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Kunst im Besitz des Siegener "Kulturpflegeamtes"
Von Hans Hartung bis Hanna Achenbach

Nur eine Kladde, aber ihre Einträge zum „Städtischen Kunstbesitz“ erzählen viele Geschichten über Kunst, Künstler und städtisches Kunstgeschehen.
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  • Nur eine Kladde, aber ihre Einträge zum „Städtischen Kunstbesitz“ erzählen viele Geschichten über Kunst, Künstler und städtisches Kunstgeschehen.
  • Foto: Gunhild Müller-Zimmermann
  • hochgeladen von Claudia Irle-Utsch (Redakteurin)

gmz Siegen. In bester, fast normgerechter Behörden-Schönschrift ist außen auf der eher unscheinbaren Kladde ihre Bestimmung festgehalten: „Kunstwerke des Kulturpflegeamtes“. Auf dem Innentitel istergänzend zu lesen: „Eingangsliste für Kunstgegenstände des Kulturpflegeamtes“. Offenbar im Jahr 1958 angelegt, denn ab dem 31. März 1958 sind die Eingänge datiert, die wenigen Einträge davor wurden ohne Datum aufgeführt.
Die Kunst wurde in diesem Büchlein verwaltet. Nicht mehr und nicht weniger. Und doch gibt die simple Aufzählung einen Einblick in die Entstehung der „Städtischen Sammlung“, die keine Sammlung im eigentlichen Sinne ist.

gmz Siegen. In bester, fast normgerechter Behörden-Schönschrift ist außen auf der eher unscheinbaren Kladde ihre Bestimmung festgehalten: „Kunstwerke des Kulturpflegeamtes“. Auf dem Innentitel istergänzend zu lesen: „Eingangsliste für Kunstgegenstände des Kulturpflegeamtes“. Offenbar im Jahr 1958 angelegt, denn ab dem 31. März 1958 sind die Eingänge datiert, die wenigen Einträge davor wurden ohne Datum aufgeführt.
Die Kunst wurde in diesem Büchlein verwaltet. Nicht mehr und nicht weniger. Und doch gibt die simple Aufzählung einen Einblick in die Entstehung der „Städtischen Sammlung“, die keine Sammlung im eigentlichen Sinne ist. Fortlaufend nummeriert (Ludwig Kirchhoffs Pastell „Blick auf Altstadt“ trägt übrigens die Nummer 1) geben die Einträge Auskunft über den Künstler (oder die Künstlerin, auch und gerade in der Frühzeit sind vergleichsweise viele Frauen in der Liste vertreten), den Titel des Werkes und die Machart (die fremdartigen Techniken waren wohl teils wenig bekannt, wie die wiederkehrende Schreibung „Gouche“ für Gouache belegt), die Maße, den Wert zum Zeitpunkt des Erwerbs, und den Verbleib. Ob die Werke gekauft oder geschenkt wurden, ist der Auflistung nicht zu entnehmen. Die wechselnden Handschriften (vor allem in den späteren Jahren) verleihen dem Ganzen eine individuelle Note.

Meier-Lippe, Saenger, Koehler, Achenbach

Die Namen der Künstler sind erwartbar, geben aber auch einen Überblick über die Entwicklung der Kunst in der Region: Finden sich zunächst die „üblichen Verdächtigen“ wie Ludwig Kirchhoff, Theo Meier-Lippe, Adolf Saenger, Hermann Kuhmichel, Hans und Hanna Achenbach, Ruth Fay, Martin Schulz, Willi Schütz, Reinhold Koehler, Paul Neiner oder Hermann Manskopf, liest man auch (für die meisten heute) unbekanntere Namen in den Listen: Ewald Hackler, Elfriede Pfläging-Giebeler, Hugo Neuhaus oder auch Margot Turgel, Gertrud Lück-Flender. Später tauchen dann Namen auf, die bis heute nachklingen, vor allem in Gestalt der Arbeitsgemeinschaft Siegerländer Künstlerinnen und Künstler (ASK). Uwe Pieper ist da vertreten, Gertrud Vogd, Walter Helsper, Wolfgang Kreutter oder Margret Judt. Auch Gero Trauth wird aufgeführt und Georg Bechtel. Dessen Ansicht von „Weidenau um 1900“, so ist es in der Kladde vermerkt, soll in der Kantine des Geisweider Rathauses (gewesen?) sein.

Auch Tapiès, Geiger und Hartung vertreten

Als sich in den späten 1950er- und in den 1960er-Jahren der städtische Kunsthorizont erweitert, u. a. durch die Verleihung des Rubenspreises und erste Galerieangebote wie die der Galerie Nohl in der gleichnamigen Buchhandlung, kommen auch international bekannte Namen hinzu: Antoni Tapiès, Rupprecht Geiger und Hans Hartung (1972), Prof. Emil Schumacher (1965, den Rubenspreis erhielt er 1982), Giorgio Morandi (offenbar aus der Galerie Nohl, von 1966), HAP Grieshaber und andere. Die Werke der Rubenspreisträger sind ans Siegerlandmuseum gegangen (später dann ans Museum für Gegenwartskunst), manche Arbeit von Siegerländer Künstlern ebenfalls an das Siegerlandmuseum.
Andere Zugänge zur städtischen Kunstsammlung erinnern an die zunehmende Ausstellungstätigkeit im Haus Seel: Da sind Arbeiten von Silke Rehberg (Rubensförderpreisträgerin), von Meir Rosenblum, der vermutlich in den 1980ern ausgestellt hat, Candida Höfer ist mit einer Arbeit zum Siegerlandmuseum vertreten, ... die Liste ist unerwartet vielfältig.

Stadt Siegen förderte Künstler

Und was macht die Stadt Siegen mit ihrer Kunst, da sie ja eigentlich keine Möglichkeit der Präsentation hat? Gerhard Lange, der ehemalige Leiter des Siegener Kulturamtes, erläutert im Telefonat mit der Kulturredaktion die Überlegungen zum Umgang mit der Kunst.Die Ankäufe (um die handelte es sich meistens, sagt er) waren Teil der städtischen Unterstützung für die bildenden Künstler. Meistens wurden im Zusammenhang mit den Frühjahrs- und Winterausstellungen einzelne Arbeiten angekauft, im Zuge eines „Kunstförderprogramms“. Später galt eine andere Förder-Philosophie: Den Künstlern wurden mehr Ausstellungsmöglichkeiten (u. a. im Haus Seel) angeboten, um ihre Bekanntheit (und damit den Marktwert) zu steigern. Aufbewahrt wurde die städtische Sammlung in ihren Anfangszeiten im Haus Seel. Heute lagert sie in einem der städtischen Rathäuser: eine „bildgewordene Liste“. So wirkt es jedenfalls beim SZ-Besuch mit Kultur-Siegen-Mitarbeiterin Julia Pfeiffer.

Wandschmuck für städtische Gebäude

Und was macht man mit diesen Arbeiten? Fürs Depot waren sie zu schade, beschreibt Gerhard Lange die Überlegungen, die es seit Beginn der Sammlung gab. Die Werke sollten ans Licht. Sie den städtischen Mitarbeitern für ihre Büros zur Verfügung zu stellen lag da nahe. In der Kladde sind auch rege Ausleih-Bewegungen verzeichnet. Manche Arbeiten waren offenbar recht begehrt, wie die mehrfachen Einträge zeigen. Manche Mitarbeiter (z. B. „Stöcker, Frieder“) tauschten ihren Wandschmuck offenbar regelmäßig aus, denn sie tauchen immer wieder als Ausleiher auf. Wer eine Arbeit ausleihen wollte, musste einen Leihschein ausfüllen. Aber im Laufe der Jahre, so Lange, verlor man natürlich den Überblick …Auch Schulen und andere öffentliche Bereiche wurden „ausgestattet“. Das „neue“ städtische Rathaus-Foyer in Geisweid wurde mit Kunst ausgestattet (Paul Neiner). Eine große Schenkung von Martin-Schulz-Arbeiten ging offenbar nach seinem Tod an die Stadt. Die stellte einige davon dem Fürst-Johann-Moritz-Gymnasium zur Verfügung, an dem Martin Schulz als Kunstlehrer unterrichtet hat. Auch andere Schulen erhielten Kunstwerke, wie die Ingenieurschule für Bauwesen oder das Löhrtor-Gymnasium, die Friedrich-Flender-Schule, ...

Kunst kommt wieder ans Licht

Es gibt auch Einträge, die von einer städtischen Geschenkkultur sprechen: „Abschiedsgeschenk für Herrn Kinkel (?)“. Damit schied die Arbeit „Frauen im Hauberg“ von Adolf Saenger aus dem städtischen Besitz. Die eingangs erwähnte Arbeit von Ludwig Kirchhoff ging in den Besitz des Siegerlandmuseums über („ans Museum übergeben“), Hans Achenbachs „Krähender Hahn“ ist Eigentum der Siegerlandhalle.Die Frage, wie die Kunst ans Licht geholt werden kann, stellt sich bis heute. Wie Astrid Schneider, Leiterin von Kultur Siegen, sagt, sollen die Arbeiten gezeigt werden, im Schaufenster vom Haus Seel, das derzeit ja wegen Sanierungsmaßnahmen geschlossen ist (die Corona-Schließung kommt noch hinzu). Den Anfang machten Arbeiten von Theo Meier-Lippe, dieser Tage sollen Arbeiten von Christtraut Borski gezeigt werden.

Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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