SZ

Berliner Renaissance-Theater mit rabenschwarzer Komödie „Nein zum Geld“ im Apollo
Was Geld mit einem macht – oder nicht

Richard hat eine ungeheure Summe gewonnen, will den Gewinn aber nicht annehmen. Boris Aljinovic in einer ganz anderen Rolle als früher beim Berliner „Tatort“.
  • Richard hat eine ungeheure Summe gewonnen, will den Gewinn aber nicht annehmen. Boris Aljinovic in einer ganz anderen Rolle als früher beim Berliner „Tatort“.
  • Foto: Johanna Schirmacher
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

jon Siegen. Wie weit würden Sie gehen? Wozu wären Sie in Ihren kühnsten Phantasien fähig, um an etwas Unvorhersehbares, Tolles, Beneidenswertes zu gelangen? Die vier Schauspieler vom Berliner Renaissance-Theater zeigten in „Nein zum Geld“ am Mittwochabend im gut besuchten Apollo-Theater, was für seelische Abgründe sich bei seltenen Gelegenheiten auftun, zum Beispiel solche, die zumindest alle diejenigen, die Lotto spielen, sehnlichst herbeiwünschen.
Einst im Berliner "Tatort": Boris AljinovicDer Protagonist Richard, interpretiert von Boris...

jon Siegen. Wie weit würden Sie gehen? Wozu wären Sie in Ihren kühnsten Phantasien fähig, um an etwas Unvorhersehbares, Tolles, Beneidenswertes zu gelangen? Die vier Schauspieler vom Berliner Renaissance-Theater zeigten in „Nein zum Geld“ am Mittwochabend im gut besuchten Apollo-Theater, was für seelische Abgründe sich bei seltenen Gelegenheiten auftun, zum Beispiel solche, die zumindest alle diejenigen, die Lotto spielen, sehnlichst herbeiwünschen.

Einst im Berliner "Tatort": Boris Aljinovic

Der Protagonist Richard, interpretiert von Boris Aljinovic, bekannt aus früheren Folgen des Berliner „Tatort“, hat nämlich eine ungeheure Summe gewonnen, will den Gewinn aber nicht annehmen, sehr zum Leidwesen von Claire, seiner Frau (rotzig und trotzig: Janina Stopper), Rose, seiner Mutter (schlagfertig und ironisch: Erika Skrotzki) und Etienne, seinem Freund und Chef (verzweifelt und pleite: Christian Schmidt). Geld verdirbt den Charakter, so Richard, und er wollte sich und seine Lieben den schlechten Einflüssen nicht aussetzen.

Intelligent geschrieben von Flavia Coste

Ein Abend, der als gesellige Gelegenheit zum Essen gedacht war, eskaliert. Ein Psychogramm der menschlichen Regungen und Erregungen entwickelt sich, intelligent und fast schon kriminalistisch geschrieben von der Französin Flavia Coste und auf die deutschen Bühnen gebracht von der Regisseurin Tina Engel. Das sparsam möblierte Bühnenbild in Weiß lenkte nicht ab von der sich aufbauenden Story, in der das Für und Wider von Geldvermögen abgewogen wurde.

"Bist du jetzt Kommunist geworden?"

Die Zuschauer bekamen in kurzer Zeitspanne alle Aspekte aufgezeigt und mussten zwischen Schmunzeln und Nachdenklichkeit schwanken. Richard blieb stur bei seinem Entschluss, denn er hatte sich etwas in den Kopf gesetzt, während seine Frau sich an ihren fasste und fragte: „Wie kann man denn zu viel Geld gewinnen?“ Etienne gab zu bedenken: „Es ist leicht, Prinzipien zu haben, wenn man nicht gewinnt.“ Mutter Rose fragte entgeistert: „Bist du jetzt Kommunist geworden?“

Es geht ans Eingemachte

Man denkt bei der Ankündigung einer „rabenschwarzen Komödie“ zwar an Gelächter mit Schenkelklopfern, aber dem war nicht so. Es ging tiefer, ans Eingemachte. Unterdrücktes und Unausgesprochenes wurde zutage gefördert. Boshaftigkeiten und Spitzen gingen hin und her, was dem Publikum „Ho-ho“-Raunen entlockte. Zunächst musste der Lottogewinner sich beschimpfen lassen, warum er so töricht war, den Gewinn abzulehnen.

Krähen aus dem Babyphon...

In der nächsten Runde stritt man alles wieder ab und erging sich in Selbstbezichtigungen, und in der dritten Phase versuchte man das Problem auf eine Weise zu lösen, die leider böse ausging. Der Lottozettel war nämlich noch gültig, und so taten sie alles daran, ihn Richard abzuluchsen – was auch gelang, aber mit unerwartetem Ausgang. Und dann erinnerte das in den (un)passendsten Augenblicken krähende Babyphon ja auch noch daran, dass da noch ein ganz junges, unschuldiges Wesen auf das – finanziell mehr oder weniger gut versorgte? – Leben wartet …

Kräftiger Applaus für Komödie mit Tiefgang

Zum guten Schluss konnte Richard in seiner Borniertheit einem nur noch leidtun. Geld hilft zwar beim Verwirklichen von Wünschen, versaut aber auch menschliche Beziehungen, bis die Fetzen fliegen, wie auf der Bühne. Beim Geld hört die Freundschaft auf – so sagt ja schon das Sprichwort –, aber so ganz ohne geht’s halt auch nicht. Die Chance wollten sich die drei nicht entgehen lassen.
Richard behielt zwar Recht, aber verlor dennoch. – Das Publikum spendete der Komödie mit Tiefgang kräftigen Applaus.

Autor:

Johanna Schirmacher (Freie Mitarbeiterin)

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r

Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen