12 000 Streitgründe gegen Gewerbegebietsplanungen

juli Siegen. Rund 12 000 Gründe gibt es für Naturschützer, um wegen der geplanten Gewerbegebiete Leimbachtal und Martinshardt mit der Stadt Siegen zu streiten: Denn ungefähr so viele Grasfrösche, Erdkröten und vereinzelt die stark gefährdete Geburtshelferkröte gibt es in den beiden Arealen, schätzt der Verein Amphibienschutz Leimbachtal. Zum Schutz der laut Verein größten Amphibienpopulation im Kreis Siegen-Wittgenstein werde zu wenig unternommen, werfen die Amphibienfreunde der Stadt Siegen vor.

Laut Stadtbaurat Michael Stojan gab es bereits eine einvernehmliche Lösung mit dem Verein sowie mit den Naturschutzverbänden NABU und BUND. Stojan äußerte im SZ-Gespräch seine Irritation darüber, dass das Gutachten, das die Stadt habe erstellen lassen, nach der anfänglichen Zustimmung nun in Frage gestellt werde. Marion Haas, die Vorsitzende des Amphibienschutz-Vereins, sagte dazu, nicht das Gutachten, sondern was die Stadt daraus machen wolle, sei das Problem.

Deshalb hat der Verein bei der jüngsten öffentlichen Auslegung der Pläne der Stadt Einwände erhoben. Die Hauptkritikpunkte seitens der Amphibienschützer:

Zum Bau des geplanten Gewerbegebiets Leimbachtal ist eine Verdichtung des Bodens erforderlich. Die Lebensgrundlage der Geburtshelferkröte und die Tiere selbst würden so zerstört.

Die Untertunnelung der Leimbachstraße für die Kröten und Frösche, die die Stadt ablehnt, sei machbar und effizient.Maßnahmen der Stadt seien „unwirksam, undurchdacht ausgeführt und z. T. zu spät errichtet worden“: Im April sei am Regenrückhaltebecken ein Zaun angebracht worden, um die Amphibien von der Rückwanderung in das Deponiegelände abzuhalten. Die Hauptrückwanderung sei derzeit aber bereits erfolgt gewesen.Wegen der Einwände bei der Offenlegung – auch ein Anwohner brachte einen Einwand ein, der richtete sich gegen das Verkehrsgutachten – hat die Stadt Siegen zur eigenen Planungssicherheit erneut einen Fachgutachter eingeschaltet. Die Stadt will so die Gefährung durch mögliche rechtliche Folgen einer Normenkontrollklage abschätzen lassen. Dies führe zu einer Verzögerung: Eigentlich sollten heute zwei Ausschüsse des Stadtrats über die Satzungsbeschlüsse für Bebauungspläne für die Martinshardt und das Leimbachtal befinden. Der Tagesordnungspunkt wurde aber kurzfristig abgesetzt und soll nun nach der Sommerpause beraten werden.Gestern trafen sich die streitenden Parteien im Leimbachtal, wo Marion Haas ihre Kritik vor Ort erklärte und städtischen Vertretern einen Maßnahmenkatalog mit Forderungen überreichte: Darin seht unter anderem, dass die Stadt auf einen Teil des Gewerbegebiets im Leimbachtal zugunsten der Geburtshelferkröte verzichten soll. Fangzäune sollten vor der Laichsaison 2010 erneut und professioneller als die jetzigen errichtet werden.Der Leiter des städtischen Umweltamtes, Dr. Bernhard Kraft, verwahrte sich gegen den Vorwurf, die Stadt habe unprofessionell gearbeitet. Die städtischen Vertreter sagten zu, sich mit dem Maßnahmenkatalog auseinanderzusetzen. Stadtplanerin Isabel Rehm sagte, das Überleben der Populationen solle optimal sichergestellt werden. Ein Stück Nadel- werde in Laubwald umgewandelt, um Lebensraum zu schaffen. „Wir haben noch ein Frühjahr, noch eine Laichsaison lang Zeit“, stellte Kraft fest. Das solle gemeinsam genutzt werden.Bürgermeister Mues betonte, die Stadt mache es sich nicht leicht. Zweifel einiger Anwesender über den Bedarf an Gewerbeflächen hielt Mues entgegen, allein im vergangenen halben Jahr hätten drei Firmen jeweils etwa 4 Hektar Flächenbedarf angemeldet. Mues: „Wir brauchen zusammenhängende große Gebiete.“

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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