20 Jahre Studiobühne Siegen

Uni-Schauspieler seit 30 Produktionen mit Kühnel als Leiter

sz Siegen. „Ich muss es machen”, sagt PD Dr. Jürgen Kühnel auf die Frage, warum er seit 20 Jahren „Theater macht”. Seit 20 Jahren und 30 Produktionen, von denen er 23 (mit)inszeniert hat – für die Studiobühne Siegen. Studierende, vor allem aus Literatur- und Medienwissenschaften, und gelegentlich auch Dozenten finden sich Semester für Semester zum Theatermachen zusammen: Begeisterung für das Schauspielen bindet sie zusammen. Manche sind für wenige Semester dabei, andere für Jahre, aus denen auch mal ein gutes Jahrzehnt werden kann. Für Kontinuität in diesem „naturbedingten” Wechsel sorgt Jürgen Kühnel, der die Bühne seit 1980 leitet – und auch formt.

Dazu gehört nicht nur die Auswahl der Stücke (wobei natürlich auch Vorschläge der Studenten gespielt werden, von ihnen selbst inszeniert), auch die Anleitung zum Sprechen, das Bühnenbild und der Inszenierungsstil. Der Dramen-„Kanon” ist charakteristisch: Klassiker, aber dann „anders” (unbekanntere Stücke, ungewöhnliche Übersetzungen, ungewöhnliche Bearbeitungen oder Fassungen), Klassiker der Moderne, und aktuelle Stücke, auch mit lokalen Bezügen.

Da wäre zum Beispiel die dramatisch umgeschriebene Prosa-Fassung der „Iphigenie”) zu nennen oder die als unspielbar geltende „Verkehrte Welt” von Tieck (die Siegener Inszenierung war die zweite überhaupt). Drehbücher, fürs Theater umgeschrieben, sind dabei, wie Bergmans „Lächeln einer Sommernacht”, Klassiker anderer Kulturkreise wie Sa-kuntala, das berühmte indische Theaterstück, erstmals in deutscher Spielfassung (basierend auf einer englischen Übersetzung), ... Oder auch die aktuellen Einakter von Ingo Porschien, Franz-Joesf Weber und Dieter H. Stündel. Die Liste könnte auf 30 erweitert werden! In dieser Saison steht das „Woyzeck”-Thema auf dem Spielplan, in ungewöhnlichen Fassungen: Büchners fragmentarische Skizzen „Louis” und „Woyzeck” bilden den „Vorspann” für die Franzos-Landau-Versionen der Woyzeck-Geschichte nach Büchner.

Natürlich ist die Wahl des Stückes auch davon abhängig, welche Schauspieler „zur Verfügung” stehen. Denn schließlich kann nicht jeder jede Rolle spielen – und bei Leseproben stellt sich schnell heraus, wer für welche Rolle geeignet ist. Der Text, die Vorstellung des Schauspielers und die des Regisseurs von der Rolle müssen ja unter einen Hut gebracht werden. Wenn er selbst Regie führt, dann plant der Literaturwissenschaftler am Schreibtisch vor, geht von der reinen Text-Basis aus (ohne Regieanweisungen), kürzt, wo nötig, entwickelt Bühnenbild-Vorstellungen, skizziert Gestik, Mimik, die Raum-„Nutzung” der Bühne, die Einbeziehung des Publikums – und muss nur zehn bis 20 Prozent der Überlegungen ändern. Vielleicht liegt das auch daran, das Jürgen Kühnel seiner Neigung zu „einfachen”, konzentrierten Inszenierungen immer mehr folgt: Der Text wirkt. Geprobt wird in intensiven Blöcken in relativ kurzem Abstand vor den Aufführungen – das ist effektiver als wöchentliche Proben über einen längeren Zeitraum, hat Jürgen Kühnel festgestellt.

Wer solche Begeisterung für das Theater zeigt, hat nicht „nur” beruflich-germanistische Beziehung dazu. In Stuttgart hat Jürgen Kühnel bei Lilo Barth privaten Schauspiel-Unterricht genommen – aus Begeisterung für die Sache. Als er dann nach Siegen kam, wagte er vor 20 Jahren das Unternehmen „Studiobühne”. Längst hat sie einen festen Platz im Uni-Selbstverständnis und im Siegener Kulturangebot. Siegen, so war damals Kühnels Überzeugung, hat das Potential für eine solche Bühne. Der Erfolg hat ihm Recht gegeben – Theater ist eben immer noch eine faszinierende Möglichkeit, sich über den Weg und die Veränderungen der Gesellschaft zu verständigen.gmz

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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