirkt.

Alles rot und Polke-Palmen

Toroni – diesmal in Rot – taucht im Neubau wieder auf, zusammen mit Ruprecht Geiger und Bridget Riley: Hier ging es der Kuratorin um „Panorama“ und „Weite“. Sie stellt die Sachlichkeit der Fotografen Höfer und Gursky dem wilden Sigmar Polke gegenüber. Von ihm: Rasterbilder, Copy Art und die witzige Fotoserie „Höhere Wesen befehlen“ – und hier: Palmen aller Art, aus Kaffeefiltern, Gläsern, Knöpfen und Polke als Palme. Bis es an den echten Strand geht, können diese komischen Versionen auf Papier reichen. Höhere Wesen empfehlen.

„Von Erde schöner“. Die Sammlungen des MGKSiegen, 
Museum für Gegenwartskunst, Siegen, 
bis 13. Februar 2022,
Infos zur Terminvereinbarung:  mgksiegen.de.

Autor:

Regine Wenzel (Redakteurin) aus Siegen

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