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Klausur „Technische Mechanik C“ an der Uni Siegen
80,5 Prozent "durchgerasselt"

Alles „büffeln“ half nichts: Über 80 Prozent der Studierenden an der Uni Siegen bestanden die Klausur „Technische Mechanik C“ nicht – und äußern massive Kritik an Prof. Christian Hesch.
  • Alles „büffeln“ half nichts: Über 80 Prozent der Studierenden an der Uni Siegen bestanden die Klausur „Technische Mechanik C“ nicht – und äußern massive Kritik an Prof. Christian Hesch.
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

cs Siegen. 80,5 Prozent – hier geht es nicht etwa um die (offizielle) Zustimmung der russischen Bevölkerung zu der äußerst umstrittenen Verfassungsänderung, sondern um die Durchfallquote einer Klausur an der Universität Siegen. In Kreisen der Studierenden gibt es aktuell heftige Kritik an der Lehre von Prof. Christian Hesch vom Lehrstuhl für numerische Mechanik. Konkret geht es um die Klausur „Technische Mechanik C (Dynamik)“, der sich im Wintersemester 2019/20 135 Studierende aus den Studiengängen Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen stellten. Das Tischtuch zwischen Prof. Hesch und „seinen“ Studierenden scheint zerschnitten. Intensiv und emotional äußern die Studierenden auf Plattformen wie Studydrive ihren Unmut über den Wissenschaftler. Pikant: Seit diesem Semester fungiert Prof.

cs Siegen. 80,5 Prozent – hier geht es nicht etwa um die (offizielle) Zustimmung der russischen Bevölkerung zu der äußerst umstrittenen Verfassungsänderung, sondern um die Durchfallquote einer Klausur an der Universität Siegen. In Kreisen der Studierenden gibt es aktuell heftige Kritik an der Lehre von Prof. Christian Hesch vom Lehrstuhl für numerische Mechanik. Konkret geht es um die Klausur „Technische Mechanik C (Dynamik)“, der sich im Wintersemester 2019/20 135 Studierende aus den Studiengängen Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen stellten. Das Tischtuch zwischen Prof. Hesch und „seinen“ Studierenden scheint zerschnitten. Intensiv und emotional äußern die Studierenden auf Plattformen wie Studydrive ihren Unmut über den Wissenschaftler. Pikant: Seit diesem Semester fungiert Prof. Hesch als komm. Vorsitzender des Prüfungsausschusses Maschinenbau – was in Anbetracht der großen Kritikwelle für die Studierenden der Maschinenbaustudiengänge einen Skandal darstellt.

Uni Siegen erwartet noch eine Änderung der Quote

Nachfrage bei der Hochschule: Die Pressestelle der Universität Siegen weist zunächst darauf hin, dass es sich bei den 80,5 Prozent um einen vorläufigen Wert handele. Einige Studierende hätten die Möglichkeit, eine mündliche Ergänzungsprüfung wahrzunehmen. „Eine Änderung der Quote ist daher anzunehmen“, schreibt ein Sprecher.
Im Zeitraum ab dem Sommersemester 2018 sei Prof. Hesch für insgesamt acht Klausuren im Bachelor-Studium verantwortlich gewesen, wobei die durchschnittliche Quote derjenigen, die nicht bestanden haben, bei 31,7 Prozent gelegen habe. Das Ergebnis der Klausur „Technische Mechanik C“ sticht also deutlich heraus – wie ist das zu erklären?

Prof. Hesch verfasst ausführliche Analyse über die Klausur

Der Siegener Zeitung liegt eine ausführliche Analyse der Klausur vor, die Prof. Christian Hesch an die Prüflinge versandt hat. Im Vorwort schreibt der Wissenschaftler, dass er die intensiven Diskussionen registriert habe und nun persönlich Stellung nehmen wolle. Auf über 30 Seiten folgt ein detaillierter Bericht über geforderte und abgefragte Kompetenzen, die einzelnen Aufgabenstellungen, deren Bewertung sowie eine statistische Auswertung der Ergebnisse.
Die Ausführungen schließen mit dem Punkt „Analyse der Ergebnisse ab“ – und hier wird schnell deutlich, warum aus Sicht von Prof. Christian Hesch über 80 Prozent „durchgerasselt“ sind. 21 Prozent der Teilnehmer seien demnach nicht in der Lage gewesen, einen Richtungsvektor korrekt aufzustellen, 82 Prozent hätten es nicht geschafft, diesen nach der Zeit abzuleiten. „Die gesamte erste Aufgabe ist eine Kurvendiskussion, dessen Anforderungsniveau der Oberstufe am Gymnasium entspricht, kein Teilnehmer konnte die Aufgabe fehlerfrei lösen“, schreibt Prof. Christian Hesch. So argumentiert der Wissenschaftler weiter, und die überwiegende Anzahl der Teilnehmer habe alle Aufgaben bearbeitet, sodass die Klausur in der vorgegebenen Zeit lösbar gewesen sei.
Die Bewertungskriterien rechtfertigt Prof. Hesch mit der Vorbereitung auf das Berufsleben: „Der Ingenieursberuf erfordert eine hohe Präzision, die Auslegung mechanischer Systeme ist fehlerintolerant und sowohl arbeitsrechtlich wie auch strafrechtlich im ausgeübten Beruf ein schwieriges Gebiet“, heißt es abschließend.

Sechs Zweithörer aus Siegen in Aachen Angaben, dass zahlreiche Studierende der Universität Siegen an die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH) sowie die Universität Duisburg-Essen „abwandern“, weil sie dort höhere Chancen sehen, die Klausur „Technische Mechanik C (Dynamik)“ zu bestehen, lassen sich nicht bestätigen. Zur Erklärung: Das Hochschulgesetz NRW ermöglicht über die Zweithörerschaft, Studierenden einer Universität A das Ablegen von Prüfungen an einer Universität B. Unterschieden wird dabei zwischen der kleinen und der großen Zweithörerschaft. Erstere ermöglicht das Ablegen von studienbegleitenden Prüfungen, während die große Zweithörerschaft das Studium eines weiteren Studienganges ermöglicht. Der Prüfungsausschuss der Universität A, also der Hochschule an der ein Studierender als Ersthörer immatrikuliert ist, entscheidet darüber, ob er die Prüfungsleistung, die an der Universität B abgelegt wurde, anerkennt. Auf SZ-Anfrage teilt die RWTH mit, dass aktuell sechs Studierende der heimischen Hochschule mit Wohnort Siegen als Zweithörer zugelassen seien. Weitere Ausführungen seien nicht möglich. Und die Uni Duisburg-Essen macht keine Angaben – aus dem Ruhrgebiet heißt es lediglich, dass weder dem Dekan noch dem Studiendekan die Diskussionen um die Lehre von Prof. Christian Hesch an der Uni Siegen bekannt sei.

Uni Siegen kündigt sorgfältige Prüfung an

Die für die Klausur vorbereitende Vorlesung wurde von Prof. Hesch gehalten, für die auf die Klausur vorbereitende Übung zeichnete Dr. Melanie Krüger verantwortlich. Ob es Defizite bei der Wissensvermittlung gegeben haben könnte – dazu äußert sich die Pressestelle der Universität nicht.
Wie geht es nun weiter? „Klausuren mit höheren Durchfallquoten als üblich werden vom jeweiligen Department und der Fakultät im Rahmen des Qualitätsmanagements sorgfältig überprüft, so auch diese Klausur“, sagt der Uni-Sprecher. Die Rückmeldungen und Beschwerden seitens der Studierendenschaft nehme man ernst: „Das Dekanat der Fakultät hat deshalb den Qualitätsmanagement-Zirkel einberufen, der im Juli stattfindet und der sich mit allen Rückmeldungen, Kritiken und Hinweisen der Studierenden bzgl. der Klausur und der damit verbundenen Lehrveranstaltungen befasst.“
Der QM-Zirkel sei eines der Instrumente des Qualitätsmanagements der Universität, um gute Lehre sicherzustellen. „Uns liegt sehr viel daran, ein gutes Verhältnis zwischen Lehrenden und Studierenden zu schaffen, wir möchten im Fall von Problemen Lösungen finden“, erklärt der Dekan der Fakultät IV, Prof. Dr. Holger Schönherr.

Keine persönliche Stellungnahme von Prof. Hesch

Auf Anfrage der Siegener Zeitung wollte Prof. Christian Hesch sich nicht persönlich zum Sachverhalt äußern. Seitens der Pressestelle heißt es, die Stellungnahme sei mit ihm abgestimmt worden.

Autor:

Christian Schwermer (Redakteur) aus Siegen

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