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Siegener Krematorium soll erweitert werden
6000 Feuerbestattungen im Jahr

Links im Bild ist das neue Gebäude bereits visualisiert. Es soll nicht höher werden als der bereits vorhandene Riegel dahinter.
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  • Links im Bild ist das neue Gebäude bereits visualisiert. Es soll nicht höher werden als der bereits vorhandene Riegel dahinter.
  • Foto: Artur Krause, Artvisu
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

ihm Siegen. An einem guten Einvernehmen mit der Nachbarschaft und mit der Stadt ist Peter Schmidt und Uwe Peter, den Inhabern des Krematoriums P & S am Siegener Lindenberg, offenkundig gelegen. Deshalb hatten sie gestern zu einer Präsentation ihrer Erweiterungspläne eingeladen. Knapp 40 Interessierte waren gekommen und erfuhren nicht nur einiges über den geplanten Anbau, sondern kamen außerdem in den Genuss einer ausführlichen Führung durch das Krematorium – dabei gab es Antworten auf nahezu alle Fragen.
Anbau soll 2020 fertig werdenZunächst aber ging es um den Anbau, der sich unmittelbar an den vorhandenen Baukörper anschließen soll.

ihm Siegen. An einem guten Einvernehmen mit der Nachbarschaft und mit der Stadt ist Peter Schmidt und Uwe Peter, den Inhabern des Krematoriums P & S am Siegener Lindenberg, offenkundig gelegen. Deshalb hatten sie gestern zu einer Präsentation ihrer Erweiterungspläne eingeladen. Knapp 40 Interessierte waren gekommen und erfuhren nicht nur einiges über den geplanten Anbau, sondern kamen außerdem in den Genuss einer ausführlichen Führung durch das Krematorium – dabei gab es Antworten auf nahezu alle Fragen.

Anbau soll 2020 fertig werden

Zunächst aber ging es um den Anbau, der sich unmittelbar an den vorhandenen Baukörper anschließen soll. Ein Bauantrag oder eine Bauvoranfrage ist noch nicht gestellt, aber die Gremien der Stadt Siegen haben sich mit dem Projekt bereits befasst, wie aus den Fragen einiger Kommunalpolitiker hervorging. Geschäftsführer Uwe Peter ließ keinen Zweifel daran, dass er und sein Partner Peter Schmidt Nägel mit Köpfen machen wollen: „Der Bau soll in diesem Jahr fertig werden.“

Böschung bleibt unberührt

Parallel zum oberhalb gelegenen Parkplatz soll der neue, kubisch gestaltete Bauteil entstehen. In die Böschung und ihren Baum- und Strauchbewuchs werde nicht eingegriffen, versicherte Schmidt. Der Eingangsbereich und der Verwaltungstrakt des Krematoriums blieben erhalten. Im Neubau finde ein dritter Ofen Platz, der auch einen eigenen Schornstein bekomme. Der Schornstein werde direkt neben die beiden vorhandenen Türme gesetzt.

Abschied nehmen von den Lieben

„Neue Ideen, die es so bis jetzt noch nicht gibt“, kündigte Peter Schmidt für den Anbau an. Hier dürfen die Angehörigen der Verstorbenen natürlich auch in aller Ruhe von ihren Lieben Abschied nehmen. Es gibt bereits einen Raum für Trauerfeiern im Krematorium, aber auf Wunsch können die Angehörigen den Sarg auch begleiten, bis sich die Tür der Ofenkammer schließt. Welche neuen Konzepte für diese sehr persönlichen Minuten und Stunden des Abschieds den beiden Krematoriumsbesitzern vorschweben, wollten sie gestern Abend noch nicht verraten.

Photovoltaik möglich

Auch das neue Gebäude wird hell verputzt, zum Tal hin sollen die Wände begrünt werden. Eine Dachbegrünung wie am Bestandsgebäude ist noch nicht beschlossene Sache. Uwe Peter erläuterte, dass man eigentlich eine optimale Lage für Photovoltaik habe: „Wenn wir das Dach mit Photovoltaik-Paneelen bestücken, könnten wir zu fast 100 Prozent unseren Strom selbst erzeugen.“
Wenn der Neubau steht und der dritte Ofen in Betrieb ist, werde man die beiden anderen Öfen von Grund auf erneuern und modernisieren, kündigten die Betreiber an. Um die Öfen zu heizen, gebe es zu Erdgas keine Alternative, erklärten sie auf eine entsprechende Frage. In den Brennkammern entstehen Temperaturen von bis zu 1600 Grad.

Beleuchtung nicht allseits beliebt

Eine kritische Anmerkung kam zu der nächtlichen Beleuchtung der Schornsteine. Sie sei von manchen Stellen aus weithin sichtbar, das komme nicht überall in der Bevölkerung gut an, zumal die Schornsteine die Nikolaikirche überragten. Uwe Peter räumte ein, dass es „Widersprecher gibt, aber es gibt auch sehr viele Fürsprecher der Beleuchtung“. Viele Türme, ob sakral oder industriell, würden heutzutage illuminiert: „Wir finden das schön, als Haus mitten im Leben.“

Keine Belastung durch Quecksilber

Wie hoch die Quecksilberbelastung aus dem Zahn-Amalgam im Rauchgas sei, das aus den Schornsteinen kommt, wollte ein Besucher wissen. „Nicht messbar“, antwortete Uwe Peter. Peter Schmidt ergänzte, dass man an entsprechenden wissenschaftlichen Studien teilgenommen und Proben eingeschickt habe. Es gebe keine Belastung. Ohnehin betrage die gesamte Menge an Quecksilber, die im Jahr in Deutschland bei Feuerbestattungen anfalle, 8 Kilogramm, sagte Peter. Zum Vergleich: Über 2 Tonnen Quecksilber aus Energiesparlampen würden jedes Jahr von den Deutschen im Hausmüll entsorgt – verbotenerweise natürlich. Ob Quecksilber oder Medikamente – alle Bestandteile des Körpers werden bei einer Kremation verbrannt. Die umfangreiche und aufwendige Behandlung der Rauchgase bekamen die Besucher bei ihrem Rundgang durch die Technikräume eingehend erläutert.

Keine Sorge vor Rückstanden

Filtersysteme sorgen dafür, dass am Ende nur noch Wasserdampf aus den Schornsteinen entweicht, erklärte Uwe Peter: „Deswegen sehen Sie auch nicht, ob die Öfen gerade in Betrieb sind oder nicht.“ Die Kontrollen der Behörden seien streng und garantierten, dass die Anwohner ohne jede Sorge vor Verbrennungsrückständen leben könnten.

Hinter den Kulissen des Krematoriums

167 Krematorien gibt es in Deutschland, davon wird knapp ein Drittel privat betrieben. Bevor das Krematorium in Siegen 2015 seine Arbeit aufnahm, mussten die Verstorbenen zur Einäscherung nach Hagen oder Dortmund gebracht werden – oft verbunden mit wochenlangen Wartezeiten.
Uwe Peter und Peter Schmidt legen Wert auf ein offenes Haus: „Zu uns kann man jederzeit kommen, zum Gespräch und zur Besichtigung.“ Dabei setzt allerdings die Pietät stets Grenzen. Der Kühlraum zum Beispiel bleibt grundsätzlich verschlossen für Besucher und auch für Bestatter.
Einige Fragen, die immer wieder gestellt werden und auch gestern Abend die Besucher beschäftigten:

  • Wie lange dauert eine Verbrennung? - Rund eine Stunde. 
  • Wie heiß wird der Ofen? - Bis zu 1600 Grad. 
  • Woher weiß man, dass auch wirklich die Asche des Angehörigen – und nur seine – in der Urne ist? - Die Asche wird niemals vermischt, und ein Schamottestein mit einer Identifikationsnummer wird mit dem Sarg in die Brennkammer gefahren. Der Stein befindet sich dann auch in der Urne. 
  • Welche Kleidung darf der verstobene tragen? - Im Krematorium Siegen darf der Verstorbene jede gewünschte Bekleidung tragen – das ist nicht in allen Krematorien der Fall. 
  • Was macht der Amtsarzt im Krematorium? - In Deutschland (außer in Bayern) ist eine „zweite Leichenschau“ bei einer Feuerbestattung vorgeschrieben. Der Amtsarzt nimmt den Leichnam vor der Verbrennung noch einmal in Augenschein, um sich zu vergewissern, dass es sich um einen natürlichen Tod handelt. Immer wieder, so berichtete Uwe Peter, gebe es Zweifelsfälle – zum Beispiel Hämatome am Körper durch Stürze vor dem Tod. Dann ziehe der Amtsarzt zum Beispiel die Krankenakte zu Rate. 
  • Was geschieht mit Goldzähnen oder Metallprothesen wie künstlichen Hüftgelenken? - Gold schmilzt und wird mit verbrannt, es geht sozusagen auch in Rauch auf. Metallene Knie oder Hüften werden ebenso wie die Sargbeschläge aus der Asche aussortiert. 
  • Was geschieht mit Keramikzähnen? - Auch diese werden aussortiert. 
  • Verdient das Krematorium an den nicht brennbaren Überresten der Verstorbenen? - Spezialisierte Firmen entsorgen Endoprothesen und zahlen dafür einen Obolus. Das Siegener Krematorium spendet diese Einnahmen für caritative Zwecke. 
Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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