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„Foxfinder“-Premiere im Bruchwerk-Theater Siegen
Wie eine Parabel erzählt

„Foxfinder“(Valentin Stroh) hat nicht bloß den Körper von Bauer Samuel (Kai Hufnagel) fest im Griff. Der glaubt bald auch an die imaginären Fuchsmonster, die für alles verantwortlich sind. Freitag war Premiere des Stücks von Dawn King in der Regie von Milan Pešl im Siegener Bruchwerk-Theater.
  • „Foxfinder“(Valentin Stroh) hat nicht bloß den Körper von Bauer Samuel (Kai Hufnagel) fest im Griff. Der glaubt bald auch an die imaginären Fuchsmonster, die für alles verantwortlich sind. Freitag war Premiere des Stücks von Dawn King in der Regie von Milan Pešl im Siegener Bruchwerk-Theater.
  • Foto: Bruchwerk-Theater/Irina Missal
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

ne Siegen. Endlich wieder echtes Theater mit Menschen im selben Raum, möchte man aufatmend ausrufen, zu lange schon verströmten Streamings kulturellen Surrogatgeschmack, gewöhnte man sich an distanziertes Hinter-der-Scheibe-Dabeisein, das eben kein wirkliches Dabeisein war oder ist. Mit der dystopischen Parabel „Foxfinder“ der 1978 in den Cotswolds von Gloucestershire geborenen Dramatikerin Dawn King inszenierte Regisseur Milan Pešl  im Bruchwerk-Theater am Fuße des Siegberges ein vielfach prämiertes und inszeniertes Erfolgsstück, das 2014 in Ingolstadt deutsche Erstaufführung in der Übersetzung von Anne Rabe feierte.

ne Siegen. Endlich wieder echtes Theater mit Menschen im selben Raum, möchte man aufatmend ausrufen, zu lange schon verströmten Streamings kulturellen Surrogatgeschmack, gewöhnte man sich an distanziertes Hinter-der-Scheibe-Dabeisein, das eben kein wirkliches Dabeisein war oder ist. Mit der dystopischen Parabel „Foxfinder“ der 1978 in den Cotswolds von Gloucestershire geborenen Dramatikerin Dawn King inszenierte Regisseur Milan Pešl  im Bruchwerk-Theater am Fuße des Siegberges ein vielfach prämiertes und inszeniertes Erfolgsstück, das 2014 in Ingolstadt deutsche Erstaufführung in der Übersetzung von Anne Rabe feierte.

Inhalt hochaktuell

Das Stück stammt aus dem Jahr 2011 – man möchte es kaum glauben angesichts der Tatsache, dass es vom Entstehen von angeblich schützenden diktatorischen Maßnahmen, von Verschwörungserzählungen, sich korrumpierenden Systemen und frei assoziierenden Ängsten aufgrund klimatischer Katastrophen erzählt und so passgenau auf die pandemische Gegenwart lesen lässt.
Ein Bauernehepaar (Kyra Lippler und Kai Hufnagel) erhält Besuch eines „Foxfinders“, eines Untersuchungsleiters des Staates (Valentin Stroh), der die als negativ niedrig aufgefallenen Produktionsmengen des Hofes untersuchen soll, schließlich soll es ja „Füchse“ geben, die verantwortlich sind für die aktuelle Klimakatastrophe, Missernten, verschollene oder getötete Kinder, Gedanken- und Traummanipulationen, Angst und Hass etc.

Wahn und aggressive Ekstase

Die Nachbarin (Josephine Raschke) ist systemkritischer, sie verteilt Flugblätter, die die Existenz der Füchse leugnen, will dem diktatorischen Staatsapparat, der Missliebige in „Fabriken“ steckt, aus denen es kein lebendes Entrinnen mehr gibt, Flucht entgegenstellen, bleibt aber und steht dem Ehepaar, das seinen kleinen Sohn verloren hat, in ihren breit inszenierten Traumata bei. Banale zuerst, dann immer intimere Fragen des Vollzugbeamten generieren ein Szenario der Angst und des Misstrauens, das schließlich zu Wahn und aggressiver Ekstase führt (die wir hier nicht verraten wollen).

Kleines Publikum, großer Applaus

Die Premiere am vergangenen Freitagabend erhielt ausreichend Applaus, Darstellerinnen, Darsteller und Bühnenteam (Kostüme und Bühnenbild: Teresa Pešl, Musik: Marcel Rudert, Licht: Matthias und Johannes Umbach, Dramaturgie: David Penndorf und Pierre Stoltenfeldt) um Regisseur Milan Pešl konnten viermal auf die Bühne kommen, um die sicher lang vermisste reale Reaktion eines Publikums, sei es Pandemieschutz-bedingt auch sehr klein, zu goutieren – doch bleibt ein disparater Eindruck zurück.

Auf hoher Reizebene - und mit Schlagern

Milan Pešl inszeniert körpersprachlich abstrahiert vom Wort aus, gibt der Sprache Gebärden, improvisiert Interaktionen mit dem breiten Pinsel und provoziert das Nähe kaum mehr gewohnte Publikum mit intim-nahen, wörtlich berührenden Dialogen von Anfang an, sodass das Stück permanent auf hoher Reizebene abläuft, inklusive der süffisanten Idee, immer wieder deutsche Schlager von Caprifischer über „Brennend heißer Wüstensand“ zu „Gute Nacht, Freunde, es ist Zeit für mich zu gehn“ einzubauen, die von den Darstellenden gesungen und sparsam instrumentiert werden – mal in der Funktion Trost, Hoffnung, Sehnsucht oder Text-/Handlungskommentar.

Lehrstück mit Metaphern

Eine subtile Spannung baut sich da nicht auf, echte ironische Distanz will sich nicht einstellen, und packende Identifikation mit den Dargestellten scheint konzeptuell ohnehin nicht gewünscht. Es bleibt schließlich bei einem dramatisierten Text, einer Parabel, einem Lehrstück eben, mit Metaphern prall gefüllt, zum Auseinanderreden. Einst erlöste der Schulgong – und hier die Einsicht, dass auch das Publikum Theater nach allzu langer Distanz wieder lebendig machen muss.

Autor:

Olaf Neopan Schwanke (Freier Mitarbeiter) aus Siegen

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