»Aber bitteschön: mehr wehren!«

Nach drei Auswärtsniederlagen: Sportfr. Siegen möchten in Feucht nicht nass gemacht werden

geo Siegen. Drei Auswärts-Spiele, drei Auswärts-Niederlagen - was schon in der letzten Saison der Regionalliga Süd das Leid der Siegener »Sportfreunde« und die Freud' des jeweiligen Gastgebers war, setzte sich zu Beginn der aktuellen Spielzeit nahtlos fort. Und weil der neue Trainer Michael Feichtenbeiner zu Recht mit dem Anspruch antrat, in Siegen einiges neu bewegen zu wollen, kann man die keimende Ungeduld des Schwaben verstehen: »Man kann bei einer Mannschaft wie Bayern München verlieren - aber bitte schön: mehr wehren!« Mit diesem deutlichen Votum in Richtung seiner Spieler lenkte der Coach vor dem nächsten Auswärtsspiel am morgigen Samstag beim SC Feucht (14.30 Uhr) den Blick noch einmal zurück auf die jüngste 1:4-Pleite bei den Amateuren des Deutschen Rekordmeisters. Und ein Anflug von Zorn blitzte bei diesem Zitat schon hindurch.

Tatsächlich brachte Feichtenbeiner in der bayrischen Landeshauptstadt der fehlende »Mumm« seiner Kicker auf die Palme, was sich in der Halbzeit in einer Kabinenpredigt niederschlug, die sich gewaschen hatte. Feichtenbeiner widersprach nicht, das Ton und Wortwahl seiner »Ansprache« der Verbaleruption des deutschen Teamchefs Rudi Völler am Abend zuvor auf Island ähnelte. Eine verständliche Reaktion des Cheftrainers auf den Auftritt seiner Mannen, zumal schon beim Auswärtskick zuvor (0:2 in Saarbrücken) die SZ kommentierend ihren Finger in die gleiche Wunde gelegt hatte.

Doch während die allermeisten Spieler das berechtigte Donnerwetter über sich ergehen lassen, muckte ein Spieler auf - Jozef Kotula. Unter dem Aspekt der Menschenführung wartete die sportliche Leitung mit einer Antwort eine Nacht und einen Tag ab, ehe der slowakische Spieler abgemahnt, mit einer Geldstrafe belegt und in den Kader der 2. Mannschaft verbannt wurde (SZ berichtete). Doch erst die unversöhnliche Haltung des Spielers Tage nach dem Vorfall an der Isar hat nun das Tischtuch endgültig zerschnitten. Für Feichtenbeiner, der nicht nur vergeblich auf ein Einlenken des Spielers wartete sondern auch noch mit ansehen musste, wie dieser noch einen drauf setzte, ist der Fall erledigt. Zustimmung erntete die SZ bei der sportlichen Leitung auf die Frage, ob Jozef Kotula bei einem Vereinswechsel in der Winterpause trotz laufendem Vertrag »freie Bahn« gewährt werde. Disziplin sei für Trainer und Mannschaft das oberste Gebot, führte Feichtenbeiner an, warum man die verbalen Konter des Slowaken nicht hinnehmen könne.

Was dies nun alles mit dem Match morgen nachmittag im Südosten der fränkischen Metropole Nürnberg zu tun? Auf den ersten Blick nichts, und auch bei näherem Hinsehen verbat sich Feichtenbeiner ausdrücklich eine Verquickung mit der von Rudi Völler gewissermaßen provozierten Leistungssteigerung der Nationalspieler am Mittwoch gegen Schottland: »Dies ist ein Fall Kotula und nicht etwa ein Exempel, um eine Reaktion der Mannschaft hervor zu kitzeln«, betonte der Coach gestern ausdrücklich.

Dennoch erscheint zumindest der Gedanke eines nun möglichen Schulterschlusses der Restspieler mit ihrem Trainer nicht unlogisch. Der Vereinsführung kann es nur recht sein, wenn ihre Hauptangestellten »in Feucht endlich mutiger antreten und aggressiv in die Zweikämpfe gehen«, wie es Trainer Feichtenbeiner gestern einforderte. Der Aufsteiger aus der Marktgemeinde Feucht, dem Normal-Siegerländer bislang eher über die beliebte Raststätte an der Autobahn A9 bekannt, sei im Vergleich zu den Bayern-Amateuren ein Gegner von anderer Qualität, so Feichtenbeiner, womit der Trainer im Grunde folgendes meinte: weniger Spielkultur, mehr Leidenschaft.

Da er aber in seinen Reihen die besseren Einzelspieler erblickt, fordert der Coach im 4. Auswärtsspiel der Saison nicht nur, dass »ein Punkt her muss« sondern auch, dass »wir den Anspruch haben müssen, so ein Spiel auch einmal zu gewinnen.« Dazu wird der Trainer aber in Sachen Mannschaftsaufstellung noch einmal kräftig in sich gehen, denn zum einen sind die Einsätze der beiden Spieler Tobias Zott (Schulterverletzung) und Lars Toborg (Sprunggelenk) nach im Training erlittenen Blessuren keineswegs sicher, und zum anderen - Rudi Völler lässt grüßen - sucht Feichtenbeiner nach Spielern die endlich einmal »auswärts nicht gehemmt, mutlos und ängstlich « auftreten.

Derartige Spieler hat der immer noch sieglose Neuling aus Franken durchaus in seinen Reihen. Vor allem die Ex-Profis Alexander Contalla (zuletzt FC Augsburg) und Ingo Walter (Chemnitzer FC) sowie Sven Lakies haben ihm imponiert. Letzterer erlangte bei seinem ersten und einzigen Einsatz für Bayern München in der Bundesliga seltenen Ruhm, weil er unter Giovanni Trapattoni nach Jürgen Klinsmanns legendärem Tritt in die Werbebande eingewechselt wurde. Mit dem Wutausbruch des Schwaben Klinsmann schlösse sich sodann der Kreis, denn nach dem der wütende Schwabe Feichtenbeiner seine ersten nachhaltigen »Duftmarken« im Revier Sportfr. Siegen hinterlassen hat (Kotula), sind jetzt die Spieler an der Reihe. Denn nass machen lassen will sich in Feucht jetzt wohl keiner mehr...

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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