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Bei Bombardier in Dreis-Tiefenbach
830 Arbeitsplätze in Gefahr

Hochmodern und teuer ausgestattet ist das „Bogie Technical Center“ in Dreis-Tiefenbach. Hier geben sich internationale Experten die Klinke in die Hand, um Lösungen für die Mobilität auf der Schiene zu entwickeln. Ob das aber den Siegerländer Standort davor schützt, einer Konzernentscheidung zum Opfer zu fallen, weiß derzeit niemand.
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  • Hochmodern und teuer ausgestattet ist das „Bogie Technical Center“ in Dreis-Tiefenbach. Hier geben sich internationale Experten die Klinke in die Hand, um Lösungen für die Mobilität auf der Schiene zu entwickeln. Ob das aber den Siegerländer Standort davor schützt, einer Konzernentscheidung zum Opfer zu fallen, weiß derzeit niemand.
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ihm Dreis-Tiefenbach. Vor einer guten Woche kamen die ersten Berichte über einen Verkauf von Bombardier Transportation an den französischen Alstom-Konzern auf, aber immer noch gibt es keinerlei konkrete Informationen über den Stand des Deals und seine möglichen Auswirkungen. Der Betriebsrat am Standort Dreis-Tiefenbach ergriff am Donnerstag zusammen mit der IG Metall Siegen die Initiative, um den Druck auf die Konzernführung, aber auch auf die deutsche Politik zu erhöhen. Man fürchtet um die 830 Arbeitsplätze und fordert politische Unterstützung ein.
"Maximal beunruhigt"„Maximal beunruhigt“ seien die Beschäftigten am Siegerländer Standort, berichtete IG-Metall-Bevollmächtigter Andree Jorgella beim Pressegespräch.

ihm Dreis-Tiefenbach. Vor einer guten Woche kamen die ersten Berichte über einen Verkauf von Bombardier Transportation an den französischen Alstom-Konzern auf, aber immer noch gibt es keinerlei konkrete Informationen über den Stand des Deals und seine möglichen Auswirkungen. Der Betriebsrat am Standort Dreis-Tiefenbach ergriff am Donnerstag zusammen mit der IG Metall Siegen die Initiative, um den Druck auf die Konzernführung, aber auch auf die deutsche Politik zu erhöhen. Man fürchtet um die 830 Arbeitsplätze und fordert politische Unterstützung ein.

"Maximal beunruhigt"

„Maximal beunruhigt“ seien die Beschäftigten am Siegerländer Standort, berichtete IG-Metall-Bevollmächtigter Andree Jorgella beim Pressegespräch. Noch kenne man keinerlei Pläne, was an den einzelnen Produktionsorten geschehen solle. In Dreis-Tiefenbach arbeiten derzeit 830 Menschen. Hier werden Drehgestelle (englisch: Bogies) für Fahrzeuge produziert, die in die ganze Welt geliefert werden. Vor fünf Jahren konzentrierte Bombardier die Forschung und Entwicklung für die Drehgestelle in Dreis-Tiefenbach im hochmodernen „Bogie Technical Center“. Ingenieure aus der ganzen Welt tüfteln hier an Lösungen für die Mobilität von morgen.

Dass die Abteilung Drehgestell-Entwicklung in Dreis-Tiefenbach und nicht in Frankreich aufgebaut worden sei, dazu hätten die Beschäftigten mit einer Tarifabweichung auch ihren Anteil geleistet, betonte Bombardier-Betriebsrat Stefan Gestal. Man habe die Arbeitszeit einvernehmlich um zwei Stunden erhöht.

Milliarden-Minus 

In die Übernahme-Debatte durch Alstom platzten vor wenigen Tagen die Nachrichten über schlechte Ergebnisse im Bombardier-Konzern, der seine Zentrale in Kanada hat. Das vierte Quartal 2019 lag mit 1,7 Mrd. Dollar im Minus. Andree Jorgella machte dafür Fehlentscheidungen im Unternehmen verantwortlich: „Da ist in einigen Sparten viel Geld versenkt worden.“ Es sei aber zu einfach, die Krise nur mit Managementfehlern erklären zu wollen. Man müsse auch fragen, ob es richtig sei, dass die Deutsche Bahn Züge in China kaufe.

Das Werk in Dreis-Tiefenbach habe jedenfalls stets – und auch im vergangenen Jahr – positiv zum Betriebsergebnis des Konzerns beigetragen, betonte Betriebsrat Gestal. Er ließ die wechselvolle Geschichte des Werks noch einmal Revue passieren. Aus der „Waggon Union“ früherer Jahre sei ein Hochtechnologie-Standort geworden, an dem in den vergangenen Jahren massiv investiert worden sei – übrigens nicht nur in Maschinen, sondern auch in Menschen. Die Ausbildung habe mit einer Quote von 6 Prozent einen hohen Stellenwert.

Ob der Verkauf an Alstom – dieser Konzern hat selbst eine Drehgestellproduktion – zustande kommt, ist für die IG Metall noch nicht ausgemacht. Jürgen Kerner, Hauptkassierer der Gewerkschaft und im Vorstand für die Bahnindustrie zuständig, bewertet den möglichen Zusammenschluss genauso wie eine Fusion zwischen Siemens und Alstom, die die EU-Kommission aus kartellrechtlichen Gründen im vergangenen Jahr untersagt hatte.

Rückenwind aus der Politik

Eine ganze Phalanx von Kommunalpolitikern, dazu noch die Landtagsabgeordnete Anke Fuchs-Dreisbach (CDU), war in das IG-Metall-Haus an der Donnerscheidstraße gekommen, um den Arbeitnehmern Rückendeckung zu geben. Netphens Bürgermeister Paul Wagener hob hervor, Bombardier sei der größte Arbeitgeber der Stadt Netphen und einer der größten im Kreis. Zulieferer und Dienstleister hingen davon ab. Wenn der Standort infrage gestellt werde, „sind die Folgen gar nicht abzuschätzen“. Wagener kritisierte die mangelnde Transparenz von seiten der Unternehmensführung, sie habe massive Verunsicherung zur Folge. Nicht vergessen dürfe man bei allen Überlegungen die Nähe zu Universität, die ein echter Standortvorteil sei.

Anke Fuchs-Dreisbach versprach, die Sorgen mit nach Düsseldorf zu nehmen und beim NRW-Wirtschaftsminister die Forderungen der Bombardier-Beschäftigten zum Erhalt der Arbeitsplätze und zu einer anderen Informationspolitik vorzutragen. Der politische Draht nach oben ist derzeit Richtung Berlin offenkundig nicht vorhanden. Andree Jorgella berichtete, dass die Spitzen der IG Metall in Sachen Bombardier noch nicht einmal einen Telefontermin bei Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier bekämen. Ganz anders sehe es für die Alstom-Manager in Frankreich aus. Hier werde der Schulterschluss mit der Politik gesucht. Jorgella: „Ich habe die Befürchtung, dass wir in Berlin hinten runter fallen.“

Mobilitätswende braucht Schienenverkehr 

Solidaritätsbekundungen kamen auch von Sebastian Zimmermann, dem Stadtverbandsvorsitzenden der CDU Netphen, von Thomas Börger, dem Vorsitzenden des Kreisverbands Siegen-Wittgenstein der Grünen, von Klaus Kopetzki (FDP Netphen), vom stellv. SPD-Unterbezirksvorsitzenden Hannes Gieseler und vom Vorstandssprecher des Kreisverbands der Linken, Ekkard Büdenbender. In einigen Redebeiträgen blitzte auf, dass die Entwicklung und Produktion von Bauteilen für den umweltfreundlichen Schienenverkehr die dringend benötigte und von der Politik geforderte Mobilitätswende unterstütze.

Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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