2D/3D-Kamera bestand Feuertaufe

Innovation kommt aus dem ZESS/Industrie zeigt offenbar großes Interesse

kk Siegen. Das Vorhaben war ehrgeizig, doch es steht. Es geht dabei um eine Kombination. Herkömmliche Kameras liefern zweidimensionale Aufnahmen in guter Qualität. 3D-Kameras, die auf der von Prof. Dr. Rudolf Schwarte entwickelten PMD-Technik (Photo-Misch-Detektor) basieren, haben zudem Tiefgang. Sie liefern Informationen über Entfernungen. Allerdings sind die Aufnahmen noch recht »grob«. Vor eineinhalb Jahren wurde deshalb im Zentrum für Sensorsysteme (ZESS) der Universität Siegen die Idee geboren, die Vorteile beider Kameras zu vereinen (die SZ berichtete). Ziel von Prof. Dr. Otmar Loffeld, Dr. Klaus Hartmann, Dr. Wolfgang Weihs und ihrem Team war es, eine 2D/3D-Kamera zu konzipieren, die beispielsweise die Entwicklung autonomer Roboter forcieren kann. Denn: Sollen Roboter wirklich selbstständig agieren können, müssen sie – ähnlich wie Menschen – »sehen« können. Je mehr Bilder binnen kürzester Zeit zur Verfügung stehen und je aussagekräftiger diese sind, desto eher ist der Roboter in der Lage, seine Aufgabe zu erfüllen. »Scharfe« zweidimensionale Bilder, punktuell angereichert mit Entfernungsangaben, bieten dafür beste Voraussetzungen.

Von ihrem Konzept konnten die Siegener Forscher sowohl die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) als auch – wenn auch eher indirekt – das Bundesforschungsministerium (BMBF) überzeugen. Ein 12-Millionen-Euro Projekt names »Lynkeus« (der Luchsäugige), das je zur Hälfte vom BMBF und der Industrie getragen und vom Siegener Prof. Dr. Peter Haring Bolivar koordiniert wird, hat sich die Erschließung der PMD-Technik in verschiedensten Bereichen auf die Fahnen geschrieben. Mit im Boot sitzt auch das Siegener Unternehmen PMD Technologies, das bei der Entwicklung der 2D/3D-Kamera Hand in Hand mit Loffeld&Co. arbeitet und die notwendigen PMD-Chips liefert.

In der vergangenen Woche schlug dem Kombi-Projekt, das unter dem Arbeitstitel »Multicam« rangiert, die erste große Stunde. Im Rahmen der Wissenschaftstage am ZESS wurde ein Prototyp einer breiten wissenschaftlichen Öffentlichkeit vorgestellt. Die Verantwortlichen zeigen sich von der Resonanz angetan. Loffeld: »Es gibt Anfragen aus der Industrie.« Und weiter: »Alles, was man mit einer 3D-Kamera machen kann, ist auch mit der 2D/3D-Kamera möglich.« Und mehr. Das Team jedenfalls sieht sich bestätigt. Loffeld: »Das Vorhaben schien erst zu schwierig.« Deshalb sei auch das Interesse aus der Industrie zurückhaltend gewesen. Nun scheinen die Skeptiker überzeugt. Das ZESS und somit auch die Universität Siegen haben bei einer zukunftsträchtigen Innovation einmal mehr die Nase vorn.

Die 2D/3D-Kamera ist zwar noch taufrisch, aber sie hat dennoch bereits eine Optimierung hinter sich: Sie wurde wesentlich kleiner und somit für Anwender noch attraktiver. Hinzu kommt, dass die Siegener nun ganz konkret sagen können, wie es mit der Technik weitergeht. Ganz oben auf der Wunschliste stehen dabei eine weitere Verfeinerung der 3D-Auflösung sowie die Entwicklung einer effizienten Software und Elektronik.

Mit dem Erreichten sind Loffeld, Hartmann und Weihs zufrieden. Hartmann: »Wir sind binnen kurzer Zeit sehr weit gekommen.« Nach und nach sollen nun die Ergebnisse publiziert werden. Diese drehen sich primär um zwei Komponenten: eine der Kamera vorgesetzte voluminöse Beleuchtung sowie eine Optik, die aus einem eigens entwickelten beschichteten Strahlteilermodul besteht und den Möglichkeiten zwei- und dreidimensionaler Aufnahmen Rechnung trägt. Die leistungsstarke Lichtquelle ist auf Entfernungen von bis zu zehn Metern ausgelegt und vor allem für den dreidimensionalen Part der Kamera notwendig. Die 2D/3D-Kombination bietet insgesamt eine Auflösung von 640x480 3D-Bildpunkten. Dieser recht hohe Wert resultiert aus dem Einsatz zweier Chips in der Kamera.

Die Vertreter der Universität Siegen sind sich ihres aktuellen Wissensvorsprungs bewusst, aber auch der Tatsache, dass die Konkurrenz nicht schläft. Hartmann: »Wir wollen weltweit ausstrahlen.« Um das zu schaffen, müssen die Kräfte intern gebündelt werden, ist sich das Team sicher. Die Chancen stehen gut. Loffeld: »Wir treffen auf immer mehr Interesse aus verschiedenen wissenschaftlichen Fachdisziplinen.«

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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