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Mario Mammone Trio eröffnet Saison im Jazzclub Oase
Zum Niederknien schöne alte Liebeslieder

Der Siegener Jazzgitarrist Mario Mammone bestritt die überaus gelungene Oase-Saisoneröffnung gemeinsam mit Sebastian Scobel am Flügel und Stefan Rey am Kontrabass.
  • Der Siegener Jazzgitarrist Mario Mammone bestritt die überaus gelungene Oase-Saisoneröffnung gemeinsam mit Sebastian Scobel am Flügel und Stefan Rey am Kontrabass.
  • Foto: Johanna Schirmacher
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

jon Siegen. Da hatte sich der Siegener Jazzgitarrist Mario Mammone aber zwei absolute Könner für seine Oase-Saisoneröffnung mit ins Boot geholt: den gebürtigen Dresdener und Wahl-Kölner Sebastian Scobel am Flügel und den Kölner Stefan Rey am Kontrabass, beide mit Preisen dekorierte junge Musiker. Scobel war Mitglied des Bundesjazzorchesters und Rey Träger des WDR-Jazzpreises in der Kategorie "Nachwuchs" (übrigens der zweite WDR-Jazzpreis-Träger auf der Bühne des Siegener Jazzclubs Oase innerhalb von neun Monaten). Zu dritt macht's mehr Spaß, dachten sie sich, und als Mario Mammone Trio arrangierten sie eine Reihe von "Old Love Songs" mit viel Raum für Improvisation für diese eher selten kombinierten Instrumente.
Zum Glück gibt's wieder Live-Musik im Lÿz!

jon Siegen. Da hatte sich der Siegener Jazzgitarrist Mario Mammone aber zwei absolute Könner für seine Oase-Saisoneröffnung mit ins Boot geholt: den gebürtigen Dresdener und Wahl-Kölner Sebastian Scobel am Flügel und den Kölner Stefan Rey am Kontrabass, beide mit Preisen dekorierte junge Musiker. Scobel war Mitglied des Bundesjazzorchesters und Rey Träger des WDR-Jazzpreises in der Kategorie "Nachwuchs" (übrigens der zweite WDR-Jazzpreis-Träger auf der Bühne des Siegener Jazzclubs Oase innerhalb von neun Monaten). Zu dritt macht's mehr Spaß, dachten sie sich, und als Mario Mammone Trio arrangierten sie eine Reihe von "Old Love Songs" mit viel Raum für Improvisation für diese eher selten kombinierten Instrumente.

Zum Glück gibt's wieder Live-Musik im Lÿz!

Fragt man sich, was der "Basin Street Blues" zu Beginn des Programms mit der Gattung Liebeslied zu tun hat, erfährt man, dass dort mal ein Rotlichtviertel war. "Love Me Or Leave Me" passte hervorragend zu Mammones samtweich-jazziger Tenorstimme. Die Musiker kleideten Titel wie "I Ain't Got Nothing But The Blues" und "Gee, Baby, Ain't I Good To You" in Bossa-Nova-Rhythmen und ließen sie so in einem ganz anderen Licht leuchten. Scobel setzte bei "But Not For Me" aus Gershwins Musical "Girl Crazy" ein erzählerisches Klavier-Intro mit klassischem Touch voran, bevor Stefan Reys Swing-Groove auf dem gekonnt gezupften Kontrabass die Zuschauer fast mitschnipsen ließ. Aber sie hörten konzentriert zu, waren mucksmäuschenstill, damit ihnen die Feinheiten der Jazz-Akkorde nicht entgingen. Zum Glück gibt's wieder Live-Musik im Siegener Kulturhaus Lÿz!

Zuhörer genossen die dichte Atmosphäre

Highlight des Konzerts war für viele sicherlich "Crazy He Calls Me", im Original von Billie Holiday aus dem Jahr 1949, das Mammone logischerweise in der weiblichen Form sang. Witzig die Anspielung Mammones, dass er einen Satz aus dem Liedtext in einer Autowerkstatt auf einem Schild gesehen hatte ("Schwieriges erledigen wir sofort, Wunder dauern etwas länger"). Und dann: Augen schließen und genießen ‒ so etwas liefert kein CD-Spieler, das muss man live auf der Bühne erleben. Zum Niederknien schön! Diese Fermate der Stille nach dem letzten entschwindenden Ton, um die zauberhafte Stimmung des Songs nicht zu zerklatschen, war magisch. Überhaupt war das Publikum sparsam mit Zwischenapplaus, was ja nichts heißt, wenn nach einem Stück der Applaus umso herzlicher und kräftiger ausfällt. Die Zuhörer genossen diese dichte Atmosphäre, und man erspähte so manches verträumte Gesicht. Im folgenden Song verschmolzen die Musiker wieder Blues mit Bossa Nova, was ziemlich gut ankam. Bei diesem intimen, kammermusikalischen Abend präsentierte sich der Jazz aus den Jahren zwischen 1928 und 1949 transparent und filigran. Pianist Scobel lobte den Sound von Tontechniker Tom van den Boom, was sie dazu ermutigt habe, nicht nur die Songs zu spielen, sondern mit den Songs zu spielen.

Junge Musiker, "alter Hase", hohes Niveau

Das einzige Instrumentalstück des Abends war "Love For Sale". Schon 1930 boykottierte der Rundfunk den Song wegen des anrüchigen Textes. Auch vor nunmehr fast 100 Jahren gab es schon Herzschmerz und Liebesleid, ausgedrückt in Liedern wie "Good Morning, Heartache" von Billie Holiday. Ein Gefühl, das wohl fast jeder kennt: Man erteilt dem Kummer abends Hausverbot, und er klopft morgens unbeirrt an die Tür. Auch hier wieder ein kurzer Moment der ergriffenen Stille vor dem Applaus. Die Zeit verging wie im Fluge, und als "All Of Me" als Zugabe erklang, wurde erneut deutlich, was für ein hohes Niveau diese jungen Musiker an Klavier und Kontrabass zusammen mit dem Siegener "alten Hasen" auf die Bühne brachten. Mario Mammone stattete das doch allzu oft gespielte Lied mit einem virtuos gespielten Gitarren-Intro aus, sodass man einfach nur lauschte. Darin eingebaut war ein meisterhaftes Duett von Klavier und Kontrabass ‒ scheinbar spielte jeder eigensinnig vor sich hin, aber wie von Zauberhand geführt, fanden die beiden Instrumentalisten wieder an einem Punkt zueinander, um den Song fortzuführen. So machte "All Of Me" doch wieder Laune! Insgesamt eine wundervolle Eröffnung der Siegener Jazz-Saison in der Oase im Lÿz!

Autor:

Johanna Schirmacher (Freie Mitarbeiterin)

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