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Platz am Unteren Schloss: Ideen sind gefragt
Wann ist Leben an diesem Ort?

Tolle Kulisse, aber tote Fläche. Wie gewinnt der Platz am Unteren Schloss, der ein Hof ist, Aufenthaltsqualität?
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  • Tolle Kulisse, aber tote Fläche. Wie gewinnt der Platz am Unteren Schloss, der ein Hof ist, Aufenthaltsqualität?
  • Foto: René Traut
  • hochgeladen von Peter Barden (Redakteur)

gmz Siegen.  Die Kulisse ist toll: das barocke Untere Schloss, der Dicke Turm mit der Gedenkstätte, gegenüber der ehemalige Gefängnisflügel mit der Uni-Teilbibliothek. Geradeaus die Arkaden mit der Fürstengruft. Seitlich das Alte Telegrafenamt aka MGKSiegen mit der LED-Wand und dem modernen Eingang. Im Rücken der Hörsaal-Anbau an den Karstadt-Klotz. Ein Ensemble, das recht geschlossen wirkt, obwohl es aus höchst unterschiedlichen Zeiten stammt.
Atmosphäretechnisch: steingewordene TristesseIn der Mitte eine große Fläche. Schön gepflastert. Repräsentativ. Großzügig. Aber: Der Platz am Unteren Schloss ist „töter“ als eine Einkaufs-Mall nach Geschäftsschluss. Ist „atmosphäretechnisch“ steingewordene Tristesse. Meist menschenleer.

gmz Siegen.  Die Kulisse ist toll: das barocke Untere Schloss, der Dicke Turm mit der Gedenkstätte, gegenüber der ehemalige Gefängnisflügel mit der Uni-Teilbibliothek. Geradeaus die Arkaden mit der Fürstengruft. Seitlich das Alte Telegrafenamt aka MGKSiegen mit der LED-Wand und dem modernen Eingang. Im Rücken der Hörsaal-Anbau an den Karstadt-Klotz. Ein Ensemble, das recht geschlossen wirkt, obwohl es aus höchst unterschiedlichen Zeiten stammt.

Atmosphäretechnisch: steingewordene Tristesse

In der Mitte eine große Fläche. Schön gepflastert. Repräsentativ. Großzügig. Aber: Der Platz am Unteren Schloss ist „töter“ als eine Einkaufs-Mall nach Geschäftsschluss. Ist „atmosphäretechnisch“ steingewordene Tristesse. Meist menschenleer. Hier und da sieht man einen Menschen über den Platz huschen, auf dem Weg zum Aufzug ins Parkhaus unter dem Platz. Oder auf dem Weg zu einer Uni-Veranstaltung oder zur Bibliothek. Selten laufen die Menschen mitten über den Platz, meistens nehmen sie den Weg an den Gebäuden entlang, um dem Gefühl des Ausgeliefertseins zu entkommen.

Ursprünglich ein Innenhof

„Ist das überhaupt ein Platz?“ Marcin Ganczarski, Städtebauer und Architekt aus Zürich, in Siegen und Umgebung aufgewachsen, reagiert mit einer Gegenfrage auf die aus städtebaulicher Sicht unzutreffend formulierte Frage, wie man denn den Platz am Unteren Schloss in Siegen beleben könne.
So wie er die Siegener Stadtstruktur liest, fährt er im Telefonat mit der SZ-Kulturredaktion fort, ist die Fläche vor der wunderschönen Kulisse kein Platz, sondern ursprünglich ein Innenhof. Was auch stimmt, denn die Fläche war immer dem Schloss zugeordnet, diente als „Zubringer“ für den Schlossbetrieb, als Areal zum Exerzieren, dann als Park und später als Stellfläche für Autos unter hohen Bäumen. Teil der städtischen Infrastruktur im Sinne eines Platzes, auf dem Markt gehalten wird, auf dem sich Straßen kreuzen, auf dem „das Leben im Alltag pulsiert“, war er nie.

Ungefähr vier Wochen im Jahr belebt

Der Platz am Unteren Schloss hat also keine „Funktion“ in der städtischen Infrastruktur. Belebt ist er nur, wenn Filme gezeigt werden, wenn „MittwochSIn“ steigt oder der Weihnachtsmarkt dort stattfindet. Dann treffen sich dort Menschen, angelockt vom aktuellen Erlebnis-Versprechen, dann wird der Platz kurzzeitig zu einer „piazza“ im italienischen Sinne, zu einem Zentrum der Begegnung.
Muss man also akzeptieren, dass der Hof am Unteren Schloss nur an ungefähr vier Wochen im Jahr belebt und ansonsten nur „da“ ist?

Fläche ist zu groß

Nein, sagt Ganczarski. Zunächst plädiert er dafür, von einer „Fläche“ zu reden, aber nicht von einem Platz. Diese Fläche habe neben der schon erwähnten Tatsache, dass sie in der städtischen Wege-Struktur keine Funktion habe, außerdem das Problem, dass sie im Grunde unverhältnismäßig groß sei: „Von der Skala her“, sagt der Städtebauer, der in Darmstadt, Delft und London studiert hat, vom Maßstab sei er zu groß. Der Einzelne verliere sich vor den Gebäuden, fühle sich ausgeliefert und unwohl.

Hof wird teils funktionslos

Stimmt. Zum Verweilen lädt der Platz nicht ein. Dazu kommt: Einen Teil der Servicefunktion als Verteiler und Zugang für die Uni-Gebäude habe man dem Hof ja auch genommen, fährt Marcin Ganczarski fort, dadurch, dass der Eingang zum Teilstandort der UB ja auch von der Grabenstraße aus möglich ist. Das ist zwar praktisch, wenn man von der Mensa kommt oder von den Uni-Räumen im ehemaligen Stadtkrankenhaus. Aber der Hof wird dadurch teils funktionslos. Man „braucht“ ihn wie gesagt nur, wenn man aus der Stadt in die Gebäude oder das Parkhaus möchte.

Kann man "Aufenthaltsqualität" schaffen?

Verkleinern lässt sich der Platz nicht, ins Zentrum der Laufwege kann man ihn nicht zwingen. Wie geht man also mit der Fläche um? Ganczarski bringt die Innenhöfe der englischen Colleges ins Spiel: Mit Begrünung und „Aufenthaltsbereichen“ ließe sich viel machen (ohne, das betont er, die üblichen „Imbiss- oder Getränkebuden“ anzubieten). Denn: Will man diese Fläche für 20 Veranstaltungen im Jahr bereithalten und ansonsten die Tristesse ertragen? Ist dieser eigentlich tolle Stadtraum dann nicht verschenkt? Kann man nicht eine „Aufenthaltsqualität“ für diese Fläche schaffen? Wenn Corona hoffentlich irgendwann einmal „vorbei“ ist, besuchen einige Tausend Studierende die Vorlesungssäle, Seminarräume, die Bibliothek und die Mensa. Sie suchen dann einen Ort, an dem sie ihren Kaffee trinken können, sich nach einer Veranstaltung mit Kommilitoninnen und Kommilitonen treffen können, verweilen können. Was muss geschehen, damit das auf dieser Fläche geht? – Die Uni ist in der Stadt. Die Stadt muss darauf reagieren!
Haben Sie Ideen und Vorschläge dazu? g.mueller-zimmermann@siegener-zeitung.de

Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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