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Lehrer und Eltern schlagen Alarm
400: Sieben-Tage-Inzidenz bei Schulkindern schnellt in die Höhe

An 26 Schulen in Siegen-Wittgenstein gab es am Montag Quarantänemaßnahmen. Eltern beklagen sich darüber, dass in den Ferien nicht mehr für die Sicherheit ihrer Kinder getan worden ist. Es gebe weiterhin so gut wie keine Luftfilteranlagen. Auch die Klassengrößen seien nicht angepasst worden. Überfüllte Busse machen das Einhalten der AHA-Regeln quasi unmöglich.
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  • An 26 Schulen in Siegen-Wittgenstein gab es am Montag Quarantänemaßnahmen. Eltern beklagen sich darüber, dass in den Ferien nicht mehr für die Sicherheit ihrer Kinder getan worden ist. Es gebe weiterhin so gut wie keine Luftfilteranlagen. Auch die Klassengrößen seien nicht angepasst worden. Überfüllte Busse machen das Einhalten der AHA-Regeln quasi unmöglich.
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

tip/sz Siegen/Bad Berleburg/Olpe. Diese Zahlen lassen eigentlich nur einen Schluss zu: Die Durchseuchung der Schulkinder hat begonnen. Nach Ende der Sommerferien ist die Sieben-Tage-Inzidenz bei Kindern ab fünf Jahren in die Höhe geschossen. In Siegen-Wittgenstein liegt sie zum Wochenstart bei rund 400, im Kreis Olpe nur knapp darunter. Der Lehrerverband schlägt Alarm, Eltern fühlen sich machtlos.
Binnen eines Monats sind die Inzidenzen von Schulkindern von 16 auf zum Teil über 500 gestiegen. Erste Virologen sprechen von einer Durchseuchung der Kinder. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) pocht darauf, Schutzmaßnahmen für Schüler auszubauen. Die Kreis-Vorsitzende Richarda Diehl sagte unserer Zeitung: „Wir haben Anträge formuliert, die wir nun an Politiker und Schulträger senden werden.

tip/sz Siegen/Bad Berleburg/Olpe. Diese Zahlen lassen eigentlich nur einen Schluss zu: Die Durchseuchung der Schulkinder hat begonnen. Nach Ende der Sommerferien ist die Sieben-Tage-Inzidenz bei Kindern ab fünf Jahren in die Höhe geschossen. In Siegen-Wittgenstein liegt sie zum Wochenstart bei rund 400, im Kreis Olpe nur knapp darunter. Der Lehrerverband schlägt Alarm, Eltern fühlen sich machtlos.
Binnen eines Monats sind die Inzidenzen von Schulkindern von 16 auf zum Teil über 500 gestiegen. Erste Virologen sprechen von einer Durchseuchung der Kinder. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) pocht darauf, Schutzmaßnahmen für Schüler auszubauen. Die Kreis-Vorsitzende Richarda Diehl sagte unserer Zeitung: „Wir haben Anträge formuliert, die wir nun an Politiker und Schulträger senden werden. So kann es nicht weitergehen.“ Konkret fordert der VBE unter anderem den konsequenten Einbau und Einsatz von Luftfilteranlagen.

Richarda Diehl, Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Siegen-Wittgenstein.

Keine Luftfilteranlagen für die Schulen in der Region

Recherchen der SZ hatten jüngst ergeben, dass sich in dieser Hinsicht in unserer Region in den Sommerferien kaum etwas getan hatte.

Es muss weiter gelüftet werden

„Und dann macht es mich sprachlos, wenn ich im Fernsehen Politiker höre, die davon fabulieren, dass Geld ja genug vorhanden sei und man alles nur beantragen müsse. Warum kommt dann nichts davon da an, wo es gebraucht wird? Nämlich bei unseren Schülern“, fragt sich Diehl. Im benachbarten Hessen sieht es übrigens anders als hierzulande aus. Der Landkreis Marburg-Biedenkopf teilte am Freitag mit, man habe als Schulträger 164 stationäre Lüftungsanlagen angeschafft – zusätzlich zu den ohnehin schon 409 existierenden.

Hilflose Eltern in der Corona-Pandemie

Eltern von Schulkindern sind in der Zwickmühle. Die Schulpflicht ist aktuell trotz eklatant hoher Inzidenzwerte nicht ausgesetzt. Vorausschauendes Zuhausebleiben ist also nicht möglich. „Es ist die pure Hilflosigkeit“, findet Inga Engel. Die Wilnsdorferin ist Mutter von zwei Kindern. Sie gehen in die zweite und fünfte Klasse. „Natürlich sind die Kinder in der Schule gut aufgehoben. Sie sollen dort lernen und ihre Freunde treffen. Aber wenn ich sehe, dass so gut wie keine Vorkehrungen getroffen worden sind, um sie zu schützen, dann werde ich wütend.“

Die Sieben-Tage-Inzidenz bei Kindern schnellt in die Höhe.

Engel vermisst den Lerneffekt bei der Politik. „Nichts ist passiert. Es kann weiter nur gelüftet werden. Die Klassengrößen sind immer noch die gleichen. Die Busse in die Schulen sind überfüllt, da ist nichts mit AHA-Regeln.“ Beim Blick auf – Stand: Montag – 26 Schulen im Kreisgebiet, bei denen aktuell Quarantäne-Maßnahmen nötig sind, geht der Wilnsdorferin nur eines durch den Kopf: „Man fragt sich: Wann kommt wohl der Anruf?“

Auch Kinder leiden unter den Corona-Langzeitfolgen

Die Probleme, die Quarantänen mit sich bringen, stehen auf der einen Seite. Vor allem aber lähmen die Eltern die Sorgen um die Gesundheit ihrer Kinder. Das häufig angeführte Argument, dass Kinder eine Infektion mit dem Coronavirus meist gut überstehen und nur leichte Symptome entwickeln, greift laut VBE zu kurz. Auch für Kinder bestehe laut wissenschaftlichen Studien die Gefahr von Long Covid. Die Amerikanische Akademie für Kinderheilkunde (American Academy of Pediatrics) veröffentlichte in ihrem jüngsten Report von Mitte August dazu Zahlen: Zuletzt waren 14,6 Prozent der Corona-Fälle in den USA Kinder und Jugendliche. Von den rund 4,6 Mio. Kindern mussten 1,9 Prozent davon im Krankenhaus behandelt werden. „Wer es zulässt, dass sich über den Winter alle Kinder infizieren, weil die Inzidenz für Maßnahmen an den Schulen kaum noch eine Rolle spielt, nimmt damit auch in Kauf, dass bis zu 10 Prozent von ihnen später lange Zeit in der Schule fehlen und an Konzentrationsfähigkeit einbüßen werden“, warnt der VBE.

Politik sieht die Probleme offenbar nicht ganz gravierend

Die Politik sieht die Probleme offenbar nicht ganz so gravierend. Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hatte gar angekündigt, die Notwendigkeit der Maskenpflicht „im Lichte des Infektionsgeschehens in den ersten Tagen des Schulbetriebs ständig zu überprüfen“. Es werde „zeitnah eine Entscheidung geben“, wie mit der Maskenpflicht im Unterricht weiter verfahren werde. Die Bildungsgewerkschaft GEW warnt bereits: „Die Beibehaltung der Maskenpflicht ist das Gebot der Stunde“, sagte die GEW-Landesvorsitzende Ayla Çelik. „Wir brauchen ein Mehr an Sicherheit – nicht weniger.“

Sondersitzung des Landtags am Donnerstag Die SPD-Fraktion befürchtet angesichts steigender Corona-Infektionszahlen bei Kindern einen „Kontrollverlust“. Sie hat eine Sondersitzung des NRW-Landtags beantragt, die am Donnerstag stattfinden wird. Man wolle „nicht länger zusehen, dass die Landesregierung schulterzuckend diese dramatischen Zahlen bei den Kindern“ beobachte, begründete Fraktionschef Thomas Kutschaty am Montag in Düsseldorf den Vorstoß. Man wolle mit Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) „darüber diskutieren, was er gedenkt zu tun, um Kinder in unserem Land zu schützen“.
Autor:

Tim Plachner

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