Dago Koblenzer lädt am Wochenende zum offenen Atelier
Widerhaken der Verästelungen

Unter das Motto „Verästelungen – Tuschemalerei“ hat Dago Koblenzer die Wochenend-Ausstellung in seinem Atelier gestellt.
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  • Unter das Motto „Verästelungen – Tuschemalerei“ hat Dago Koblenzer die Wochenend-Ausstellung in seinem Atelier gestellt.
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gmz Siegen. Wenn man aus dem Fenster von Dago Koblenzers Atelier an der Koblenzer Straße 146 in Siegen schaut, meint man sich vorstellen zu können, wie er auf seine „Verästelungen: Tuschemalerei“ kommt, die er ab Samstag, 7. September, 15 Uhr, am Wochenende in seinem offenen Atelier im Rahmen des Kunstsommers präsentiert.

Kunst inspiriert von der Natur

Blickt man aus dem originalen Jugendstil-Fenster seines Ateliers, schaut man in den leicht verwilderten Grünstreifen vor dem Haus, in Haselsträucher oder Ahornschösslinge, die ans Fenster klopfen – die dichten Verästelungen halten den lärmenden Verkehr fern.
Aber das ist natürlich nur ein erster Eindruck. Denn Dago Koblenzer, der den meisten ja für seine experimentellen plastischen Arbeiten bekannt ist, widmet sich in seinen malerischen Arbeiten, die zugleich zeichnerische und plastische Qualitäten vereinen, den gleichen künstlerischen Fragestellungen wie in seinen plastischen Arbeiten. Es geht um den Gestaltungswillen des Künstlers und den Eigenwillen des Gestalteten, es geht um Zufall und Planung, um Form, Farbe und Struktur. Also um die grundsätzlichen künstlerischen Fragen.  Denen nähert sich Dago Koblenzer wie immer experimentell.

Tuschearbeit ohne Pinsel und Feder

Er nutzt weder Pinsel noch Feder für seine Tuschearbeiten, sondern lässt die Farbe, die er selbst aus verschiedenfarbigen Tuschen mixt, sich über das Blatt bewegen, beeinflusst den Weg der Farbe auf dem starken Papier, reagiert auf die Wege, die die Farbe nimmt, nutzt die Farbreaktionen, die aus der ockertonigen Mischfarbe auch mal ein reines Blau oder ein knalliges Gelb hervortreten lassen, höht die farbigen Tuschelinien mit Schwarz, spielt mit der Absorptionskraft des Untergrundes, lässt das Weiß des Papiers als gestaltenden Hintergrund sprechen, der Tiefe suggeriert oder Nähe schafft.

Äste, Pflanzenstängel und Fantasyfiguren 

Dabei entstehen aus der aufs Papier aufgebrachten Tusche sehr vegetabile Formen: Baum- oder Pflanzenstängel wachsen aus dem Nichts, verästeln sich, legen sich um- und übereinander, verdichten sich zu einem undurchdringlichen Gewirr, streben an anderen Stellen auseinander, bilden an den Enden äußerst feine, zerbrechlich-zarte Häkchen aus, die sich wie Widerhaken im Bildraum festsetzen und weitere Entwicklungen erahnen lassen. Manchmal nehmen diese vegetabilen Formen auch zoo- oder anthropomorphe Gestalt an, erinnern an Quallen oder Oktopoden, die mit ihren „Armen“ Halt im Raum suchen. Oder tauchen in phantastische Figurenwelten ein, mit fast fantasy-artigem Charakter. Oder erinnern mit ihren Kreisbewegungen an den Kosmos des Weltalls. Man fragt sich zwar, wie er das gemacht hat (das ist im Detail noch sein Geheimnis), aber das „technische Interesse“ wird rasch überdeckt von der suggestiven Kraft der Malerei.

Verästelungen auf großem und kleinerem Format

Im Treppenhaus des Atelierhauses aus dem frühen 20. Jahrhundert setzen die Arbeiten, so will es scheinen, die Formsprache der Erbauungszeit mit anderen Mitteln fort, treiben sie auf die Spitze! Dabei ergeben sich interessante Parallelen … Aus dem Erker eines Atelierzimmers schaut eine von Dago Koblenzers frühen Drahtplastiken, ein Gesicht von filigraner, aber fast archaischer Wucht, auf die Verästelungen hinunter, versteckt vor dem Glas und der Fensterarchitektur. Aber präsent. Schließlich werden die Besucher durch die zahlreichen Verästelungen auf großem und kleinerem Format auf die Korrespondenzen zwischen dem Raum und dem Draußen, der Architektur, der Gestaltung und den Vorbildern gelenkt.

Dago Koblenzer:
„Verästelungen – Tuschemalerei“.
Atelier Koblenzer Straße 146, Siegen.
Samstag, 7. September, 15 bis 19 Uhr,
Sonntag, 8. September, 11 bis 13 und 15 bis 19 Uhr.

Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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