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Letzte "Dialog-Wolke" in MGK-Ausstellung
Wolken, Clouds, Grenzüberschreitungen

Die Arbeit von Latifa Echakhch, „Encrage (L’appareil photo Kodak)“ von 2014, (Courtesy: die Künstlerin und kamel mennour, Paris/ London), in der Ausstellung des Museums für Gegenwartskunst Siegen, „Die Wolken und die Wolke“, zeigt, was sich hinter der Wolke, im fast vergessenen schwarzen Raum verbergen kann …
  • Die Arbeit von Latifa Echakhch, „Encrage (L’appareil photo Kodak)“ von 2014, (Courtesy: die Künstlerin und kamel mennour, Paris/ London), in der Ausstellung des Museums für Gegenwartskunst Siegen, „Die Wolken und die Wolke“, zeigt, was sich hinter der Wolke, im fast vergessenen schwarzen Raum verbergen kann …
  • Foto: Philipp Ottendörfer
  • hochgeladen von Peter Barden (Redakteur)

jca Siegen.  Am Donnerstagabend luden Museumsdirektor Thomas Thiel und Mitarbeiterin Ines Rüttinger zu einem letzten virtuellen Rundgang durch die „Wolken“ und ihre künstlerischen Variationen im Museum für Gegenwartskunst ein. Seit September 2020 zeigte die Ausstellung insgesamt 80 Werke von 15 internationalen und nationalen Künstlern, die sich mit dem Thema „Wolken“ beschäftigen. Nachdem sich wegen der Coronamaßnahmen alle Hoffnungen zerschlagen hatten, das Publikum wieder live in der Ausstellung begrüßen zu dürfen, bot das Team die Ausstellung nochmals über einen virtuellen Raum an, um mit dem Publikum in eine gemeinsame „Dialog-Wolke“ einzutreten, so Thiel zu Beginn des Streams.

jca Siegen.  Am Donnerstagabend luden Museumsdirektor Thomas Thiel und Mitarbeiterin Ines Rüttinger zu einem letzten virtuellen Rundgang durch die „Wolken“ und ihre künstlerischen Variationen im Museum für Gegenwartskunst ein. Seit September 2020 zeigte die Ausstellung insgesamt 80 Werke von 15 internationalen und nationalen Künstlern, die sich mit dem Thema „Wolken“ beschäftigen. Nachdem sich wegen der Coronamaßnahmen alle Hoffnungen zerschlagen hatten, das Publikum wieder live in der Ausstellung begrüßen zu dürfen, bot das Team die Ausstellung nochmals über einen virtuellen Raum an, um mit dem Publikum in eine gemeinsame „Dialog-Wolke“ einzutreten, so Thiel zu Beginn des Streams.

Spannende Interpretationsansätze

Gezeigt wurden dabei Fotos, die die Werke der Künstler in den Ausstellungsräumen des Museums abbildeten. Während des Foto-Rundgangs entstanden konstruktive Diskussionen und spannende Interpretationsansätze: Der Zuschauer wurde mit seiner Teilnahme am Gespräch quasi selbst Teil einer Interpretations-Cloud der gezeigten Kunstwerke. Ein Rundgang, der auch in seinem virtuellen Format die Sinnbildhaftigkeit symbolischer Vorstellungen von Wolken ebenso aufzeigte wie deren technologische Dimensionen als Clouds einer voranschreitenden Globalisierung infrastruktureller und kommunikativer Vernetzungsmöglichkeiten. Ein Rundgang, der ein interkulturelles Bild von Flüchtigkeit und Vielseitigkeit aufzuzeigen versucht und letztlich „eine Brücke zwischen der Vorstellung der Grenzüberschreitung von Wolken“ einerseits und „deren Abbildung als chaotische Ordnung“ anderseits schlägt, so Thiel bereits in seiner Einführung zur Ausstellung im vergangenen September.

Status des Künstlers infrage gestellt

So interpretiert der Düsseldorfer Konzeptkünstler Hans-Peter Feldmann das klassische Motiv der Wolke in seiner natürlichen Erscheinung am Himmel nicht nur als schnappschussartige und ständig in Bewegung seiende Wolkenformation, sondern letztlich auch als Darstellung einer „Überschreitung der Grenze zwischen Kunst und Nicht-Kunst“, bei der der Künstler seinen eigenen Status als ebensolcher „programmatisch in Frage stellt“. Das Bild der französischen Installationskünstlerin Latifa Echakhch zeigt die Wolken ebenfalls zunächst in ihrer scheinbaren Einfachheit auf, doch verbirgt sich hinter ihnen im fast vergessenen „schwarzen“ Raum eine ebenso vergessene Zeit des Schallplattenhörens und analogen Fotografierens.

Grenzüberschreitende Potenziale

Der virtuelle Spaziergang glich nicht nur dem Flanieren durch Hoffnungen, Wünsche und Ängste, die Menschen in Wolken und ihren sich ständig verändernden Formen hineininterpretieren, der Spaziergang zeigte gleichermaßen die politischen und ökonomischen Dimensionen von Clouds, sowie ihre grenzüberschreitenden Potenziale einer tatsächlichen Interkulturalität auf künstlerische Art und Weise. Die Fotoserie „Clouds“ der US-amerikanischen Künstlerin Trevor Paglen beispielsweise zeigt die sichtbaren und unsichtbaren Algorithmen heutiger technologischer Normalitäten auf. Das Publikum begegnete beim Rundgang jedoch keineswegs nur den positiven Seiten dieser Himmelskörper: Wie jede strahlende Seite einer Medaille hat auch diese ihre Schattenseiten. Auf dieser Seite befindet sich unter anderem die Videoarbeit „Dirty Minimal#70,1 – Wolkenmeer/29,3 Tonnen CO2“ von Almut Linde (Konzeptkünstlerin aus Hamburg und Vizepräsidentin der Muthesius Kunsthochschule), die eine solche Entzauberung der Wolken realistisch als bedrohliches Wolkenmeer aus Kohlendioxid visualisiert.

Höhepunkte einer gelungenen Ausstellung

Der virtuelle Rundgang nahm das Publikum mit auf eine Reise zu den Höhepunkten einer gelungenen Ausstellung, die die Faszination der Mannigfaltigkeit, Deutungs- und Wahrnehmungsoffenheit von Wolken im Rahmen ihrer „ökologische(n), soziologische(n), ökonomische(n) und technologische(n) Aspekte“ aufgezeigt hat und das Publikum für einen Perspektivwechsel vermeintlicher Alltäglichkeiten zu sensibilisieren versuchte.
Noch verloren in ihren Eindrücken, wollten die Zuschauer an der einen oder anderen Stelle noch ein Weilchen verharren, um sich ihrer Eindrücke bewusst zu werden. Doch hat es nicht vielleicht auch seine leisen Vorteile, die Eindrücke allein anhand seines erinnernden Bildes im Nachgang Revue passieren zu lassen? Gewiss ist, allein anhand dieser Überlegung fanden  sie sich mitten in der Ausstellung wieder, wenn  sie sich an Lara Favarettos Projekt „Thinking Heads“ erinnerten  und ihr Gehirn nicht nur als „Maschine der Gedanken“ interpretierten, sondern die freie Interpretation des philosophischen Flanierens zuließsen.

Teils spannende Diskussionen

Nach eineinhalb Stunden reger und zum Teil spannender Diskussionen über Wolken, Clouds und dere Interpretationsräume und -möglichkeiten verabschiedete Thiel die Teilnehmer. – Am Sonntag schloss die Ausstellung mit einem Vortrag von Christopher Kulendran Thomas, der in der Ausstellung einige großformatige Arbeiten zeigte. In „Being human in the age of machine learning“ befragte er laut Mitteilung Kreativität als eine humanistische Fiktion und untersuchte die Konturen von geopolitischer Macht, durch die die Kategorie des „Menschlichen“ selbst definiert sei. Seine Bilder werden mithilfe von Cloud gestützten Algorithmen für schnelles Lernen erstellt, die auf der Arbeit der erfolgreichsten Künstler Sri Lankas basieren. Deren Erfolg wird analysiert im Kontext des Bürgerkrieges in der Region, aus der seine Familie stammt, und im Kontext des internationalen Umgangs damit. Die Frage nach Menschenrechtsverletzungen, nach der Definition von (universeller) Humanität und der damit zusammenhängenden Kreativität als menschlicher Kategorie stellt sich – persönlich.

Autor:

Redaktion Kultur

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