33-Jährigen fahrlässig getötet?

Vor dem Siegener Landgericht wird ein tödlicher Unfall verhandelt. Foto: Landgericht Siegen

soph - Es ist ein sehr emotionaler Prozess, der vor dem Olper Amtsgericht verhandelt wird: Ein 33-Jähriger aus Kreuztal war nach dem Besuch des „Wernerfestes“ im Jahr 2016 von einem Taxi erfasst und tödlich verletzt worden. Nun steht die Frage im Raum, ob der 61-jährige Taxifahrer aus der Gemeinde Wenden wegen fahrlässiger Tötung zur Rechenschaft gezogen werden muss. Die werfen ihm die Staatsanwaltschaft und die Eltern des Opfers als Nebenkläger vor.

Staatsanwältin Vera Ortlieb schilderte in ihrer Anklageschrift das Tatgeschehen: Demnach hatte der 61-Jährige am 31. Juli 2016 gegen 2.40 Uhr seine Fahrgäste am Sportplatz in Hünsborn eingesammelt und war mit ihnen in seinem Kleinbus auf der Siegener Straße in Richtung Ortsmitte unterwegs gewesen. Nachdem das Tempo zunächst auf 30 km/h beschränkt gewesen war, beschleunigte der Fahrer bei ausgewiesenem Tempo 50 auf die später ermittelten 62 km/h, mit denen er das Opfer knapp 100 Meter vor der Autobahnunterführung erfasst und einige Meter mitgeschleift hatte.

Der 61-Jährige gab an, das Opfer sei plötzlich vor dem Wagen aufgetaucht, vom Unfall selbst habe er nur noch ein verzerrtes Bild im Kopf. „Ich sehe ihn noch mit dem Handy in der Hand“, erinnerte sich der Mann, dem während seiner Aussage die Tränen kamen. „Es tut mir unendlich leid. Wenn ich es ungeschehen machen könnte, ich hätte es schon 1000 Mal getan.“

Anschließend wurden drei Polizeibeamte vernommen, die übereinstimmend zu Protokoll gaben, dass sich während des Festes und vor allem nach dessen Ende gegen 2 Uhr viele Gäste vor dem Sportheim, aber auch auf den Wegen, die zum Gelände führen, aufgehalten hatten. Zudem schilderten sie die schlechten Lichtverhältnisse.

Vier Freunde des 33-Jährigen schilderten, dass sie nach dem Ende des Festes ein Taxi gerufen hatten und diesem in Richtung Ortsmitte entgegengelaufen seien.  „Warum er (das Opfer, Anm. d. Red.) auf der Straße gelaufen ist, beschäftigt mich seit zwei Jahren“, so einer der Zeugen. Er habe seinen Freund noch gebeten, von der Straße zu gehen. „Einmal, dann ein zweites Mal, dann war es schon zu spät.“

Weiter kamen die Fahrgäste des 61-Jährigen zu Wort, die zum Zeitpunkt des Unfalls im Wagen gesessen hatten. Ein Zeuge, der vorne in der Mitte gesessen hatte, gab zu Protokoll, das Opfer sei „aus dem Nichts aufgetaucht“.

Der Prozess wird am Mittwoch, 16. Mai, fortgesetzt. Neben weiteren Zeugen wird auch ein Sachverständiger zu Wort kommen. Dieser, so Richter Markus Gerndorf, habe ihm bereits telefonisch gesagt, dass der Unfall auch bei Tempo 50 nicht vermeidbar gewesen wäre. „Und er kann uns hier nächste Woche auch die Frage beantworten, was bei diesem Tempo die Unfallfolgen gewesen wären.“

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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