Ende der „Ära Traute Fries“ im Kulturausschuss und Rat Siegens
„Wir werden Sie vermissen!“

Die ehemalige Stadtverordnete und Vorsitzende des Kulturausschusses der Stadt Siegen, Traute Fries, in „ihrem“ Wenscht, für dessen Erhaltung sie sich einsetzt (hier im Dr.-Dudziak-Park in Geisweid bei den Brunnenkindern). Nach 41 Jahren hat sie nicht mehr für den Stadtrat kandidiert. Seit 1994 war sie fast ununterbrochen in leitender Funktion im Kulturausschuss tätig.
  • Die ehemalige Stadtverordnete und Vorsitzende des Kulturausschusses der Stadt Siegen, Traute Fries, in „ihrem“ Wenscht, für dessen Erhaltung sie sich einsetzt (hier im Dr.-Dudziak-Park in Geisweid bei den Brunnenkindern). Nach 41 Jahren hat sie nicht mehr für den Stadtrat kandidiert. Seit 1994 war sie fast ununterbrochen in leitender Funktion im Kulturausschuss tätig.
  • Foto: René Traut
  • hochgeladen von Redaktion Kultur

gmz Siegen / Geisweid.  „Ein Kulturleben ohne Traute Fries“ könne sie sich nicht vorstellen, sagte Kultur-Siegen-Leiterin Astrid Schneider am Ende der 27. Sitzung des Kulturausschusses der Stadt Siegen, als die Vorsitzende mit einem Blumenstrauß, der Erstausgabe der Broschüre über Kunst am Bau im Wenscht (Traute Fries‘ „Spezialthema“) und dankbarem Applaus der Ausschuss-Mitglieder verabschiedet wird: Sie hat für den frisch gewählten Rat der Stadt Siegen nicht mehr kandidiert. „Ich bin 75 Jahre alt“ und „seit 41 Jahren ununterbrochen im Rat“, sagt Traute Fries. „Man muss sich gewöhnen“, weiß sie, an die „Rat-lose“ Zeit. Als sachkundige Bürgerin mitzuarbeiten, könne sie sich weiter vorstellen, aber ansonsten wolle sie etwas kürzertreten.
„Wir werden Sie vermissen“, schloss Kulturdezernent Arne Fries seinen Dank an die scheidende Vorsitzende, bei dem er besonders ihre Fähigkeit hervorhob, auf der Basis guter Vorbereitung pragmatisch und lösungsorientiert über Parteigrenzen hinweg das Notwendige zu tun oder anzustoßen – und dabei nicht nachzulassen, auf das hinzuweisen, was ihr wichtig war. „Sie haben dem Rat und der Stadt gut getan“, sagte Arne Fries.

Sieben Mal holte sie ihren Wahlkreis direkt

1979 kandidierte Traute Fries erstmals für die SPD für den Rat. Erfahrung in politischer Gremienarbeit hatte sie da schon reichlich, denn bei den Stahlwerken Südwestfalen, wo sie zunächst als Kauffrau für Bürokommunikation, später als Personalfachkauffrau und Ausbildungsbeauftragte tätig war (von 1962 bis 2005), lernte sie die Gewerkschaftsarbeit kennen, engagierte sich auch überregional u. a. in der Frauenarbeit der IG Metall und des DGB, setzte sich vor allem für Lohngleichheit und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein. Ihren Wahlkreis Setzen, Dillnhütten, Hoher Rain holte sie in den insgesamt acht Wahlperioden sieben Mal direkt, nur 1999 nicht: „Da kam mir Gerhard Schröder dazwischen“, sagt sie beim Besuch der SZ-Kulturredaktion mit einem Lächeln. Obwohl sie nicht in ihrem Wahlkreis wohnte, war sie gut vernetzt, war Mitglied in jedem Verein, übernahm die Schirmherrschaft beim 100-Jährigen des MGV Harmonie Setzen, war präsent.

Vielfältige Interessen

Sehr präsent war sie auch in der Kulturszene der Stadt Siegen: Von 1994 bis 2012 war sie stellv. Vorsitzende des Kulturausschusses, von 2014 bis zu ihrem Ausscheiden dort Vorsitzende. Ihr begegnete man häufig bei Veranstaltungen, auch vom „kulturellen Nachwuchs“. Das Kulturangebot in Siegen sei im Laufe der Jahre sehr vielfältig geworden, diese Vielfältigkeit zu unterstützen, sei ihr immer ein großes Anliegen gewesen, betont sie. Und zwar so, dass nicht eine Institution der anderen vorgezogen werde.
Mit Interesse verfolgt sie politische Entwicklungen und sammelt Informationen zu historischen Ereignissen oder Personen, die für die Region von Bedeutung waren und sind. Diese Informationen verwendet sie für die Gremienarbeit oder auch für die zahlreichen Artikel, Broschüren und Bücher, die sie im Laufe der Jahre über das jüdische Leben in der Region, ihren Vater Wilhelm Fries oder auch Stadtteile und vieles mehr verfasst hat. Sie kann dabei teilweise auch noch auf das Archiv ihres Vaters Wilhelm Fries zurückgreifen, der im Amt Weidenau zuständig war für Unterbringung und Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Ihr Herz schlägt für die Kunst am Bau

Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit (neben der Mitwirkung in anderen politischen Gremien und dem großen Einsatz im Aktiven Museum Südwestfalen und auch der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit) ist der Erhalt der Kunst am Bau: Es ist Traute Fries wichtig, dass die Kunst, in die vor allem in den Jahren des Wiederaufbaus investiert worden ist, wahrgenommen und bewahrt wird – als ein Versuch, das Lebensumfeld der Menschen ansprechend zu gestalten. Ihr Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Wenscht in Geisweid, aber auch für den Erhalt der innerstädtischen Kunst im öffentlichen Raum setzt sie sich ein.
Was sie sich für die Kultur-Zukunft Siegens wünscht? Sie hoffe, sagt sie, dass auch in den Zeiten der Krise die Stadt Siegen das vielfältige Kulturangebot aufrecht erhalten möge!

Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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