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Öffentlicher Dienst
160 Verdi-Streikende auf dem Bismarckplatz Weidenau

Lautstark haben am Dienstag in aller Früh 160 Verdi-Streikteilnehmer auf dem Bismarckplatz auf ihre Forderungen aufmerksam gemacht, an erster Stelle steht ein Lohnplus von 4,8 Prozent.
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  • Lautstark haben am Dienstag in aller Früh 160 Verdi-Streikteilnehmer auf dem Bismarckplatz auf ihre Forderungen aufmerksam gemacht, an erster Stelle steht ein Lohnplus von 4,8 Prozent.
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mir Weidenau. Langsam geht es rund im öffentlichen Dienst. Nach ersten lokalen Warnstreiks am Kreisklinikum und bei ESi in der Rinsenau folgt am Dienstag die erste Aktion mit überregionalem Aufmarsch auf dem Bismarckplatz. Trotz der Kälte knapp über dem Nullpunkt harren 160 Gewerkschafter geduldig auf ihren Corona-gerecht abgezeichneten Stellflächen aus, jeder markante Satz wird mit Ratschen lautstark untermalt. Müllwerker neben Kita-Mitarbeiterinnen, ESi- und Grünflächenkollegen, Kreuztaler und Freudenberger Verdi-Mitglieder, vom Kreis Olpe sind ebenso Leute da wie von der Siegener Kreisverwaltung.
Hohe Belastungen für Mitarbeiter im öffentlichen Dienst
Aus Düsseldorf ist Wolfgang Cremer angereist, der Fachbereichsleiter Gesundheitswesen bei Verdi-NRW.

mir Weidenau. Langsam geht es rund im öffentlichen Dienst. Nach ersten lokalen Warnstreiks am Kreisklinikum und bei ESi in der Rinsenau folgt am Dienstag die erste Aktion mit überregionalem Aufmarsch auf dem Bismarckplatz. Trotz der Kälte knapp über dem Nullpunkt harren 160 Gewerkschafter geduldig auf ihren Corona-gerecht abgezeichneten Stellflächen aus, jeder markante Satz wird mit Ratschen lautstark untermalt. Müllwerker neben Kita-Mitarbeiterinnen, ESi- und Grünflächenkollegen, Kreuztaler und Freudenberger Verdi-Mitglieder, vom Kreis Olpe sind ebenso Leute da wie von der Siegener Kreisverwaltung.

Hohe Belastungen für Mitarbeiter im öffentlichen Dienst

Aus Düsseldorf ist Wolfgang Cremer angereist, der Fachbereichsleiter Gesundheitswesen bei Verdi-NRW. Ein erfahrener Verhandlungsführer, der die Dinge einzuordnen weiß: „Es ist richtig, dass gestreikt wird. Wir wollten das nicht, das haben andere zu verantworten. Wir machen weiter, bis die entscheidenden Leute zu Sinn und Verstand gekommen sind.“
Die Erkrankungsrate sei in den Stressberufen des öffentlichen Lebens am höchsten. Siehe Gesundheitsämter: „Ein Wahnsinn, dass dort rund um die Uhr Infektionsketten verfolgt werden müssen.“ Oder die Kitas. Die Angestellten arbeiteten im Vollbetrieb ohne Schutzmöglichkeiten. Keiner wisse am Morgen, was Eltern und Kinder einschleppten. Cremer: „Und dann müssen die Beschäftigten eine Woche auf ihr Testergebnis warten. Das geht gar nicht.“
Oder auch die Ordnungsämter, mit wechselnden Corona-Regeln müssten diese Mitarbeiter das öffentliche Leben aufrecht halten und nachts nach Verrückten schauen, die unkontrolliert Party machten. Sieben Tage in der Woche, „keine Idee, wie das zu schaffen ist“, sagt Cremer mit einem Unterton. Auch die Busfahrer hätten täglich mit Verrückten ohne Masken zu tun. „Bei all diesen Belastungen müssten die Arbeitgeber eigentlich von selbst mehr Lohn anbieten.“

"Der Streik jetzt ist richtig"

Stattdessen werde gebetsmühlenartig wiederholt, es sei kein Geld vorhanden. Cremer taucht in die Politik ein: „Wenn ihr jetzt nicht streikt, kommt ihr auf keinen grünen Zweig. Die Reichen werden immer reicher, und es traut sich niemand an die Vermögenssteuer heran.“
Noch ein Detail mit Bedeutung: „Bei der Eingruppierung wird von Arbeitgeberseite mächtig gezündelt. Alles wird in Einzelteile zerlegt mit der Folge, dass Angestellte heruntergruppiert werden. Die dadurch entstehenden Verluste sind auch in zehn Tarifrunden nicht wieder rauszuholen“, berichtet Cremer von der Basis.
Wie intensiv es an den Krankenhäusern zugeht, dazu hat Sonja Görg-Lorenz einiges zu sagen. Mit Ausbruch der Pandemie hätten alle Mitarbeiter plötzlich auf Covid-19-Stationen mitgearbeitet. Körperlich und auch psychisch sei das eine enorme Belastung. „Von der Politik gibt es Applaus und Schokolade, aber die Arbeitgeberseite hat vergessen, was wir geleistet haben und weiter leisten.“
Jürgen Weiskirch, Verdi-Bezirksgeschäftsführer, weiß, informell hätten einige Bürgermeister gesagt, es müsse etwas geben für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst. „Es muss endlich ein Angebot auf den Tisch, ein verhandelbares. Die Arbeitgeber wollten alles auf 2021 verschieben, deshalb ist der Streik jetzt richtig“, ruft Inge Degenhardt, DGB-Geschäftsführer, den in der Kälte ausharrenden Streikenden zu. Applaus habe es gegeben für die Mitarbeiter in den systemrelevanten Berufen, „aber klatschende Hände sind keine Währung. Eine angemessene Lohnerhöhung ist das Mindeste.“
Streiks wären vermeidbar gewesen, sagt Michael Schnippering, der für Verdi Siegen die Kundgebung organisiert hat. Die Arbeitgeber zeigten die kalte Schulter: „Wertschätzung drückt sich nun einmal in Euros aus.“

Der Tarifstreit wird weitergehen

Gegen 9 Uhr klingt die Serie der Streikreden aus. In kleinen Gruppen wechseln die frierenden Teilnehmer durch das Hauptportal in die Bismarckhalle, wärmen sich beim Kaffee auf, gönnen sich ein Brötchen. Man plaudert an Stehtischen, mit Abstand natürlich, durch die Seitentür geht es nach Hause. „Und nicht zurück auf die Arbeit. Heute ist Streiktag, das ist kein Aktiönchen für zwei Stunden“, redet Jürgen Weiskirch allen ins Gewissen.

Autor:

Michael Roth (Redakteur) aus Siegen

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