Hannes Jaenicke in ZDF-Doku „Im Einsatz für den Wolf“
Wie viel Wolf vertragen wir?

Hannes Jaenicke im Wolfforschungszentrum WolfScienceCenter: Alle Wölfe der Einrichtung werden per Hand aufgezogen.
  • Hannes Jaenicke im Wolfforschungszentrum WolfScienceCenter: Alle Wölfe der Einrichtung werden per Hand aufgezogen.
  • Foto: ZDF/Markus Strobel
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

la Mainz/Siegen/Olpe/Hachenburg. Als er ein kleiner Junge war, hätte er sich niemals allein in den Wald getraut. Der Grund: Hannes Jaenicke hatte Angst vor dem bösen Wolf, der ja in dem Grimm-Märchen, das er vorgelesen bekam, der Bösewicht war. Heute kämpft er für den Wolf. Der Naturfreund versucht, Verständnis zu wecken für die Wölfe, die in Deutschland wieder auf dem Vormarsch sind.
„Es gibt Probleme mit dem Wolf“, ist Hannes Jaenicke klar. „Aber gibt es auch Lösungen? Wie viel Wolf vertragen wir in Deutschland?“, fragt er an diesem Dienstag, 22.15 Uhr, in der ZDF-Dokureihe „Hannes Jaenicke: Im Einsatz für den Wolf“. Dabei gehe es nicht um eine Gattung, die ausstirbt, sondern eine, die sich wieder ausbreite, so der prominente Naturfreund und Wissenschaftler Kurt Kortschal vom WolfScienceCenter in Ernstbrunn, Österreich. Und fügt klar das Problem hinzu: „Und zwar schneller, als manch einem lieb ist.“

Bestand nimmt zu

Derzeit leben etwa 128 Rudel, 36 Paare und neun sesshafte Einzelgänger in Deutschland. Ihr Bestand, so schätzen Experten, wird Jahr für Jahr um etwa 30 Prozent zunehmen. Ein großartiger Erfolg für den Artenschutz. Doch noch immer gibt es eine Diskrepanz zwischen den Wolfsfreunden, die in den Tieren sogar die Retter der Natur sehen, und Landwirten und Jägern. Werden Schafe gerissen oder taucht ein Wolf in der Fotofalle auf, wie z. B. in Eiserfeld oder bei Alertshausen, am Stegskopf oder in Hachenburg, wo in zwei aufeinanderfolgenden Nächten sechs Schafe getötet wurden, stehen sich Naturschützer und Landwirtschaftsverbände unversöhnlich gegenüber (siehe auch SZ-Bericht „Das große Comeback“).

"Die Italiener finden Wölfe großartig"

Die Angst vor dem Wolf, so sieht es Hannes Jaenicke, ist ein Mangel an Information. „Warum“, so der Schauspieler und Drehbuchautor im SZ-Interview, „essen wir immer noch Lachs? Weil wir nicht wissen, was wir da essen und welche Konsequenzen es hat. Warum kaufen wir Billig-Kotelett? Weil wir keine Ahnung haben, wie es produziert wird. Und warum essen wir Kalbsbraten? Weil wir nicht hören und sehen, wie dem Muttertier das Kalb entrissen wird.“ Die Angst vor dem Wolf, die in Deutschland herrscht, hat viel mit der deutschen Mythologie zu tun. „Die Italiener“, so hat es Hannes Jaenicke bei den Dreharbeiten erlebt, „finden Wölfe großartig. Sie haben Wölfe im Wappen, weil Romulus und Remus, der römischen Sage nach von einer Wölfin großgezogen, die Gründer der Stadt Rom waren. Wir Deutschen sind ängstlicher als andere Nationen, und wir haben uns von der Natur total entfremdet.“

"Brauchen mehr Nationalparks"

Und dann wird Hannes Jaenicke deutlicher. Da ist er nicht mehr das prominente Aushängeschild einer erfolgreichen ZDF-Reihe, sondern engagierter Naturschützer: „Warum haben wir keinen Platz mehr für Wölfe und andere Beutegreifer? Weil wir in aberwitzigem Tempo unsere Natur vernichten. Deutschland versiegelt pro Sekunde zehn Quadratmeter Grünfläche, das sind pro Tag 90 Fußballfelder. Für Gewerbeparks, Einkaufszentren, Straßen, die im Grund keiner braucht. Aber kaum jemand spricht darüber. Wir brauchen viel mehr Nationalparks und Naturschutzgebiete!“

Ein Wolf in zehn Monaten 

Zu Beginn der Dokumentation will der naturverbundene Schauspieler, der in Oberbayern wohnt, den Raubtieren möglichst nahekommen. Gar nicht so einfach, denn wilde Wölfe sind Menschen gegenüber äußerst vorsichtig und scheu. „Wir haben zehn Monate an der Dokumentation gedreht und haben einmal einen einsamen Wolf aus 300 Meter Entfernung in der Lausitz gesehen. Jeder, der behauptet, der Wolf würde Menschen jagen, ist schlicht und einfach dumm.“

Begegnungen in riesigen Freigehegen

Jaenicke und das Team (Buch und Regie: Eva-Maria Gfirtner und Judith Adlhoch) reisten nach Niederösterreich zu dem weltweit einmaligen WolfScienceCenter mit riesigen Freigehegen. Dort wird das Sozialverhalten von Wölfen und Hunden wissenschaftlich erforscht. Jaenicke: „Es war faszinierend, das Rudel aus nächster Nähe zu beobachten.“ Und es ist erstaunlich, wie viele Ähnlichkeiten es zwischen Mensch und Wolf gibt, in der Persönlichkeit ebenso wie der Kooperationsbereitschaft. Zu Wort kommen aber auch Bauern, deren Weidetiere Opfer von Wolfsangriffen wurden.

Schafzüchterin: "Abschuss einzige Lösung"

Für die Bauern ist ein friedliches Miteinander zwischen ihren Herden und dem hundeähnlichen Tier nicht denkbar. Schafzüchterin Barbara Maurer sagt klar: „Für ihn ist bei uns kein Platz mehr – das ist alles zu dicht besiedelt. Abschuss ist die einzige Lösung.“ Doch ist das wirklich so? Für Jaenicke ist da jemand nur zu bequem, seine Herde mit Elektrozäunen und Herdeschutzhunden zu schützen.

"Möglichst sachlich und ohne Hysterie"

Der Film geht der Frage nach: Gibt es überhaupt die richtigen Maßnahmen? Und sucht nach Antworten in den Tiroler Alpen, im Majella-Nationalpark, den italienischen Abruzzen und den Karpatenregionen Rumäniens. Fazit: Ein konfliktfreies Zusammenleben wäre durchaus möglich. Aber Kompromissbereitschaft, Engagement und Toleranz sind gefragt. Und welchen Wunsch hat Hannes Jaenicke? Dass die Dokumentation dazu beiträgt, dass Wolfsfreunde und -gegner möglichst sachlich und ohne Hysterie miteinander reden.

Das große Comeback
Autor:

Jörg Langendorf aus Siegen

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