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Stefan Waghubinger im Lÿz: "Jetzt hätten die guten Tage kommen können“
Warten auf Wolfgang!

Sein drittes Soloprogramm "Jetzt hätten die guten Tage kommen können“ sorgte für ein volles Kleines Theater im Lÿz.
ba Siegen.  Eine Trennung kann einen weit bringen. Bis nach ganz oben auf den Dachboden des Elternhauses, auf dem man sich inmitten alter Relikte an frühere Zeiten erinnern kann. Am Samstagabend nutzte Kabarettist Stefan Waghubinger im Kleinen Theater des Lÿz die Gelegenheit, sich als Trennungsopfer geschmeidig im Spannungsfeld zwischen kindlichen Albträumen, Realität und Zukunftssehnsüchten zu bewegen.
Auf dem Dachboden erinnert er sichZeit dazu hatte er reichlich, musste er doch auf seinen Kumpel Wolfgang warten, der seine restlichen Sachen aus der einstmals ehelichen Wohnung dorthin schaffen wollte. Das dauerte.

Sein drittes Soloprogramm "Jetzt hätten die guten Tage kommen können“ sorgte für ein volles Kleines Theater im Lÿz.
ba Siegen.  Eine Trennung kann einen weit bringen. Bis nach ganz oben auf den Dachboden des Elternhauses, auf dem man sich inmitten alter Relikte an frühere Zeiten erinnern kann. Am Samstagabend nutzte Kabarettist Stefan Waghubinger im Kleinen Theater des Lÿz die Gelegenheit, sich als Trennungsopfer geschmeidig im Spannungsfeld zwischen kindlichen Albträumen, Realität und Zukunftssehnsüchten zu bewegen.

Auf dem Dachboden erinnert er sich

Zeit dazu hatte er reichlich, musste er doch auf seinen Kumpel Wolfgang warten, der seine restlichen Sachen aus der einstmals ehelichen Wohnung dorthin schaffen wollte. Das dauerte. Und so konnte das Publikum im vollbesetzten Saal sich den sprachlichen Künsten eines Österreichers hingeben, der seit 32 Jahren in Deutschland lebt und kabarettistische Genialität aus beiden Ländern miteinander verbindet. „Jetzt hätten die guten Tage kommen können“, heißt Waghubingers drittes Soloprogramm.

Beziehungen haben wie Elektrogeräte eine "Sollbruchstelle"

Doch entspricht diese Möglichkeit wirklich der Realität? Wenn sich so viel im Leben verändert, wie bei ihm, „müsste es laut sein“, hätte er gedacht. Doch so ist es nicht. Vielmehr kann er in aller Ruhe in der angestaubten Umgebung über seine Beziehung, ihr Ende und sein Leben nachdenken. Traurig sei er nicht, stellt er fest. Offenbar gibt es in Beziehungen, ebenso wie bei Geräten des täglichen Lebens, eine eingebaute Sollbruchstelle. Ob Gruppentherapie oder Swingerclub – die Möglichkeiten der Trennungsarbeit sind vielfältig.
Dabei mag Waghubinger Vielfalt nicht, da er sich schlecht entscheiden kann. Im Restaurant nähme er das, was der andere nimmt. In der Politik richte er sich nach der Mehrheit. Und die Mehrheit wähle immer dasselbe, sowohl in der Politik als auch im Restaurant. Deshalb gehe er am liebsten zu Rudi, der nur eine Suppe auf der Speisekarte habe und ein Philosoph sei. Habe der doch erkannt, dass derjenige, der danach suche, immer ein Haar in der Suppe fände, da es immer drin sei.

Waghubingers verblüffende Logik

Waghubingers Rückschlüsse sind von verblüffender Logik, erscheinen manchmal banal und sind doch so tiefgründig: Nachdem er in der schwarz-gelben Captain-Kirk-Jacke, die ihm seine Mutter zu Weihnachten gestrickt hat, von den Eltern Bewunderung erfahren hat, stellt er anschließend mit einem Blick in den Spiegel fest, „was das aus einem macht, wie einen andere Menschen sehen.“ So ging er als Captain Kirk ins Badezimmer und kam als Biene Maja wieder heraus. „Da träumst du von der unendlichen Weite des Universums und steckst in einer zu engen Strickjacke“, beklagte er sich. Längst ist es Zeit, die Jacke abzustreifen. Und doch erinnert sich Waghubinger lächelnd an alte Zeiten, in denen Freunde mit krummen, mit Pflanzengift besprühten Gurken oder Gutscheinen für Bungee-Jumping beglückt wurden, von denen man wusste, dass sie nie eingelöst werden würden.

Die guten Tage hätten kommen können!

Dass sein Versuch der „paradoxen Intervention“ bei seinem selbstmordgefährdeten Freund Egon nicht fruchtete, lässt ihn über das Ende nachdenken. Er möchte Spuren hinterlassen. „Das geht nur, wenn nicht immer einer hinter dir alles wegputzt“, erkennt er und gesteht, dass ihm das „So“ nach einer Trauerrede am Grab zu wenig sei. Ob es reicht, ein „total berühmter Maler“ zu werden, dessen Werke auf Boxershorts prangen? Die Kindheitsbilder, die zeigen, wie er später mal sein möchte, sollen Erwachsenenbildern weichen, die ihn so zeigen, wie er wirklich ist.

„Ich will soweit kommen, dass man auf meinen Grabstein schreiben kann: ‚Jetzt hätten die guten Tage kommen können‘“,

resümiert er. Noch müssen die guten Tage warten, doch einen überaus guten Abend bescherte er mit seiner Wortkunst und seinem Witz bereits jetzt den Zuschauern.

Autor:

Bärbel Althaus (Freie Mitarbeiterin) aus Wilnsdorf

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