12 500 Euro durch die Lappen gegangen

 Der Bad Laaspher Unternehmer Paul Friedrich Metz hat einen Förderantrag ans Ministerium gestellt, der von der Post nicht zugestellt wurde. Foto: Holger Weber
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howe - Paul Friedrich Metz hatte sich das alles so wunderbar vorgestellt: Seit Jahren hat er gemeinsam mit der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen an einem einzigartigen Dämmputz-Projekt aus Gänsefedern-Abfällen geforscht und wollte die Innovation jetzt auf den Markt bringen. Schließlich, und das verriet der Bad Laaspher Unternehmer gestern im SZ-Gespräch, haben sich bereits die ersten Handwerksbetriebe und Firmen gemeldet, die das Produkt gerne vertreiben oder mit ihm arbeiten möchten. Also setzte sich Paul Friedrich Metz mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie in Verbindung und stellte einen Förderantrag – sozusagen als Leistung zur Martkeinführung. Im Rahmen der ZIM-Kooperationsprojekte (Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand) hätte Paul Friedrich Metz bei positivem Bescheid eine 50-prozentige Förderung für seine Federnputz-Markteinführung erhalten.

Das wären 12 500 Euro gewesen, wenn – ja wenn ihm da die Deutsche Post nicht im Wege gestanden hätte. Denn im Briefzentrum auf der Freudenberger Wilhelmshöhe, so berichtete die Siegener Zeitung am 12. Januar, hatten interne Ermittler der Sicherheitsabteilung der Deutschen Post eine Tätergruppe observiert, die Briefe geöffnet und gestohlen haben soll und die auch dingfest gemacht wurde. Inzwischen sei Strafanzeige erstattet worden, erläuterte Pressesprecher Alexander Böhm. Weitere Angaben über die Zahl der nicht verteilten Briefe, über den entstandenen Schaden oder die Täter machte die Post nicht. Auch der Brief von Paul Friedrich Metz ging bei der Deutschen Post offenbar verloren. Die Folge: Aus Berlin kam dieser Tage die Rückmeldung des Ministeriums: keine Fördermittelzusage, weil die Antragsformale nicht fristgerecht eingegangen sind. Zwar hatte Paul Friedrich Metz den 30-seitigen Stapel auch per E-Mail zugesandt, für eine Förderzusage wäre aber die original Unterschrift vonnöten gewesen. Auch davon kann man halten, was man will.

Paul Friedrich Metz hat einen dicken Hals: „In einer gesellschaftlichen und wirtschaftlich wesentlichen Angelegenheit liefert die Post meine Unterlagen nicht. Das ist unfassbar.“ Aktuell sei das Dilemma in der Gesellschaft so groß, das sei überhaupt nicht mehr zu fassen, ärgert sich der Bad Laaspher Unternehmer. „Wir wollen die großen Räder drehen, schwafeln von Digitalisierung und anderen Dingen. Aber die kleinen Räder, die funktionieren hier nicht.“ Für ihn, so Paul Friedrich Metz, sei die Ursache dafür „das Nicht-Zusammenwirken von Politik und Verwaltung.“ Mal abgesehen von der Tatsache, dass einem auch der Förderalismus im Weg stehe. „Unsere Gesellschaft muss endlich wach gerüttelt werden“, sagt Paul Friedrich Metz – leider wissend, dass er an den Zuständen bei der Post oder bei ähnlichen Konzerngrößen nichts ausrichten könne. „Die Verbitterung der Leute resultiert daraus, dass zwischen Politik und Verwaltung hohe Reibungsverluste herrschen.“

Bis 19. Dezember, erzählt er ein weiteres Ärgernis, hätten in seinem Unternehmen neue Telefonanschlüsse seitens der Telekom eingerichtet werden sollen. „Da ist trotz Termins keiner gekommen. Stattdessen haben die uns gekündigt.“ Das könne doch nicht sein, dass ein Unternehmen so lange ohne Telefonanschluss sei. Aber zurück zum Post-Thema: Das „Durcheinander“ in dem Konzern kenne er ja nicht erst seit heute, berichtet Paul Friedrich Metz. „Vor Jahren schon mussten wir unter der schlechten Abholerei leiden.“ Er wisse nicht, wie oft er bei der DHL angerufen und darum gebeten habe, die Kundenpakete abzuholen oder Lieferungen zuzustellen. Mitunter seien „hochwertige Produktpakete“ verschwunden. Im aktuellen Fall habe sein Unternehmen ein „tolles Baumaterial-Projekt“ geschaffen. Und darauf setze natürlich nicht nur er, sondern auch die Uni Aachen. Insofern habe er in Zusammenhang mit der Markteinführung besagten Förderantrag gestellt. Denn ihm sei aufgegeben worden, bestimmte Dinge zu ergänzen und die Patente aufzurüsten. Das koste ebenso Geld wie zum Beispiel sicherheitstechnische Überprüfungen. Auch der Unternehmensberater aus Darmstadt, mit dem er zusammenarbeite, mache seinen Job nicht gratis.

„All das kostet Geld, darum habe ich den Förderantrag gestellt.“ Paul Friedrich Metz hat jetzt die Reißleine gezogen und mit der Deutschen Post gebrochen. Dieser Tage hat er im Internet einen Transporter entdeckt, den er womöglich kaufen möchte. „Dann erwerben wir noch einen Anhänger dazu und wir machen das selbst.“ In ihm sei die Überlegung gereift, den Vertrieb künftig allein in die Hand zu nehmen, „um flexibler, dynamischer, zuverlässiger und menschlicher“ zu sein. Treude und Metz würde künftig die eigenen Touren fahren. Post-Pressesprecher Alexander Böhm bedauerte im SZ-Gespräch den Vorfall. Der Oktober sei lange her, da stelle sich die Frage, ob der Verlust der Unterlagen mit dem aktuellen Fall in Zusammenhang stehe. „Das vermag ich nicht zu sagen.“ Fakt ist: Für die Deutsche Post sei das keine rühmliche Geschichte. „Wir sind aber froh, dass wir die Täter haben.“ Aktuell werde noch ermittelt, unter anderem liefen noch etliche Nachforschungsaufträge.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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