SZ-Plus

Dieter Hallervorden im Apollo: Gespräch über Theater in Zeiten der Pandemie
Von Viren nicht verwirren lassen

Dieter Hallervorden gastiert derzeit mit „Gottes Lebenslauf“ im Siegener Apollo. Am Mittwochnachmittag äußerte er sich im Vorfeld der abendlichen Aufführung in einem Pressegespräch zum Thema Theatermachen in Zeiten der Corona-Krise.
5Bilder
  • Dieter Hallervorden gastiert derzeit mit „Gottes Lebenslauf“ im Siegener Apollo. Am Mittwochnachmittag äußerte er sich im Vorfeld der abendlichen Aufführung in einem Pressegespräch zum Thema Theatermachen in Zeiten der Corona-Krise.
  • Foto: Alexander W. Weiß
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

aww Siegen. Dieter Hallervorden ist nach Lebensjahren nicht mehr der Jüngste. Und er ist sich seines fortgeschrittenen Alters – und dessen, was nun zählt – sehr bewusst. Das wird beim Pressegespräch am Mittwochnachmittag im Vorfeld der abendlichen Vorstellung von „Gottes Lebenslauf“ im Siegener Apollo-Theater recht deutlich. Deutlich wird aber auch, dass der Schauspieler, Komödiant, Kabarettist und Entertainer mit seinen 85 Jahren mitnichten Lust hat, sich aufs Altenteil zu legen, die gegenwärtigen (und gewiss noch andauernden) Schwierigkeiten, die die Corona-Pandemie für seine Branche mit sich bringt, schicksalsergeben hinzunehmen – und es einfach gut sein zu lassen.

aww Siegen. Dieter Hallervorden ist nach Lebensjahren nicht mehr der Jüngste. Und er ist sich seines fortgeschrittenen Alters – und dessen, was nun zählt – sehr bewusst. Das wird beim Pressegespräch am Mittwochnachmittag im Vorfeld der abendlichen Vorstellung von „Gottes Lebenslauf“ im Siegener Apollo-Theater recht deutlich. Deutlich wird aber auch, dass der Schauspieler, Komödiant, Kabarettist und Entertainer mit seinen 85 Jahren mitnichten Lust hat, sich aufs Altenteil zu legen, die gegenwärtigen (und gewiss noch andauernden) Schwierigkeiten, die die Corona-Pandemie für seine Branche mit sich bringt, schicksalsergeben hinzunehmen – und es einfach gut sein zu lassen. Seine Agilität ist offensichtlich, sein Optimismus ungebrochen, und aus seinem Blick strahlt die Leidenschaft für das Theater. Und der feste Wille, nicht aufzugeben.

„Ich war entsetzt, als die Schließung kam“

Wenn der Betreiber zweier Berliner Häuser – des Schlosspark-Theaters, das nun in Siegen zu Gast ist, und des Kabarett-Theaters Die Wühlmäuse – eingangs sagt, dass das Theater „bessere Zeiten erlebt“ habe als die heutigen, dann klingt das durchaus euphemistisch. Ganz eindeutig aber ist seine Reaktion auf die Frage unserer Kulturredaktion, ob er in seiner langen, Jahrzehnte währenden Karriere schon einmal eine ähnlich dramatische berufliche Situation erlebt habe wie in der Corona-Krise.
„Kann ich ganz kurz beantworten“, sagt Hallervorden: „Nein!“ Und führt dann weiter und nicht ganz so kurz aus: „Ich habe damit nicht gerechnet, und ich war entsetzt, als die Schließung kam.“ Doch Hallervorden und Co. wurden aktiv, boten etwa Übertragungen im Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) und „sehr viele Livestreams“ an. „Alles Dinge, die natürlich auch Geld kosten, aber wir wollten zeigen, dass wir für das Publikum da sind.“ Vielleicht würden sich die Menschen „später daran erinnern und sagen: Die haben uns nicht im Stich gelassen zu einer Zeit, als wir nicht ins Theater konnten, die haben alles möglich gemacht, dass wir wenigstens in Teilen Kultur genießen konnten.“

Antworten „für den Papierkorb“

Getreu dem Motto „Wir lassen uns von diesen Viren nicht verwirren“ legte Hallervorden also die Hände nicht in den Schoß, sondern wurde schon früh aktiv. „Am 20. April bereits!“, wie er mit Nachdruck betont, habe er Briefe an Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Berlins Kultursenator Klaus Lederer geschrieben, „mit einem Konzept, wie man unter Beachtung aller Abstands- und Hygienemaßregeln das Theater wieder öffnen könnte“. Die Resonanz: „Ich hab darauf Antworten bekommen, die eigentlich mehr für den Papierkorb waren – und vier Monate später hat man genau das Konzept übernommen.“ Jammern jedenfalls, so viel wird schnell klar, ist nicht Hallervordens Ding, sondern Anpacken, auch in diesen Zeiten: „Wenn einem das Wasser schon bis zum Hals steht, sollte man tunlichst nicht den Kopf hängen lassen.“ 

„Ich bringe jeden Abend 2500 Euro mit“

Inzwischen sind seine Theater wieder offen und werden bespielt. „Und die Zuschauer kommen“ zur Freude Hallervordens. „Das war ja die Frage.“ Alle Probleme sind damit freilich nicht gelöst. Denn aufgrund der derzeit weitaus geringeren Besucherkapazitäten („wir verlieren 80 Prozent“) können die Berliner Vorstellungen schwerlich auskömmlich sein. „Das heißt, ich spiele nicht nur unentgeltlich, sondern ich bringe jeden Abend 2500 Euro mit“, sagt Hallervorden – und kommt auf sein Alter zu sprechen: „Sehen Sie mal, wenn ich auf einer Reise bin, kurz vor einem Ziel, dann erhöhe ich ja auch nicht noch mal den Reiseproviant. Das heißt also, ich bin in einem Alter, wo ich eigentlich eher das Geld ausgebe, das meinem Sohn mal gehören soll. Aber ich habe glücklicherweise einen Sohn, der genauso viel Theaterliebe hat wie ich, der mich dabei unterstützt – und solange das Geld reicht, werde ich durchhalten. Wenn es dann irgendwann zu Ende ist, muss ich aufgeben.“ Indes: Aus der Zeit von „Didi“, seiner Kultfigur aus früheren Jahren, habe er von den Zuschauern so viel „Geld in die Kassen gespült bekommen, dass ich das jetzt quasi als Dank zurückgebe an die Zuschauer“. Als Optimist „von Natur aus“ glaubt Dieter Hallervorden übrigens nicht daran, dass es einen zweiten Lockdown geben wird.

Siegen „vorläufig einzige“ Gastspielstation

Mit Siegens Intendant Magnus Reitschuster einig ist er sich, dass es die wirtschaftlich sinnvollste – weil billigste – Lösung wäre, die Theatertüren geschlossen zu lassen. Das aber will weder der eine noch der andere. So war denn auch die Antwort auf die Frage, ob die Siegener Vorstellungen von „Gottes Lebenslauf“ (wir berichten noch) gespielt werden sollen oder nicht, bald klar. Reitschuster: „Wir haben gesagt: Der Vorhang muss hochgehen, egal wie!“
Hallervorden habe es ermöglicht, dass im Mai 2021 noch sechs Vorstellungen gespielt werden können (obwohl er dann eigentlich ein TV-Engagement gehabt hätte). So kommen auch die übrigen Ticketbesitzer, die bei den jetzigen sechs Vorstellungen (Mittwoch bis Sonntag, siehe www.apollosiegen.de) wegen der Platzreduzierungen außen vor sind, noch zum Zuge. Wie berichtet, dürfen derzeit nur rund 100 Besucher ins Apollo – anstelle der ursprünglichen 365 bei der zunächst geplanten Zweidrittelbelegung. Siegen ist übrigens die erste und „vorläufig einzige“ Gastspielstation für das Stück, das am 5. September, Dieter Hallervordens 85. Geburtstag, in dessen Schlosspark-Theater Premiere gefeiert hat.

Autor:

Alexander W. Weiß (Redakteur) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r

Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen