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Das Neue Globe Theater feiert im Apollo die "Streiche des Scapin"
Was für eine Farce!

Scapin, hier mit frechem Elan verkörpert von Kilian Löttker (l.), verspricht dem verliebten Oktave (Ensemble-Neuzugang Laurenz Wiegand dreht prächtig auf) die Lösung aller Eheprobleme. Was denn auch sonst: Es ist schließlich eine Komödie von Molière, die das Neue Globe Theater im Apollo aufführte.
  • Scapin, hier mit frechem Elan verkörpert von Kilian Löttker (l.), verspricht dem verliebten Oktave (Ensemble-Neuzugang Laurenz Wiegand dreht prächtig auf) die Lösung aller Eheprobleme. Was denn auch sonst: Es ist schließlich eine Komödie von Molière, die das Neue Globe Theater im Apollo aufführte.
  • Foto: Philipp Plum/Neues Globe Theater
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ne - Die Pfiffigkeit des Dieners löst alle Verwicklungen in Molières Komödie "Die Streiche des Scapin".
ne Siegen.  Unbeschwerten Spaß hatte vergangenen Mittwochabend ein wieder großes Theaterpublikum in der Stadt an der Sieg: Mit „Die Streiche des Scapin“ von 1671 führte das 2015 gegründete Neue Globe Theater Potsdam eine burleske Komödie alten Stiles nach Molière (1622–1673) auf, die sich an Traditionen des altitalienischen Stehgreiftheaters orientiert. Um die aktuellen Hygiene- und Abstandsvorschriften bei der Aufführung im Apollo-Theater einhalten zu können, wurde das Stück ohne Pause aufgeführt: Das Ensemble um die drei Gründer Andreas Erfurth, Sebastian Bischoff und Kai Frederic Schrickel kürzte seine Spiel-im-Spiel-Inszenierung um eine Dreiviertelstunde.

ne - Die Pfiffigkeit des Dieners löst alle Verwicklungen in Molières Komödie "Die Streiche des Scapin".
ne Siegen.  Unbeschwerten Spaß hatte vergangenen Mittwochabend ein wieder großes Theaterpublikum in der Stadt an der Sieg: Mit „Die Streiche des Scapin“ von 1671 führte das 2015 gegründete Neue Globe Theater Potsdam eine burleske Komödie alten Stiles nach Molière (1622–1673) auf, die sich an Traditionen des altitalienischen Stehgreiftheaters orientiert. Um die aktuellen Hygiene- und Abstandsvorschriften bei der Aufführung im Apollo-Theater einhalten zu können, wurde das Stück ohne Pause aufgeführt: Das Ensemble um die drei Gründer Andreas Erfurth, Sebastian Bischoff und Kai Frederic Schrickel kürzte seine Spiel-im-Spiel-Inszenierung um eine Dreiviertelstunde.  Es ließ also die fein austarierte Rahmenhandlung weg, die biografische Anspielungen an Molière und seine Zeit als Leiter einer fahrenden Schauspieltruppe im barocken Paris aufnimmt und so einen Einblick in die oft prekären Lebenswirklichkeiten der Wanderbühnen in der frühen Neuzeit, so zwischen Pest und Cholera, dem 30-jährigen Krieg etc. gibt.

Die Wanderbühne macht Halt

In Siegen gab‘s also Molière pur, in der deutschen Fassung von Peter Lotschak, gespickt mit zeitgenössischen Reminiszenzen. Auf der Bühne stand die kleine Wanderbühne, drei Tore mit Lappen, knarzendes Holz, handbemalte Hermenpilaster: Wir sind ja im Barock. Und die Kostüme sind ein Traum, prachtvoll und bunt, die Perücken groß und hoch, die Degen blechern und die Gesten grotesk.

Burleske Farce

Die Handlung? Nicht so wichtig. Eine Farce eben, eine übersteigerte, drastische, opulente Liebeskomödie, mit Ränkespiel, Scherz und mächtigem Pathos, mit Obszönitäten, prallen Eindeutigkeiten und Kalauern, und die Komik so überzeichnet wie im Kasperlespiel. Oder eben in der Commedia dell‘arte, den nicht nur venezianischen Stehgreifbelustigungen der Renaissance mit überzeichneten Charakteren, die archetypisch unveränderbar agieren. Geizige Greise, dumme Söhne, gewitzte, bauernschlaue Diener, schöne Geliebte agieren wie Scaramouche, Arlecchino, Pulcinella oder Pantalone, die hier Scarpin (Kilian Löttker als spitzfindiger Tausendsassa) oder Giacinta (Anja Lemmermann ist die Schöne zweifelhafter Herkunft) heißen.

Die Stereotype sind komisch

Die geizigen Väter Argante und Géronte (Andreas Erfurth und Kai Frederic Schrickel), Zerbinetta (Petra Wolf, die auch einen Auftritt als alles klärende Amme hat), die beiden unterbelichteten Söhne Léandre und Octave (Dierck Prawdzik als naiver Hüne und Laurenz Wiegand als flatternder Feigling) und Alexander Jaschik als vielseitiger Diener Sylvestre runden das Schauspielensemble ab.
Das Siegener Publikum fremdelte zuerst mit der gestisch breit und frech inszenierten Farce, konnte sich aber recht bald auf die Erzählweise barocker Deutlichkeit einlassen und goutierte sichtlich die vergnügliche Adaption einer klassischen Knüppel-auf-den-Sack-Komödie ins postpostmoderne Heute. Zitate von Louis de Funès, aus „Casablanca“ oder „Terminator“, von Loriot oder aus dem Gegenwartsjargon würzten den Witz, Wiederholungen (Running-Gags sagt man jetzt dazu) steigerten den Spaß, so dass lange anhaltender Applaus, Bravorufe und Pfiffe die vielen Verbeugungen der bunten Truppe am Ende begleiteten.
Ensemble-Mitbegründer Schrickel dankte in einer Publikumsansprache für den Enthusiasmus, das wieder Mut machende zahlreiche Erscheinen und verlieh der Hoffnung Ausdruck, sich im Theater wiederzusehen. Denn Theater kann auch glücklich machen.

Autor:

Olaf Neopan Schwanke (Freier Mitarbeiter) aus Siegen

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