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Ausverkauftes Haus, reichlich Applaus
Warum sich "Einfache Leute" im Bruchwerk-Theater lohnt

Alex zeigt es dem schmierigen Chefkurator Martin mal richtig: Dessen Inkompetenz wird bloß durch seine gediegene Sozialisation abgefangen.Die Premiere von „Einfache Leute“ mit Lisa Sophie Kusz und Carolin Wiedenbröker im Bruchwerk-Theater fand große Resonanz.
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  • Alex zeigt es dem schmierigen Chefkurator Martin mal richtig: Dessen Inkompetenz wird bloß durch seine gediegene Sozialisation abgefangen.Die Premiere von „Einfache Leute“ mit Lisa Sophie Kusz und Carolin Wiedenbröker im Bruchwerk-Theater fand große Resonanz.
  • Foto: Olaf n. Schwanke
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

ne Siegen. Premieren sind Fieberkurven und Experimentierfelder: Am Mittwochabend lud das Bruchwerk-Theater, noch beheimatet am Fuße des Siegberges in der Fußgängerzone, zur einmal verschobenen Erstschau des neu einstudierten Stückes (die SZ berichtete von der offenen Probe) der preisgekrönten Autorin und Dramaturgin Anna Gschnitzer.
„Einfache Leute“ fokussiert die Innensichten von Sozialaufsteigerin Alex (Lisa Sophie Kusz ) und ihrer einstigen Jugendfreundin Toni (Carolin Wiedenbröker), die im Heimatort zurückbleibt und mit irgendwelchen Jobs durchs einfache Leben laviert.

ne Siegen. Premieren sind Fieberkurven und Experimentierfelder: Am Mittwochabend lud das Bruchwerk-Theater, noch beheimatet am Fuße des Siegberges in der Fußgängerzone, zur einmal verschobenen Erstschau des neu einstudierten Stückes (die SZ berichtete von der offenen Probe) der preisgekrönten Autorin und Dramaturgin Anna Gschnitzer.
„Einfache Leute“ fokussiert die Innensichten von Sozialaufsteigerin Alex (Lisa Sophie Kusz ) und ihrer einstigen Jugendfreundin Toni (Carolin Wiedenbröker), die im Heimatort zurückbleibt und mit irgendwelchen Jobs durchs einfache Leben laviert. Das Stück – wie berichtet, im Herbst auch in der Kooperation mit dem Apollo-Theater im gemeinsamen Abo „Stadt“ – wirft Fragen nach sozialer Identität auf und bewegt sich damit am aktuellen Diskurs derer, die nach durch Bildung errungenem sozialen Aufstieg elitäre Diskriminierung wahrnehmen und reflektieren.

Publikumspreis beim Stückemarkt gewonnen

Gschnitzers kammerspielartiges, mitunter situationskomisches und sprachwitziges, oft larmoyantes und gelegentlich pathetisches Gegenwartsstück, vergangenes Jahr beim Heidelberger Stückemarkt mit dem Publikumspreis ausgezeichnet, entwickelten Regisseur Milan Pešl und Dramaturg Pierre Stoltenfeldt zu einem physischen wie psychischen Desiderat: Personell zusammengezogen (die beiden Darstellerinnen übernehmen auch die Männerrollen des Stückes) wechseln die Rollen schon mal unmittelbar im Satz.

Bühnenbild von Teresa Pešl

Der voll besetzte Zuschauerraum fand sich schnell ein in die technisch gekennzeichneten unterschiedlichen Sprachebenen: Innerer Monolog, Gedanken oder Erzählstimmen werden mit Mikrofon deklamiert, echte Gespräche ohne Mikro geführt. Immer wieder unterstreichen synchron gesprochene Textzeilen eine dramatische Intensität. Das Bühnenbild ist auf ein dreiteiliges Baugerüst konkretisiert (Teresa Pešl) und bietet in unterschiedlicher Beleuchtung (Johannes und Matthias Umbach) ungezählte Handlungsorte (Museum, Kneipe, Heimatzuhause, Arbeitsplätze etc.).

Sportlich: Lisa Sophie Kusz und Carolin Wiedenbröker

Wiedenbröker und Kusz agieren dynamisch und sehr agil, hin und wieder gar sportlich auf und in den Gerüsten: Drei schiefe Ebenen, zwei pendelnde Schaukeln betonen den unsicheren sozialen Grund, die emotionalen Schieflagen, die physisch gefährdete Existenz der Protagonistinnen, die sich mal gut, mal weniger gut auf dem Terrain behaupten können – und alles kreist um den immer verhangenen Nukleus in warm beleuchtetem Orange: die Heimatzelle mit Eckbank und Küchentisch, mit 70er-Jahre-Tapete und knarzender Leitertreppe. Hier agiert der Tonmeister Marcel Rudert im Hausfrauenkittelfummel und mit geweißtem Bart und Haar als Muttersymbol.

Lisa Sophie Kusz, Marcel Rudert und Carolin Wiedenbröker bedanken sich für den lange anhaltenden Applaus des Premierenpublikums von „Einfache Leute“ im Bruchwerk-Theater Siegen.
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  • Foto: Olaf n. Schwanke
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90 Minuten Unterhaltung

Die Inszenierung ist flott, spielt die ganze emotionale Bandbreite aus vom großen Lacher bis zum ausgetrockneten Hals, der nicht mehr unterdrückten Träne oder dem plötzlich Nachdenklichen. Den Schauspieler/-innen gelingt die feine Rhythmik ihrer Dialoge. Namentlich ihre perfekte Synchronizität der komplexen Sprache beeindruckt, sodass der Applaus nach nie langweiligen 90 Minuten kaum enden will, die Schauspieler/-innen, sicher achtmal zurückgerufen wurden, um den Dank für die gute Unterhaltung entgegenzunehmen.
Die nächste Aufführung ist am 23. Juni, 19.30 Uhr (bruchwerk-theater.de).

Alex zeigt es dem schmierigen Chefkurator Martin mal richtig: Dessen Inkompetenz wird bloß durch seine gediegene Sozialisation abgefangen.Die Premiere von „Einfache Leute“ mit Lisa Sophie Kusz und Carolin Wiedenbröker im Bruchwerk-Theater fand große Resonanz.
Lisa Sophie Kusz, Marcel Rudert und Carolin Wiedenbröker bedanken sich für den lange anhaltenden Applaus des Premierenpublikums von „Einfache Leute“ im Bruchwerk-Theater Siegen.
Autor:

Olaf Neopan Schwanke (Freier Mitarbeiter) aus Siegen

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