10.000 Bienen machten die Mücke

 Kein Qualm, sondern eine Wolke aus Bienen stieg aus dem Kamin auf. Foto: dima

dima - „Das tut mir in der Seele weh.“ Jungimker Christoph Hafer steht im Keller seiner Nachbarin. Um seinen Kopf herum summt es wie in einem Bienenschwarm. Das hat seinen Grund: Hafer steht in einem Bienenschwarm. Und zwar in seinem eigenen. Der ist aus dem neu gezimmerten Bienenstand ein paar Häuser weiter geflogen. Beinahe senkrecht in den Büschergrunder Himmel, über eine dichte und hohe Fichtenhecke, und nach einer kurzen Zwischenlandung im Obstbaum direkt in den Kamin der netten Nachbarin. Ohne Landeerlaubnis, aber zielsicher in eine winzige Lücke unter der Kaminabdeckung.

All das erlebte der Imker am Freitagnachmittag live und in Farbe. Hafer lief seinen Insekten hurtig hinterher, konnte aber nur noch hilflos mitanschauen, wie rund 10.000 Bienen die Mücke machten – ungefähr so stark ist ein durchschnittlicher Schwarm zu Beginn. Die Büschergrunder Flieger verkrümelten sich mit einer selbst gezüchteten und noch sehr jungen Königin, was Hafer besonders weh tat. Ihre Majestät zog es trotzdem vor, davonzuziehen. Aber Honigbienen machen das so, weiß Hafer. Also alles ganz natürlich. Mit einem Unterschied: In einer wildromantischen Naturlandschaft mit alten Bäumen würden die Bienen in eine geräumige Naturwohnung umziehen, also eine Baumhöhle. In Büschergrund nahmen sie aber, was auf dem Weg lag: einen düsteren Rauchabzug.

Seit rund 40 Jahren fegt Bezirksschornsteinfegermeister Achim Maziejewski Schornsteine. Dohlen, Eulen, Wespen, Hornissen und sogar Fledermäuse sind ihm dabei schon entgegen geflogen. Keine ungefährliche Angelegenheit, erklärt Maziejewski. Vor allem für die Hausbewohner. Selbstverständlich meint er damit vor allem die Nester der ungewöhnlichen Kaminbewohner. Dohlen zum Beispiel würden sehr hohe und sehr dichte Nester in die Kamine bauen, bis schließlich kein Rauch mehr entweichen könne. Aber auch Hornissen bauen wie die Weltmeister und verschließen damit den Kamin komplett. Wenn der Rauch dann nicht mehr entweicht, kann das für die Hausbewohner lebensgefährlich werden. Bienen sind ihm dabei in vier Jahrzehnten aber noch nicht in die Quere gekommen.

„Die Kundschafter des Schwarms landeten zuerst in einem Baum und sind dann in den Kamin gezogen“, erklärt Christoph Hafer. Schnell habe er erkannt, dass die Rettung seiner Haustiere und vor allem die Räumung des besetzten Kamins etwas für den Fachmann ist. Außerdem habe er Höhenangst. Weshalb er schließlich Achim Maziejewski informierte.

Der rückte am Dienstag mit seinem Team an und sah die Bescherung schon von Weitem: Was aus dem Kamin aufstieg, war kein Qualm, sondern eine Wolke Immen. Gemeinsam starteten Imker und Schornsteinfeger, beide mit stichdichten Hauben, zur Expedition ins Ungewisse. Mit Taschenlampe und Spiegel ging es auf dem Dachboden auf Spurensuche. Hier summte es aus einer Revisionsöffnung des Kamins. Dann flogen ihnen die ersten Bienen entgegen. Hafer zündete jetzt die Friedenspfeife an, den Bienen-Smoker. Dessen Rauch macht wilde Immen sanfter. Der Kamin „qualmte“ daraufhin aber noch etwas heftiger. Zwei Etagen tiefer, im Keller, kletterten die Bienen inzwischen aus einem weiteren Reinigungsschacht. Die Friedenspfeife zeigte Wirkung, gestochen wurde niemand.

Hafer konnte seinen Schwarm im Keller portionsweise entgegennehmen. Im Eimer bugsierte er die Immen in einen neuen Bienenkasten. In der Hoffnung, dass er die Königin erwischt hatte. Denn nur mit ihrer Majestät kann der neue Schwarm überleben. Was nicht nur für Honigfreunde, sondern auch für die Büschergrunder Obstbäume ein Segen wäre. Dirk Manderbach

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen