20 Jahre Autobahn-Baustelle

 In den 60er-Jahren waren die Eiserfelder stolz auf den Bau der Siegtalbrücke und die damit verbundene technische Meisterleistung. Heute sind alle Brücken auf der A 45 wegen der hohen Verkehrsdichte und der vielen Lkw zu knapp kalkuliert, alle müssen erneuert werden. Foto: SZ-Archiv
  • In den 60er-Jahren waren die Eiserfelder stolz auf den Bau der Siegtalbrücke und die damit verbundene technische Meisterleistung. Heute sind alle Brücken auf der A 45 wegen der hohen Verkehrsdichte und der vielen Lkw zu knapp kalkuliert, alle müssen erneuert werden. Foto: SZ-Archiv
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mir - Die Ferien haben ihre Eigenheiten, politisch Tätige jeder Couleur füllen sie gerne und oft mit ihren Botschaften. Am Donnerstag tat dies Landrat Andreas Müller zum Thema Investitionen in den Straßenbau bis 2020. Nur durch die Fokussierung aller Beteiligten auf die Route 57 mit gleichlautenden Aussagen sei das jetzt Erreichte möglich geworden. Bei den parlamentarischen Beratungen zum Bundesverkehrswegeplan im kommenden Herbst werde es darauf angekommen, das Projekt noch einen Schritt weiter vorne im „vordringlichen Bedarf“ zu platzieren. Ohnehin werde es vor dem Jahr 2035 an der Route 57 keine Baustelle geben.

Ausgenommen die Südumgehung Kreuztal. Müller und der Straßenbauexperte an seiner Seite, Ludger Siebert (Leiter der hiesigen Regionalniederlassung von Straßen NRW), prognostizierten einen Planfeststellungsbeschluss für 2017. Siebert: „Theoretisch können wir dann 2019 bauen.“ Klagen seien nicht ausgeschlossen, das war der vorsichtig formulierte Tenor. Vorsichtig deshalb, weil es zur Südumgehung 3000 Sammel- und 600 Einzeleinwendungen gegeben hat. Gut möglich, dass sich in der Masse noch ein Kläger verborgen hält. Oder auch nicht. So eine Klage würde zwei Jahre Verzögerung nach sich ziehen.

Sehr viel lieber haben es Siebert und seine Leute mit Projekten ohne ein Planfeststellungsverfahren zu tun. Wie etwa die Optimierung der B 62 zwischen der Kronprinzeneiche und Lützel: „Alle Beteiligten waren sich einig, das ist der Königsweg“, strahlte Siebert. Im Herbst starten die Bauarbeiten für diesen zweiten Bauabschnitt. Die Fertigstellung ist für 2018 geplant. Kosten: 11,5 Mill. Euro. Hinter der geschlossenen Ortschaft in Lützel soll es 2021 weitergehen mit dem dreispurigen Ausbau gen Altenteich, das ist der Plan. Und der unfallträchtige Bahnübergang soll gleich mit verschwinden. Geschätzte Kosten: 9 Mill. Euro. Dazwischen – also 2019 und 2020 – soll und muss endlich die Holperstrecke zwischen Walpersdorf und der Siegquelle (L 719) saniert werden. Beides zeitgleich ginge nicht, wenigstens eine der beiden Hauptverkehrsstraßen zwischen Siegerland und Wittgenstein muss befahrbar bleiben.

Im Sektor Landestraßen geht es vorher an zwei weiteren Orten zur Sache: Bis 2018 soll die Ortsdurchfahrt Gernsdorf (L 722) für 2,5 Mill. Euro ausgebaut werden. 2017 wird die Ortsdurchfahrt Würgendorf (L 531) für 1,1 Mill. Euro ertüchtigt. Macht zusammen 4,5 Mill. Euro pro Jahr für Landesstraßen im SI-Kreis.

Ein Mammutprojekt ohne vergleichbares Beispiel in der Vergangenheit stellt die Sanierung der A 45 mit den vielen Talbrücken dar. Siebert bezifferte den Aufwand allein für die Brücken zwischen Westhofen und Burbach auf 1,4 Mrd. Euro, insgesamt wird die Totalerneuerung samt Ausbau auf sechs Fahrspuren 2,2 Mrd. Euro verschlingen. Siebert wagte eine Prognose: „Das alles wird 20 Jahre dauern, mindestens.“

38 Brücken müssen neu gebaut werden. Weil sie für zukünftige Verkehrsmassen nicht ausgelegt sind. Die Brückenbauten aus den 60er-Jahren seien „sehr schlanke Bauwerke“, drückte sich Siebert vorsichtig aus. Die damaligen Planer seien von einem „kompakten Fahrzeug auf einer Fahrspur“ ausgegangen, „heute fahren auf einer Brücke zwei, drei Lkw hintereinander und überholen sich auch noch“. Ja, damals sei die A 45 als „regionale Autobahn“ mit erhöhtem Wochenend- und Ferienverkehr konzipiert worden, nicht aber als Nord-Süd-Tangente mit 70.000 Fahrzeugen pro Tag (jetziger Stand).

Bis 2020 werden vier Autobahnbrücken erneuert: Rinsdorf (77 Mill. Euro), Rälsbach (15), Eisern (32) und Landeskroner Weiher (37). Die mächtige Siegtalbrücke mit einer Spannweite von rund einem Kilometer wird erst ganz zum Schluss an die Reihe kommen. Laut Siebert befindet sie sich noch in einem „vertretbar guten Zustand. Da haben wir noch ein bisschen Zeit“.

Trotzdem, es darf nicht verwundern, warum hier im äußersten Zipfel von NRW so intensiv gebaut wird. Das Teilstück Olpe-Burbach werde von den übergeordneten Behörden „prioritär“ eingestuft, um die West-Ost-Verbindung von Köln über Olpe-Süd, Gießen und Kassel nach Thüringen zu optimieren. Siebert: „Mit dem Ausbau der A 45 auf sechs Spuren kommt jetzt überall auch der Lärmschutz dazu.“

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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