Siegener Michael Wibbelt auf Stelzen in Peking
Zwischen Himmel und Erde …

„Egal wo wir waren – da waren Fotoapparate.“ Mit den Kostümierungen erregten die Stelzenläufer viel Aufsehen bei den Chinesen.
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  • „Egal wo wir waren – da waren Fotoapparate.“ Mit den Kostümierungen erregten die Stelzenläufer viel Aufsehen bei den Chinesen.
  • hochgeladen von Sarah Benscheidt (Volontärin)

sabe - „Alt wie ein Baum mit einer Krone, die weit, weit über Felder zeigt.“ Den Traum, den der Sänger der Puhdys 1976 im schlagerhaft rockigen Viervierteltakt äußerte, nämlich dass er alt und groß wie ein Baum werden möchte, um dann zwischen Himmel und Erde residieren zu können, hat der Siegener Künstler Michael Wibbelt jüngst wahrgemacht. Er war als Stelzenläufer, inszeniert als Baum, auf der Garten-Expo in Chinas Hauptstadt als Unterhaltungs-Act gebucht.[/p]

500 Hektar Fläche, bedeckt von den neuesten Neuheiten, den frühsten Frühblühern, den avantgardistischsten Freizeithüttchen – der Blick schweift und findet kaum ein grünes Fleckchen zum Verweilen. Auf der größten internationalen Gartenbau-Ausstellung, die vom 29. April bis zum 7. Oktober in Peking unter dem Motto „Live Green, Live Better“ steht, gibt es mehr zu sehen, als ein menschliches Auge an einem Tag wohl fassen kann.

Doch dann, im blühenden Panorama: ein prächtiger „Eyecatcher“, der perfekte Ruhepol für das gehetzte Sehorgan. Man legt den Kopf in den Nacken, staunt, blinzelt. Der Blick bleibt hängen, an grünem Blattwerk, das sich um knorrige Äste schlingt, an knubbeligen Wurzeln und einem bemalten Gesicht, aus dem fröhliche Augen das Moosgrün durchbrechen. Hinter der Maskierung steckt der Verwandlungskünstler Wibbelt.

Für den Deutschen Pavillon soll der Siegener mit seiner Kunst das Publikum unterhalten, anlocken, anziehen, bei Laune halten. An die Seite geholt hat er sich Gianna Matysek, Damien Bandulet und Mieke Stoffelen. Letztere gehört zur festen Besetzung des Stelzenspiels „Baum und Elfe“. Der SZ erzählte der 48-Jährige beim Besuch in der Redaktion, wie er die Zeit in China in luftiger Höhe erlebt hat.

Wie sind Sie zu dem Job als Stelzenläufer auf der Garten-Expo gekommen?

„Ich hatte Bock auf ein Abenteuer. Als die Agentur mich angefragt hat, habe ich sofort ,ja‘ gesagt. Sich über seinen Beruf andere Kulturen erschließen zu können ist toll.“

Wie sind Sie zum Stelzenlaufen gekommen?

„Das alles ist aus einem Hobby entstanden, während meines Studiums. Ich habe da nebenher als Jongleur gearbeitet – irgendwann haben sich dahingehend Kundenanfragen entwickelt. Da bin ich mit meinen Kumpel in den nächsten Baumarkt gefahren, und wir haben uns Holz für die Stelzen besorgt. Mittlerweile gehört das Stelzentheater neben einer Licht- und Feuer- sowie Jonglage-Show und der Arbeit als Klinikclown (etwa in der DRK-Kinderklinik Siegen und im Kinder- und Jugendhospiz Balthasar in Olpe; Anm. d. Red.) zu meinem festen Repertoire.“

Was begeistert Sie an diesen Acts?

„Beim Stelzenlaufen hat man auf eine Art völlige Narrenfreiheit – es ist anders als bei einer stringenten Show. Die Menschen bleiben bei diesem ,Walk-Act‘ nur genau so lange stehen, wie sie wollen. Dann können sie weiterziehen oder eben wir. Die Nähe zum Publikum ist natürlich trotzdem da und wichtig. Drei Meter über der Erde öffnen sich Horizonte für eine andere, einzigartige Kommunikation.“

Wie wird das Publikum eingebunden?

„Die Menschen können durch die Wurzeln des Baumes laufen oder auch der Elfe, meiner Spielpartnerin, lauschen, wenn sie zum Beispiel ein deutsches Volkslied anstimmt.“

Und wie hat das chinesische Publikum reagiert?

„Wir waren die Attraktion schlechthin. Man hatte kaum Zeit, sich umzuziehen – sofort hatte man eine riesige Menschentraube um sich herum, die unentwegt <jleftright>Fotos gemacht hat. Allerdings haben die Chinesen keine ,Klatschkultur‘ wie wir Deutschen. Wir konnten dann an den strahlenden Gesichtern sehen, wie unglaublich fasziniert die Menschen waren.“</jleftright>

Was nehmen Sie aus dieser Zeit in China mit?

„Dass es wirklich anders dort ist. Anders, aber eine tolle Erfahrung. Ich habe beispielsweise noch nie so viele Menschen auf einem Fleck gesehen oder auch so bombastische Konstellationen an den Messeständen. Ich habe unglaublich viele Reize und Erinnerungen mit nach Hause genommen. Was ich definitiv nicht vergessen werde, war mein Geburtstag, der fiel nämlich genau in diese Zeit. Den habe ich auch weit oben verbracht – auf der Chinesischen Mauer.“

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