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Wolfgang Suttner formuliert für CDU kritischen Fragen-Katalog / Festivalmacher verwundert
"Zampano" als Zuschauer

Eitel Sonnenschein - der herrschte noch 2016. Aktuell gibt es Diskussionen, angestoßen vom einstigen Kreiskulturreferenten Wolfgang Suttner (l.). Das irritiert Landrat Andreas Müller (M.) und Festivalleiter Jens von Heyden durchaus.
  • Eitel Sonnenschein - der herrschte noch 2016. Aktuell gibt es Diskussionen, angestoßen vom einstigen Kreiskulturreferenten Wolfgang Suttner (l.). Das irritiert Landrat Andreas Müller (M.) und Festivalleiter Jens von Heyden durchaus.
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  • hochgeladen von Claudia Irle-Utsch (Redakteurin)

ciu/gmz Siegen. Wolfgang Suttner dementiert gar nicht erst. Ja, er habe in die CDU-Anfrage zu KulturPur, die eine detaillierte Aufstellung von Kosten, Nutzen und Perspektiven erwartet, „einiges an Beratung reingesteckt“. Es stünden viele seiner Gedanken darin. Eben das irritiert. Warum hinterfragt der einstige Kreiskulturreferent ein Festival, das er doch mitentworfen hat? Und wie reagieren darauf jene, die das Event aktuell zu verantworten haben und zum Teil auch jahrelang an Suttners Seite die Kreis-Kultur mitgestalten konnten?
KulturPur hat großen Zuspruch in der RegionAus Sicht von Landrat Andreas Müller und Festivalleiter Jens von Heyden gibt es, das wurde im Rahmen der Programmvorstellung am Freitag deutlich, keinen konkreten Anlass für diesen Fragenkatalog.

ciu/gmz Siegen. Wolfgang Suttner dementiert gar nicht erst. Ja, er habe in die CDU-Anfrage zu KulturPur, die eine detaillierte Aufstellung von Kosten, Nutzen und Perspektiven erwartet, „einiges an Beratung reingesteckt“. Es stünden viele seiner Gedanken darin. Eben das irritiert. Warum hinterfragt der einstige Kreiskulturreferent ein Festival, das er doch mitentworfen hat? Und wie reagieren darauf jene, die das Event aktuell zu verantworten haben und zum Teil auch jahrelang an Suttners Seite die Kreis-Kultur mitgestalten konnten?

KulturPur hat großen Zuspruch in der Region

Aus Sicht von Landrat Andreas Müller und Festivalleiter Jens von Heyden gibt es, das wurde im Rahmen der Programmvorstellung am Freitag deutlich, keinen konkreten Anlass für diesen Fragenkatalog. Das eigene Festival habe sich über die Jahre hinweg weiterentwickelt; immer aufs Neue werde das Programm hinterfragt. Das, so Müller, geschehe freilich immer auf der Basis von „ein paar Grundsätzlichkeiten: wie Familienfreundlichkeit, dem kostenlosen Zugang zum Gelände, der Nähe zur Natur, der Ausrichtung als Musik- und (!) Theaterfestival, der Mischung aus verschiedenen Genres …“ Dass man damit auf dem richtigen Wege sei, zeige zum einen der „sehr, sehr große Zuspruch“, zum anderen die hohe Identifikation der Region mit dem Festival. Dass jetzt auch die IHK Siegen erstmals als Unterstützer und Sponsor beteiligt sei, sei ein „sehr deutliches Zeichen und Votum, dass man zum Festival steht“. Jens von Heyden unterstrich, dass es sehr wohl legitim sei, dass die Politik kritisch nachfrage, doch sei der Zeitpunkt neu. In der Regel würden Kosten-Nutzen-Diskussionen im Zuge der Etat-Verhandlungen geführt, also im Herbst eines Jahres.

"Alter weißer Mann"

Konkrete Antworten auf die Fragen der CDU-Fraktion im Kreistag wolle das Kulturbüro in der nächsten Kulturausschusssitzung (16. März, 18 Uhr, Weiße Villa, Kreuztal) geben, sagten Müller und von Heyden im exklusiven SZ-Gespräch. Auch wenn sie belegen könnten, dass der ehemalige Kreiskulturreferent Wolfgang Suttner den Christdemokraten in dieser Anfrage als „alter weißer Mann“ die Feder geführt hätte, blieben sie „da völlig professionell“. Wenn auch verwundert: „Er fragt Sachen ab, für die er gestanden hat.“ Ein Miteinander auf der Basis der persönlichen Expertise (so wie es offenbar im Austausch mit dem früheren KulturPur-Organisationsleiter Georg Klein möglich und nützlich ist), sehe anders aus.

SPD: "Mehr als befremdlich"

Mit Unverständnis reagiert die SPD im Kreistag auf die CDU-Anfrage zu KulturPur. Suttner hätte sich früher, so Michael Plügge, der kulturpolitische Sprecher der Sozialdemodraten, „eine solche Anfrage verbeten“. Dass Suttner als sachkundiger Bürger nun jene zu kontrollieren scheine, mit denen er einst zusammengearbeitet habe, sei für ihn „mehr als befremdlich“.

CDU will KulturPur stärken

Keinesfalls solle mit der CDU-Anfrage KulturPur in irgendeiner Weise beschädigt oder gar infrage gestellt werden, sagt Bernd Brandemann, Fraktionsvorsitzender der Christdemokraten im Kreistag und Mitglied im Kulturausschuss, im SZ-Gespräch. Im Gegenteil. Man wolle KulturPur stärken. Das betont auch Wolfgang Suttner im Gespräch.Inzwischen habe das Festival, so Brandemann und Suttner übereinstimmend, das in seinen Anfangszeiten allein auf weiter Flur gewesen sei, viele ständig wachsende Mitbewerber in der näheren und etwas weiteren Umgebung, als jüngsten das Biggesee-Open-Air im Juni. Mit dem Aufkommen der anderen Festivals sei eine neue Situation entstanden. Die erfordere einerseits, so die beiden unabhängig voneinander, die Stärken von KulturPur zu stärken, um weiter so gut bestehen zu können. Andererseits müsse angesichts der Konkurrenzsituation KulturPur aber seine Zukunftsvision genau definieren. Nur so könne das Profil Bestand haben, nur dann könne man z. B. die Kritik der Bezirksregierung und der Bürgermeisterkonferenz (so Brandemann) entkräften, die Fragen nach der Notwendigkeit (oder der Höhe) der öffentlichen Förderung des Festivals stellten. Fakten brauche man auch, um als Politik über KulturPur sprechen zu können. Eine Diskussion über etwas sei ja nicht mit einem versteckten oder auch offenen Willen zur Abschaffung der diskutierten Veranstaltung gleichzusetzen, unterstreichen beide. Nach 29 Jahren müsse man einmal Bilanz ziehen.

Dazu komme, so Bernd Brandemann, dass die Verwaltung bisher das politische Gremium Kulturausschuss immer nur im Tagesordnungspunkt „Mitteilungen“ über KulturPur informiert habe, was formal Diskussion und Nachfragen ausschlösse. (Wenn die Verwaltung die jetzige Anfrage beantwortet, ist vom Procedere her allerdings auch keine Diskussion vorgesehen.)

Den Machern eine Plattform bieten

Wolfgang Suttner dagegen hat in seiner Zeit als Verantwortlicher die Politik immer eher als desinteressiert an KulturPur erlebt. Mit der Anfrage wolle er dem Festival und den Machern eine Plattform bieten, um darzustellen, wie viel Arbeit, Überlegungen und Ideen hinter KulturPur stecken: „Das Festival soll sich darstellen können.“ Dass er in seiner Amtszeit solche Anfragen, wie von anderer Seite zu hören war, immer zurückgewiesen habe, hänge vielleicht, sagt er, damit zusammen, dass er die damit verbundene Arbeit für das Team habe vermeiden wollen. Auf die Frage, warum er die politische Diskussion nicht schon früher angestoßen habe, sagte Suttner, das habe er damals nicht so „auf dem Schirm“ gehabt. Jetzt aber wolle er „das Festival stärker“ machen. Er hoffe, die Politik gebe ein langfristiges Bekenntnis zu KulturPur ab, das Sicherheit biete.

Kommentar
Mehr als 27 Jahre war Wolfgang Suttner als Kreiskulturreferent ein Macher, Gestalter, Anschieber, Ideengeber, Projektbegleiter und eine Art Eminenz im kulturellen Geschehen in Siegen-Wittgenstein. Nie ohne Menschen an seiner Seite, die vieles, was glänzend geriet, ermöglichten. Es entstanden Leuchttürme wie das Zeltfestival KulturPur, das Kulturhaus Lÿz, der Waldskulpturenweg … Anderes, wie die Philharmonie Südwestfalen, entwickelte sich weiter, konsolidierte sich.
Zwei Jahre nach Suttners Eintritt in den Ruhestand und der Übernahme der Kreiskultur durch den Mitte 2014 gewählten Landrat Andreas Müller stellt die CDU-Fraktion im Kreistag vieles von dem, was geworden ist, infrage. In der Leitbild-Diskussion ging es Anfang Dezember im Kreiskulturausschuss nicht nur um eine mögliche Neuausrichtung von KulturPur, sondern auch um den Weitererhalt des Lÿz. Dabei setzen die Christdemokraten sehr bewusst auf die Expertise des Mannes, der KulturPur, Kulturhaus und Co. (mit)aufgebaut hat. Wolfgang Suttner ist seit einiger Zeit als stellv. sachkundiger Bürger tätig und berät die CDU in kulturpolitischen Angelegenheiten. Das hat „ein Geschmäckle“.
Dass sich sein Engagement in diesem Zusammenhang vor allem auf das Befragen all dessen richtet, was er selbst (mit)entwickelt hat, ist kaum verständlich, zumal er selbst in seiner Position als Kreiskulturreferent solche Diskussionen möglichst unterbunden hätte.
In vielerlei Hinsicht können nun andere ernten, und eben auch der Landrat, der Suttners Stelle damals nicht neu besetzte. Es sind nun andere, die sich im Glanz von KulturPur sonnen können, es sind andere, die aus der Philharmonie Südwestfalen ein großstädtisches Orchester machen können (mit einem Haus der Musik in Siegen); es sind andere, die die Kreis-Kultur weiterentwickeln, zuweilen auch mit anderen Schwerpunkten, mehr die Basis-Kultur, die Jugend-Kultur, das, was man Teilhabe nennt, in den Fokus nehmend. Der „Zampano“ ist zum Zuschauen verurteilt.
Dabei gäbe es Alternativen. Er könnte in einem guten, konstruktiven Sinne beraten. Das aber ohne politisches Tamtam, einfach so von Mensch zu Mensch. Eine andere Möglichkeit: machen lassen, raushalten, auf unvermintem Gelände agieren (wie Suttner es ja im Bereich der bildenden Kunst auch kann). Sonst bröckelt das Ansehen einer einstigen Instanz.
Gleichwohl müssen sich die Kreis-Kulturmacher (wo sind eigentlich die Macherinnen?!) auch unbequeme Fragen stellen lassen und Antworten finden. Die Fragen, die an das Kulturbüro bezüglich des Festivals auf der Ginsberger Heide gestellt werden, sind richtig, wichtig und notwendig. Die Frage nach der Zukunft muss auch jetzt gestellt werden, wo es prima läuft, um sicherzustellen, dass es auch weiter prima läuft. - Claudia Irle-Utsch/Dr. Gunhild Müller-Zimmermann 

Autor:

Claudia Irle-Utsch (Redakteurin) aus Siegen

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