SZ

The Desperate Thespians führen „The Pillowman” von Martin McDonagh im Vortex auf
Zwischen Fakt und Fiktion

pav Weidenau. „The only duty of a storyteller is to tell a story.” Allerdings wirkt es verdächtig, wenn sich die geschriebenen Geschichten, die von Kindesmisshandlung und Kindesmord erzählen, plötzlich bewahrheiten und man sich auf dem Polizeirevier eines totalitären Staates wiederfindet. So ergeht es dem Schriftsteller Katurian K. (auch das steht für Katurian) Katurian, der zusammen mit seinem geistig zurückgebliebenen Bruder Michael (Peterpromise Odinibueze) von den zwei Beamten Ariel (Mohini-Ann Ramachandran) und Tupolski (Lilly Austmann)...

pav Weidenau. „The only duty of a storyteller is to tell a story.” Allerdings wirkt es verdächtig, wenn sich die geschriebenen Geschichten, die von Kindesmisshandlung und Kindesmord erzählen, plötzlich bewahrheiten und man sich auf dem Polizeirevier eines totalitären Staates wiederfindet. So ergeht es dem Schriftsteller Katurian K. (auch das steht für Katurian) Katurian, der zusammen mit seinem geistig zurückgebliebenen Bruder Michael (Peterpromise Odinibueze) von den zwei Beamten Ariel (Mohini-Ann Ramachandran) und Tupolski (Lilly Austmann) verhört und gefoltert wird …
Das zeitgenössische Theaterstück „The Pillowman“ des oscarprämierten irischen Filmregisseurs und Dramatikers Martin McDonagh wurde am Dienstagabend von der Theatergruppe The Desperate Thespians des Seminars für Anglistik der Uni Siegen im ausverkauften Vortex Surfer Musikclub auf Englisch präsentiert.

Trigger Warnings kündigen"Härten" an

Vorher betrat Marcel Hartwig, Lehrender an der Uni Siegen und zusammen mit Nadine Sucharda verantwortlich für die Theatergruppe, die kleine Bühne und überraschte das Publikum mit sogenannten Trigger Warnings. Denn das Stück enthält viele Passagen, in denen von Gewalt an Kindern gesprochen wird und viel schwarzer Humor zum Tragen kommt. Das Stück setzt deshalb auf kritisches Mitdenken des Publikums. Das Theater möchte Leute berühren, schocken und an ihre Grenzen bringen. Mit den Trigger Warnings kann das Publikum selbst entscheiden, ob es sich der Darstellung entziehen oder bleiben möchte. Gegangen ist niemand.
Schon bevor das Stück anfing, saß Protagonist Katurian K. Katurian (Joshua Burgmann) minutenlang regungslos mit einer Augenbinde auf der Bühne und wartete auf Erlösung. Dann betraten die beiden Beamten den Raum, und das Stück nahm seinen Lauf.

McDonagh ist Regisseur und Theaterschriftsteller

Ein Dreivierteljahr haben sich die Studierenden des Theaterkurses, der auch im nächsten Semester angeboten werden soll, intensiv mit dem Text und der Thematik des Stückes auseinandergesetzt. Das Schöne dabei ist, wie Hartwig sagt, dass die Studierenden dadurch selbst Teil einer Produktion wurden und statt ausschließlich theoriebasiert auch praxisorientiert arbeiten konnten und damit neue, ungeahnte Fähigkeiten erlangt haben.
Bei der Idee für das Stück stellte sich Marcel Hartwig die Frage, was gut für Siegen sei. Und als sich „The Pillowman“ als ein sehr beliebtes Stück in einem Kurs an der Uni, der sich mit dem Irish Theater, befasste, herausstellte, war die Entscheidung klar. Außerdem überraschte es Hartwig, dass McDonagh neben seiner Tätigkeit als Filmregisseur auch Theaterstücke schreibt. Mit seinem postmodernen Stück passt McDonagh sehr gut in die Tradition des Theaterkurses.
Mit einer fast dreistündigen Länge, einem anspruchsvollen Text, der in einem gut verständlichen Englisch von den Darstellenden gesprochen wurde, vielen Plot Twists, Multiperspektivität und Themen, die keine leichte Kost sind, soll die kritische Distanz, die wir uns mehr und mehr abtrainieren, besonders in einem totalitären Rahmen bewahrt werden.

Zusammenhang zwischen Kunst und Leben wird befragt

Das Stück zeigt, wie die Kunst über das eigene Leben gestellt wird, obwohl die Ursache für die Kunst paradoxerweise im Leben selbst verankert ist, und setzt sich darüber hinaus mit der Frage auseinander, was Fakt und was Fiktion ist. Denn es werden viele Geschichten erzählt in dem Stück. Um der Wahrheit und auch dem Pillowman auf die Schliche zu kommen, bedarf es der Konzentration und des Durchhaltevermögen des Publikums.
Zum Vormerken: Die letzte der insgesamt drei Vorstellungen findet an diesem Donnerstag ab 19 Uhr im Vortex statt.

Autor:

Pauline Vollpert aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r
Themenwelten
Die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo.

SZ+ informiert schnell und gut
Mit dem Frühlings-Abo drei Monate sparen

Der Frühling hat - kalendarisch- begonnen und die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo. Verlässliche Informationen trotz unruhiger Corona-LageIn diesem einmal mehr besonderen Jahr sehnen sich viele Menschen noch mehr nach den ersten Frühlingsboten. Ist doch mit den steigenden Temperaturen, den kräftiger werdenden Sonnenstrahlen und dem Aufblühen der Natur im zweiten Jahr der Corona-Pandemie noch mehr Hoffnung verbunden als...

Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen