42-Jähriger muss Geldstrafe zahlen

Ein 42-Jähriger kam am Dienstag am Siegener Amtsgericht mit einem „blauen Auge“ davon. Symbolfoto: Archiv
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pebe - „Volksverhetzung“ lautete der Vorwurf, der zunächst auf einem Strafbefehl stand, gegen den ein 42-jähriger Siegener aber Einspruch eingelegt hatte. Und „Volksverhetzung“ lautete am Dienstag deshalb auch die Anklage, die Amtsanwalt Markus Urner gegen den 42-jährigen Mann aus Siegen machte. Er habe, so hieß es in der Anklage vor Amtsrichter Peter Kolb, im August vorigen Jahres einen dunkelhäutigen Passanten mit den Worten kommentiert, „alle Afrikaner sollten verbrannt werden“.

Ein Vorwurf, den der bislang nicht vorbelastete 42-Jährige deutlich von sich wies. Vielmehr habe er mit seinem Vater während einer Familienfeier vor dem Haus gestanden und sich darüber unterhalten, dass der Vater mit dem Rad fahren müsse, wenn sein Auto nicht durch den TÜV komme. Zu diesem Zeitpunkt sei der Afrikaner mit einem Fahrrad am Grundstück vorbei gekommen, so der Angeklagte. Da habe er zu seinem Vater gesagt, in Afrika habe man wohl auch Probleme mit dem TÜV, „da müssen die auch mit dem Fahrrad fahren“. Den Zeugen kenne er „höchstens vom Sehen“, erst später habe er gehört, dass es zwischen seinem Vater und dem Zeugen zu Auseinandersetzungen gekommen sein solle, meinte er auf Nachfrage des Richters.

„Merkwürdig“, sagte der und schaute in den Akten nach, „der herbeigerufenen Polizei sollen Sie gesagt haben, Afrika könne nicht weit sein, wenn ,der’ mit dem Fahrrad komme.“ Der Angeklagte zuckte mit den Schultern: Könne sein, dass er was anderes gesagt habe, jedenfalls „einen geläufigen Witz“. Kein gutes Stichwort, denn sowohl der Richter als auch der Amtsanwalt reagierten abweisend auf mögliche Witze zu Volksgruppen. Jedenfalls habe er nichts gegen Ausländer, schob der Angeklagte schnell nach. „Ich bin mit dem Fahrrad auf der Straße vorbeigefahren, er stand da mit seinem Vater und sagte, man muss den Afrikaner verbrennen, dann kommt er auch nicht mehr vorbei.“ Der 27-jährige Zeuge war immer noch aufgeregt, als er von seinem Erlebnis erzählte. „Ich habe aber nichts gesagt, sondern bin nach Hause, habe es meiner Frau erzählt.“ Später habe er dann die Polizei angerufen. Er habe Probleme mit dem Vater des Angeklagten, „der sagt ,Bimbo’ oder ,Neger, hau ab’“. In der Situation selbst habe der ältere Mann aber nichts gesagt. Und noch einmal wiederholte er den Satz, den er anfangs zitiert hatte.

„Ist das denn eine Beleidigung, wen Sie Afrikaner genannt werden?“, fragte der Richter. Der Zeuge schüttelte den Kopf: „Nein, warum? Ich komme doch aus Afrika.“ Das für ihn Schlimme sei das „Verbrennen“ gewesen. Warum der Angeklagte das gesagt habe, wisse er nicht. „Könnte es denn sein, dass Sie sich verhört haben?“, fragte der Verteidiger. Der Zeuge schüttelte wieder den Kopf: „Was er gesagt hat, das habe ich gehört!“ „Was wollten Sie denn mit Ihrem Einspruch gegen den Strafbefehl erreichen?“, fragte der Vertreter der Staatsanwaltschaft. „Dass mein Mandant das nicht gesagt hat, denn der Zorn des Zeugen richtete sich gegen den Vater“, entgegnete der Anwalt. Darauf Urner: „Wenn er den Vater gemeint hätte, dann hätte er ihm das auch in den Mund gelegt.“

Urner hielt eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je zehn Euro gegen den arbeitslosen Mann für ausreichend. Dem widersprach der Verteidiger massiv: Er halte die Angaben des Zeugen nicht für glaubwürdig, sie seien getragen von seinem Konflikt mit dem Vater des Angeklagten, und es sei nicht erwiesen, dass sein Mandant das gesagt habe. Deshalb fordere er einen Freispruch.

Den bekam er von Kolb nicht. Vielmehr verurteilte der den 42-Jährigen wegen Bedrohung zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je zehn Euro – dies sei der „kleinen, aber wesentlichen Abweichung“ in der zu ahnenden Formulierung geschuldet, so der Richter, der gleich darauf den Angeklagten anfauchte, er könne sich sein kommentierendes Kopfschütteln sparen, „sonst werde ich sehr ärgerlich“. Der Zeuge, fuhr er fort, sei glaubwürdig. Vor allem zähle die zuvor aufgeworfene Frage, warum er den Angeklagten der Tat bezichtigen sollte, wo doch sein eigentlicher Kontrahent direkt daneben stand.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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