SZ

Polizei greift in Siegener Oberstadt durch
150 Platzverweise am Kornmarkt durchgesetzt

Gegen 0.15 Uhr sind die Treppen an der Nikolaikirche komplett geräumt. Die Polizei hat 150 Platzverweise erteilt.
4Bilder
  • Gegen 0.15 Uhr sind die Treppen an der Nikolaikirche komplett geräumt. Die Polizei hat 150 Platzverweise erteilt.
  • Foto: Julian Kaiser
  • hochgeladen von Redaktion Siegen

juka Siegen. Es ist 0.15 Uhr in der Nacht von Freitag auf Samstag. Die Treppen vor der Nikolaikirche sind übersät mit Bier- und Schnapsflaschen. Verpackungen liegen in den Ecken und auf den Grünflächen. Es ist ein Bild, das in den vergangenen Wochen fast schon normal geworden ist. Der Mittelpunkt der Feierlichkeiten, insbesondere von Jugendlichen, hat sich in die Oberstadt verlagert. Die milden Temperaturen und die weiterhin geschlossenen Clubs und Diskotheken begünstigen die großen Menschenansammlungen im Schatten des Rathauses.

Knapp 400 feierwillige Personen sind es um 22 Uhr noch, Musik dröhnt aus mitgebrachten Boxen. Es dauert nicht lange, bis die ersten Beschwerden bei der Leitstelle der Polizei eingehen. Lärmbelästigung.

juka Siegen. Es ist 0.15 Uhr in der Nacht von Freitag auf Samstag. Die Treppen vor der Nikolaikirche sind übersät mit Bier- und Schnapsflaschen. Verpackungen liegen in den Ecken und auf den Grünflächen. Es ist ein Bild, das in den vergangenen Wochen fast schon normal geworden ist. Der Mittelpunkt der Feierlichkeiten, insbesondere von Jugendlichen, hat sich in die Oberstadt verlagert. Die milden Temperaturen und die weiterhin geschlossenen Clubs und Diskotheken begünstigen die großen Menschenansammlungen im Schatten des Rathauses.

Knapp 400 feierwillige Personen sind es um 22 Uhr noch, Musik dröhnt aus mitgebrachten Boxen. Es dauert nicht lange, bis die ersten Beschwerden bei der Leitstelle der Polizei eingehen. Lärmbelästigung. Die Beamten schreiten ein, versuchen es mit einer ruhigen, aufklärenden Ansprache. Werben um Verständnis für die Anwohner. Und auf den ersten Blick scheint die Maßnahme zu fruchten, die Boxen sind verstummt. „Das wird aber nicht unser letzter Einsatz hier bleiben“, seufzt Nils Hoffmann. Und der Polizist sollte recht behalten. Gegen Mitternacht muss Hoffmann mit seinen Kollegen erneut in die Oberstadt ausrücken. Zwar hat sich die Personenanzahl mittlerweile deutlich reduziert, der Lärmpegel ist dagegen fast unverändert hoch.

Als innerhalb kürzester Zeit zwei Böller gezündet werden, haben die Beamten jedoch genug. Das Gelände wird geräumt, die gut 150 verbliebenen Nachtschwärmer werden des Platzes verwiesen. Probleme dabei gibt es kaum. Nach und nach sprechen die Polizisten die kleinen Gruppen an, bis auf kleinere Diskussionen und unschöne Kommentare aus der Ferne läuft alles reibungslos. „Ich hatte befürchtet, dass es mehr Schwierigkeiten geben könnte“, gibt Hoffmann zu.

Als alles vorbei zu sein scheint, nur noch die zurückgelassenen Flaschen an die Feier erinnern und weitestgehend Ruhe eingekehrt ist, kommen sie doch noch, die Schwierigkeiten. Eine vierköpfige Gruppe nähert sich dem Platz zum wiederholten Male, die jungen Leute wehren sich lautstark gegen die Anweisungen der Beamten. Besonders ein junger Mann möchte den Platzverweis nicht hinnehmen, kann selbst von seinen Freunden kaum zurückgehalten werden. Nach mehreren Minuten folgt die Einsicht, dass es heute kein zurück mehr geben wird. „Komm, lass uns nach Hause gehen“, ist irgendwann aus der Gruppe zu vernehmen. „Das ist doch das richtige Stichwort“, nickt Hoffmann.

Als die Einsatzteams den Rückzug antreten wollen, offenbaren sich jedoch weitere, kleinere, Exzesse. Ein Fahrzeug ist mit Flüssigkeiten überschüttet und bespuckt worden, vor dem Reifen eines anderen wurde eine Flasche platziert, die beim Losfahren mit einem lauten Knall in ihre Einzelteile zerfällt.

Dabei hatte der Abend für Hoffmann und seinen Kollegen Gereon Sötzen relativ ruhig begonnen. Das Duo hat an diesem Freitagabend Spätdienst. Präsenz zeigen ist zu Beginn die oberste Devise. Auf dem großen Parkplatz vor dem OBI-Markt in Weidenau haben sich wieder kleinere Gruppen eingefunden, manche sitzen auf Campingstühlen in den Parkmarkierungen, haben einen Kasten Bier in der Mitte stehen. Auch an diesem Ort hat der Betrieb am Wochenende zugenommen. Dass die Polizei wegen Verstößen gegen die Corona-Richtlinien dorthin gerufen wird, ist aber mittlerweile äußerst selten. „Das kommt kaum noch vor“, bestätigt Hoffmann. „Zu Beginn der Pandemie war das deutlich stärker.“ Allerdings hänge das auch damit zusammen, dass viele gar nicht mehr genau wissen, wo die Grenzen zwischen erlaubtem und verbotenem verläuft.

Der erste „Einsatz“ an diesem Abend kommt quasi per Zufall. In der Siegener Oberstadt überquert eine kleine Gruppe die Straße. Das Problem: Die Fußgängerampel leuchtet rot. Hoffmann spricht das Quartett aus dem Auto heraus an. Da man sich einsichtig zeigt, bleibt es bei der Ermahnung. „Da kommt es auch auf Fingerspitzengefühl an“, erklärt Sötzen während sein Kollege das Auto weiter durch den nächtlichen Verkehr lenkt.

Wenige Minuten später ist dann jedoch auch mit Fingerspitzengefühl nicht mehr viel zu machen. In der Hindenburgstraße hat ein junger Mann sein Fahrzeug direkt vor einem Schnellimbiss abgestellt. Jedoch auf einem Behindertenparkplatz. „Das bekommen wir oft zu hören“, meint Sötzen, als der Falschparker versucht, sich mit dem Argument, dass dort vorher bereits ein Auto gestanden habe, herauszureden. Um eine Geldstrafe kommt der Mann aber dennoch nicht herum.

Dramatischer hört sich das an, was die Beamten wenig später von der Leitstelle durchgegeben bekommen. Auf dem Dach einer Schule sollen sich Jugendliche befinden. Sofort macht sich das Duo auf den Weg, hält mit Taschenlampen bewaffnet ausschau. Das Gerüst an der Fassade wirkt dabei fast schon wie eine Einladung. Auf dem Dach gibt es jedoch keine Auffälligkeiten. Nur auf dem Parkplatz neben dem Zentrum halten sich ein paar Jugendliche mit ihren Fahrrädern auf, geben jedoch an, vor ein paar Minuten erst angekommen zu sein und nichts gesehen zu haben. Mit einem freundlichen „schönen Abend noch“ verabschiedet die Gruppe die beiden Polizisten.

Dass es bei einem solchen Umgangston bleibt, ist dabei nicht selbstverständlich. „Besonders bei größeren Gruppen kann es kritisch werden. Speziell wenn Alkohol im Spiel ist. Die Hemmschwelle sinkt und manche möchten sich vor den anderen profilieren“, erklären beide unisono. Aber auch bei Einzelpersonen träten solche Schwierigkeiten immer wieder mal auf. Auffällig sei, dass das Alter der Personen, die sich verbal im Ton vergreifen, in den vergangenen zehn Jahren enorm gesunken sei.

Auch solche Vorkomnisse wie zuletzt in Stuttgart sind natürlich ein Thema bei den Beamten. „Wir beschäftigen uns damit, klar“, bestätigt Hoffmann. Das sei ein bundesweites Phänomen. In Stuttgart habe wahrscheinlich vorher niemand damit gerechnet, dass es soweit kommen könne.

Zumal es vor einem knappen Jahr auch in Siegen zu einem Übergriff auf einen Beamten gekommen ist, der bei einem Einsatz vor der Diskothek „Split“ nach einem Tritt ins Gesicht mehrere Tage im Krankenhaus verbringen musste. „Das war schon schockierend, wozu Leute fähig sind“, blickt Hoffmann zurück.

Autor:

Julian Kaiser (Volontär) aus Siegen

Julian Kaiser (Volontär) auf Facebook
Julian Kaiser (Volontär) auf Instagram
following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

9 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige

Tablet-Aktion der Siegener Zeitung
SZ-Abo abschließen und Tablet sichern

Mit einem Abo der Siegener Zeitung kommen Sie jetzt gleichzeitig auch an ein Tablet Ihrer Wahl. Immer und überall informiert mit dem E-Paper... lesen, wo ich will; ... über die Suchfunktion schnell finden, was mich interessiert; ... gleicher Inhalt in praktischer Form; ... mit Zoomfunktion. Jetzt exklusiv: die Tablet-Bundle-Aktion  Beinahe geschenkt: Erhalten Sie kostengünstig ein Tablet Ihrer Wahl bei Abschluss eines Abos der Siegener Zeitung. Möchten Sie Ihr neues Tablet gleich zum Lesen...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen