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Bahnunternehmen fordert mehr Geld von Verkehrsverbünden
Abellio droht mit Insolvenzrichter

Der Eisenbahnbetreiber Abellio Deutschand droht offenbar mit dem Gang zum Insolvenzrichter, falls die Verkehrsverbünde dem Unternehmen finanziell nicht entgegenkommen.
  • Der Eisenbahnbetreiber Abellio Deutschand droht offenbar mit dem Gang zum Insolvenzrichter, falls die Verkehrsverbünde dem Unternehmen finanziell nicht entgegenkommen.
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sz/mir Siegen/Olpe. Der Eisenbahnbetreiber Abellio Deutschand droht offenbar mit dem Gang zum Insolvenzrichter, falls die Verkehrsverbünde dem Unternehmen finanziell nicht entgegenkommen. Das Tochterunternehmen der niederländischen Staatsbahn NS steckt seit Monaten in erheblichen finanziellen Schwierigkeiten. Betroffen sind Strecken in NRW, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen – wichtig ist die Ruhr-Sieg-Strecke von Essen über Hagen nach Siegen und retour.

Eine Zeitung

sz/mir Siegen/Olpe. Der Eisenbahnbetreiber Abellio Deutschand droht offenbar mit dem Gang zum Insolvenzrichter, falls die Verkehrsverbünde dem Unternehmen finanziell nicht entgegenkommen. Das Tochterunternehmen der niederländischen Staatsbahn NS steckt seit Monaten in erheblichen finanziellen Schwierigkeiten. Betroffen sind Strecken in NRW, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen – wichtig ist die Ruhr-Sieg-Strecke von Essen über Hagen nach Siegen und retour.

Eine Zeitung im Ruhrgebiet hatte am Montag berichtet, der niederländische Finanzminister Wopke Hoekstra habe den Ministerpräsidenten der fünf betroffenen Bundesländer erklärt, dass intensive Gespräche mit den regionalen Aufgabenträgern bislang „nicht zu einer Anpassung der langfristigen Verkehrsverträge und einer angemessenen Kompensation geführt“ hätten. Mehrkosten gefährdeten die Fortführung eines qualitativ hochwertigen Schienenpersonennahverkehrs durch das Unternehmen.

Abellio leidet unter extern verursachten Kostenentwicklungen

Abellio selbst hat die Argumentation im Wesentlichen bestätigt, wie Pressesprecher Alexander Schaub der SZ erklärte. Unabhängig von den Folgen der Corona-Pandemie belasten externe, in der Struktur des deutschen Schienenpersonennahverkehrs verankerte Gründe die Akteure auf der Schiene. Wie andere Eisenbahnverkehrsunternehmen auch, leide Abellio unter massiven extern verursachten Kostenentwicklungen, die bislang nicht ausreichend von den Verkehrsverträgen gedeckt seien. „Abellio bekommt die Auswirkungen der strukturell bedingten Kostensteigerungen besonders deutlich zu spüren“, sagt Schaub.

"Wie werden in jedem Fall
alle Zugverkehre aufrecht erhalten,
das ist erste Bürgerpflicht."

Uli Beele
Sprecher Nahverkehr
Westfalen-Lippe

Erhebliche Baustellenfolgekosten werden geltend gemacht, dazu hohe Strafzahlungen aufgrund nicht erzielter Pünktlichkeitswerte bzw. Zugausfälle für Umstände, „die von den Eisenbahnverkehrsunternehmen nicht beeinflusst werden können“. Beispielsweise Infrastrukturarbeiten, stark befahrene Gleise oder extreme Wetterbedingungen. Gestiegene Personalkosten und erhöhte Rekrutierungs- und Ausbildungskosten werden geltend gemacht als Gründe.

Gibt gültigen Verkehrsvertrag

Der NWL (Nahverkehr Westfalen-Lippe) bestätigte am Dienstag lediglich, dass Gespräche laufen. „Es gibt einen gültigen Verkehrsvertrag, der einzuhalten ist“, kommentierte NWL-Sprecher Uli Beele die Lage. „Wie werden in jedem Fall alle Zugverkehre aufrecht erhalten, das ist erste Bürgerpflicht.“ Man müsse zunächst abwarten, wie die Gespräche verliefen.

Sollte Abellio tatsächlich in die Insolvenz gleiten, muss der öffentlich-rechtliche Aufgabenträger im Zuge der Notvergabe tätig werden. Beele: „Es wird ein Bahnunternehmen gesucht und verpflichtet, das ist in der Lage ist, die geforderten Verkehre zu erbringen.“ Andernorts in den fünf Bundesländern gibt es bereits Kooperationen von Abellio mit anderen Unternehmen, die Verbindung zwischen Ruhr und Sieg „ist dagegen ein reines Abellio-Netz“.

Verhandlungen mit Aufgabenträgern keine Auswirkungen

Bereits seit anderthalb Jahren laufen Verhandlungen. „Die derzeitigen Verhandlungen mit den Aufgabenträgern haben keinerlei Auswirkungen auf den Fahrbetrieb. Abellio fährt weiter“, heißt es dazu aus der Zentrale in Berlin. Abellio in Deutschland sei gewillt, seine langfristig eingegangenen Vertragsbeziehungen nach bestem Wissen und Gewissen im Interesse aller Fahrgäste zu erfüllen.

Autor:

Michael Roth (Redakteur) aus Siegen

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