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Lehrerverbände betrachten Schwellenwert 165 als zu hoch
165 ist die neue 200

Im Kreis Siegen-Wittgenstein werden die Schüler erst einmal im Homeschooling verharren, den „Pennälern“ im Kreis Olpe steht die Rückkehr in den Distanz-Unterricht bevor: Mit der Bundes-Notbremse gilt an den Schulen ein neuer Schwellenwert.
  • Im Kreis Siegen-Wittgenstein werden die Schüler erst einmal im Homeschooling verharren, den „Pennälern“ im Kreis Olpe steht die Rückkehr in den Distanz-Unterricht bevor: Mit der Bundes-Notbremse gilt an den Schulen ein neuer Schwellenwert.
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  • hochgeladen von Marc Thomas

rege Siegen. 165 ist die neue 200. Die neue magische Zahl im Leben von Schülern, Lehrern und Eltern. Die Zahl, die gemäß Bundesinfektionschutzgesetz darüber entscheidet, ob Kinder zum Lernen in der Schule erwünscht sind oder auch nicht. Liegt die Sieben-Tage-Inzidenz an drei aufeinander folgenden Tagen über 165, dann bedeutet das zunächst das „Aus“ für den Präsenzunterricht, der ab dem übernächsten Tag untersagt ist. Abschlussklassen und Förderschulen können wie bisher auch von dieser Regelung ausgenommen werden. Um in den Klassenraum zurückkehren zu dürfen, muss an fünf aufeinander folgenden Werktagen der Schwellenwert unterschritten werden. Auch dieser Re-Start erfolgt am übernächsten Tag.

rege Siegen. 165 ist die neue 200. Die neue magische Zahl im Leben von Schülern, Lehrern und Eltern. Die Zahl, die gemäß Bundesinfektionschutzgesetz darüber entscheidet, ob Kinder zum Lernen in der Schule erwünscht sind oder auch nicht. Liegt die Sieben-Tage-Inzidenz an drei aufeinander folgenden Tagen über 165, dann bedeutet das zunächst das „Aus“ für den Präsenzunterricht, der ab dem übernächsten Tag untersagt ist. Abschlussklassen und Förderschulen können wie bisher auch von dieser Regelung ausgenommen werden. Um in den Klassenraum zurückkehren zu dürfen, muss an fünf aufeinander folgenden Werktagen der Schwellenwert unterschritten werden. Auch dieser Re-Start erfolgt am übernächsten Tag.

Für den Kreis Siegen-Wittgenstein hat das zunächst einmal keine Auswirkungen: Das Homeschooling geht in die nächste Runde. Am Kreis Olpe wird die Neuregelung nicht spurlos vorüber gehen: In den Schulen dürfte es nächste Woche wieder deutlich ruhiger und leerer werden. Im einstigen Corona-Hotspot „Kreis Altenkirchen“ stehen die Schulampeln Stand Donnerstag weiterhin auf Grün.

Planungssicherheit steht und fällt mit Inzidenz

Dank der politischen Notbremse gibt es für die nächsten Wochen nun schwarz auf weiß eine eindeutige bundesweit gültige Regelung und etwas Planungssicherheit, wobei die Betonung hier auf dem Wort „etwas“ liegt, denn die Planungssicherheit steht und fällt mit der Inzidenz. Doch nicht nur die Abhängigkeit von eben diesem Wert sorgt für Diskussionsstoff, sondern auch die Festlegung auf die Ziffernfolge 165, die nun eine noch nie dagewesen Berühmtheit erlangt. Doch wie ist der krumme Wert 165 überhaupt zustande gekommen? „Letztendlich resultiert die 165 daraus, dass am Montag der Durchschnittswert aller 16 Bundesländer beim Inzidenzwert bei ungefähr 165 lag“, erklärt der stellvertretende SPD-Fraktionschef Dirk Wiese, dass zur Ermittlung des Schwellenwertes weder der Zufallsgenerator noch Würfel bemüht wurden.

Die Lehrerverbände sehen die Absenkung der Grenze von 200 auf 165 zwar als Fortschritt, hätten sich aber die runde Zahl 100 als Schwellenwert gewünscht. „Der jetzt geplante Inzidenzwert von 165, ab dem Schulen auf Fernunterricht umstellen sollen, ist immer noch zu hoch. Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern werden damit Risiken ausgesetzt, die die Politik in anderen Teilen der Gesellschaft nicht für akzeptabel hält“, sagt die Chefin Marlis Tepe der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Maximaler Gesundheitsschutz genießt Prioriät

Diese Meinung teilt auch der stellvertretende Vorsitzende der Jungen Philologen in Nordrhein-Westfalen, Maximilian Schmieding: „Es ist grundsätzlich zu begrüßen, dass der Wert geringer ist als bisher, aber ich hätte die 100 eher nachvollziehbar gefunden. Es ist bitter, dass das soziale Miteinander und das Lernen darunter erheblich leiden, aber der maximale Gesundheitsschutz genießt momentan Prioriät. Man darf die Gefahren der Ansteckung nicht ignorieren“, sagt der Siegener Gymnasiallehrer in Bezug auf den Sicherheitsaspekt.

Auch der Bezirksschülersprecher des Kreises Siegen-Wittgenstein, Jost Hoffmann, hätte sich vor allem ein viel früheres Eingreifen der verantwortlichen Politiker gewünscht. „Ob wir 200 nehmen oder 165, der richtige Moment wurde verpasst. Ich hatte mich schon vor ein paar Wochen für vernünftige Konzepte und eine vernünftige Testpflicht ausgesprochen. Mit einigen weiteren Maßnahmen hätten wir die Schulen sicher durch die dritte Welle bringen können. Dafür ist es zu spät. Es bleibt jetzt nichts anderes übrig als die Schulen zu schließen. Das wiederum wird sich negativ auf die Psyche der Schülerinnen und Schüler auswirken“, glaubt der Schüler des Gymnasiums Stift Keppel, dass der rapide Anstieg von Schülerinnen und Schülern mit psychischen Erkrankungen nach der Pandemie noch zu einem großen Problem werden kann.

Harsche Kritik von Zehntklässler

Der Zehntklässler äußert harsche Kritik, dass die Bildung einzig und allein am puren Ablesen von Inzidenzwerten abhängig gemacht wird. Der Allenbacher fordert ein Ende des ewigen Hin und Her bezüglich der Schulschließungen und Schulöffnungen: „Man sollte aufhören mit den Inzidenzwerten zu jonglieren, sondern Langzeitpläne, also vernünftige langfristige Konzepte entwickeln. Darauf sollte der Fokus liegen“, stellt Hoffmann sich die nicht ganz unberechtigte Frage, warum eine Schule in Erndtebrück zumachen muss, wenn es in Siegen einen Corona-Ausbruch gibt. Die – wenn auch unbefriedigende – Antwort darauf kommt aus Berlin und lautet: 165.

Hier geht es zum Kommentar von SZ-Redakteur René Gerhardus. Die Meinung von Christian Hoffmann gibt es hier. 

Autor:

René Gerhardus (Redakteur) aus Siegen

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