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Das „Experimentelle Schaufenster“ verlässt die Sandstraße in Siegen
Zum Abschluss ein Abgesang auf das „System Kunst“

Der Abgesang in der „Manege“, dem experimentellen Schaufenster in der Siegener Sandstraße, stellte an Mittwoch die Zerrissenheit der Kunst-Welt vor.
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  • Der Abgesang in der „Manege“, dem experimentellen Schaufenster in der Siegener Sandstraße, stellte an Mittwoch die Zerrissenheit der Kunst-Welt vor.
  • Foto: Jana C. Albrecht
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jca - Mit einem „Zerstörungs-Happening“ beendet Lena Hugger das gemeinsam mit Nicolas Sippel erdachte Konzept im ehemaligen Möbelhaus Wonnemann.
jca Siegen.  „Manege – Experimentelles Schaufenster“, am späten Nachmittag des 30. Dezembers in der Siegener Innenstadt. Mit ihrem Projekt wollten sie der Coronakrise zum Trotz vor allem jungen, lokalen und innovativen Künstlerinnen und Künstlern einen neuen Raum für Präsentation bieten und den Dialog über Kunst am Leben erhalten. In den Schaufenstern des ehemaligen Möbelhauses Wonnemann in der Sandstraße hieß das Künstlerduo unter anderem die Ausstellung „How to feel human“ (Mirjam Elburn und Veronika Simmerin), die mit der schmalen Grenze zwischen Objekt und Körperlichkeit spielt, willkommen.

jca - Mit einem „Zerstörungs-Happening“ beendet Lena Hugger das gemeinsam mit Nicolas Sippel erdachte Konzept im ehemaligen Möbelhaus Wonnemann.
jca Siegen.  „Manege – Experimentelles Schaufenster“, am späten Nachmittag des 30. Dezembers in der Siegener Innenstadt. Mit ihrem Projekt wollten sie der Coronakrise zum Trotz vor allem jungen, lokalen und innovativen Künstlerinnen und Künstlern einen neuen Raum für Präsentation bieten und den Dialog über Kunst am Leben erhalten. In den Schaufenstern des ehemaligen Möbelhauses Wonnemann in der Sandstraße hieß das Künstlerduo unter anderem die Ausstellung „How to feel human“ (Mirjam Elburn und Veronika Simmerin), die mit der schmalen Grenze zwischen Objekt und Körperlichkeit spielt, willkommen.
Bei der Wahl des Ortes blieb Hugger ihrer Linie treu, die sie aus dem gemeinsamen Ausstellungsprojekt mit Sabrina Diehl kannte, das in den Räumlichkeiten des ehemaligen Louisiana stattfand: Ein Abrissgebäude als Kunstraum ermögliche nicht nur die Reflexion der Zerstörung als neue Chance, sondern auch ein Spiel „mit dem Moment vor dem Abriss“, kündigt Hugger den Abgesang des Projektes via Social Media an.

Event zeigt Zerrissenheit unserer Zeit

Es dämmert bereits und der Nieselregen, der leise vom Himmel fällt, bereitet die Stimmung des Outdoor-Events auf passende Art und Weise vor. Die spartanisch und improvisiert wirkenden Darstellungen diverser, vor Ort inszenierter künstlerischer Akte hinter den milchigen und von Staub belegten Schaufenstern spiegeln eine Stimmung der Orientierungslosigkeit, Zerstreutheit und Zerrissenheit einer Szene wider, welche aus Sicht Huggers nicht besonders hart von der Coronakrise getroffen wurde.
Die Szene ist ihrer Ansicht nach letztlich auch davon bedroht, dem Schicksal des Gebäudes zu folgen: dem Abriss, der „Zerstörung“. So wie das „System Kunst“ aktuell funktioniere, so sei es schlichtweg schlecht: „Dass es Wenige gibt, die super gut davon leben können und die anderen Künstler in der Gastro[nomie] arbeiten müssen und ein ,scheiß Leben‘ haben“, tönt es zu Beginn des Abgesangs über ein Megafon in Huggers Händen von den Dächern Siegens herab.

Kunst als politische Äußerung

Die Köpfe gen Himmel geneigt, lauschen die etwa 20 Zuschauer ihrer Kundgebung, die bereits nach drei Minuten mit einer Rezitation Sippels endet: „Kunst ist nicht systemrelevant, Kunst muss ein System von innen heraus zerfressen“. Um dies symbolisch zu untermalen, wirft die junge Künstlerin eine Styropor-Skulptur herunter, die am Boden demonstrativ in ihre Einzelteile zerfällt …
Auf Nachfrage der SZ beklagt Hugger vor allem, dass Kunst „ein elitäres, kapitalistisches und vielerorts auch sehr patriarchalisches System“ ist und hofft, mit ihrem Projekt, das sie auch nach dem Verlassen der Sandstraße weiterführen möchte, einen Beitrag gegen diesen „Ausnahmezustand“ leisten zu können.
Anschließend an die Kundgebung konnten die Gäste sich den kunstschaffenden Performances diverser Künste widmen. Präsentiert wurden nicht nur bekannte Künste wie Fotografie, Malerei und Film, sondern auch Tanz, die vermeintliche Einsamkeit der Sprache und die körperlichen Bewegung. Abgesang 2020 war ein Zelebrieren der Paradoxie gemeinsamen Social Distancings in Zeiten der Krise, an einem Ort, der trotz Zerstörung auf eine neue Normalität nach der Krise hoffen lassen möchte. Ein Zelebrieren, das dem Vergessen der Kunst und der Sprachlosigkeit entschieden entgegen treten möchte. Es war ein Zelebrieren einer Endzeit-Stimmung, die „Zerstörung als Chance reflektieren“ und interpretieren möchte. Letztlich ein kurzer Abgesang auf eine alte Normalität und das Hoffen auf eine Zukunft der Kunst in neuem Licht. Oder, um es mit den Worten Lena Huggers zu sagen, „einer anderen, barrierefreieren Kunst“.  - Jana C. Albrecht

Der Abgesang in der „Manege“, dem experimentellen Schaufenster in der Siegener Sandstraße, stellte an Mittwoch die Zerrissenheit der Kunst-Welt vor.
Von einer „Kunst-Zerstörungsaktion“ wurde der Abgesang begleitet.
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Redaktion Kultur

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