Abschied von Olivieri-Munroe

 Sieben Jahre lang war Charles Olivieri-Munroe der Chefdirigent der Philharmonie Südwestfalen. Zum Ende der Saison läuft sein Engagement aus. Das Abschiedskonzert wird am Samstagabend bei „Kreuztal Klassik“ sein. Foto: SZ-Archiv/René Achenbach
  • Sieben Jahre lang war Charles Olivieri-Munroe der Chefdirigent der Philharmonie Südwestfalen. Zum Ende der Saison läuft sein Engagement aus. Das Abschiedskonzert wird am Samstagabend bei „Kreuztal Klassik“ sein. Foto: SZ-Archiv/René Achenbach
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ciu - „Ich freue mich darauf, zu einem kleinen Orchester zu kommen und etwas Besonderes mit ihm zu machen.“ Als Charles Olivieri-Munroe im Mai 2011 seinen Vertrag als neuer Chefdirigent der Philharmonie Südwestfalen unterschrieb – für die Saison 2011/12 und zunächst drei weitere Spielzeiten – galt er, wie im SZ-Archiv nachzulesen ist, als Nachfolger von Russell N. Harris als „Lieblingskandidat der Instrumentalisten“. Er verlängerte dann noch einmal um drei Jahre. Nun verlässt er die Region – und auch ein Orchester, das sich in den sieben Jahren durchaus verändert (und auch verjüngt) hat. Nicht alles, was er sich vorgenommen habe, so Olivieri-Munroe im Interview, hätte sich umsetzen lassen. „Manches klappt, anderes nicht, und das aus verschiedenen Gründen.“ Doch was ihm besonders wichtig gewesen sei, das Level zu heben und das Profil zu schärfen (was sich auch an der hohen Zahl der Bewerbungen um seine Nachfolge zeige), das Repertoire zu erweitern – das sei gelungen: „I believe: I succeeded.“ Auf Deutsch: „Ich bin sicher: Ich war erfolgreich.“

In der Rückschau erinnert sich der scheidende Chefdirigent an besondere Konzerte an besonderen Orten (in Mailand, im Konzerthaus Dortmund, aber auch in der Siegerlandhalle – mit Strauss‘ „Alpensinfonie“ oder Mahlers „Titan“), aber auch an die Neujahrskonzerte, die an so vielen Tagen im Januar die Menschen stets aufs Neue begeisterten. Auch wenn es für Orchester und Dirigent letztlich ein Programm in einer Wiederholungsschleife war/ist, habe er das vergessen, sobald er am Pult gestanden habe: „Du bist dann in diesem Moment, in dieser ,special atmosphere‘ da und präsent.“

Dankbar ist Charles Olivieri-Munroe für das gute Miteinander mit Michael Nassauer. Dass es zwischen Chefdirigent und Intendant harmonisch zugehe, sei „nicht typisch“ in der Orchesterlandschaft. Sei das Verhältnis zu Nassauers Vorgänger, Gernot Wojnarowicz, schon „good“ gewesen, sei es mit dessen Nachfolger „fantastic“. Als Menschen, zu denen sich gleichfalls ein besonderes Verhältnis entwickelt habe, nennt er die Mäzenin Barbara Lambrecht-Schadeberg und Wilfried Groos, den Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Siegen, sowie jene Musiker und Musikerinnen, zu denen er eine gute, professionelle, freundliche Beziehung habe aufbauen können. Immer wieder, sagt er, habe er Solisten mit der Philharmonie Südwestfalen („this is my family“) vorgestellt, die er andernorts aus Konzerten kannte: wie die Koloratursopranistin Jeanette Wernecke oder den Pianisten Martin Kasík oder den Balalaika-Spieler Andreji Gorbatschow.

Nun konzentriert sich Charles Olivieri-Munroe auf seine Gastspieltätigkeit vielerorts auf der Welt – und auf sein Engagement als Chefdirigent des Philharmonischen Orchesters Krakau. Ähnlich wie beim Hilchenbacher Orchester ist er dort für zehn, elf Konzerte pro Saison verantwortlich, allerdings sei der Krakauer Klangkörper von seiner Struktur her völlig anders als die Philharmonie Südwestfalen. 90 Prozent der rund 100 Musikerinnen und Musiker (dazu gibt es einen Chor) seien dort polnischer Herkunft, so dass das grundsätzliche musikalische Verständnis ein sehr homogenes sei. Wenn man dort musiziere, fühle man das alte Europa. Sein Fokussieren auf eine einzige Chefdirigenten-Position berge für ihn auch die Chance, sein Leben wieder besser auszubalancieren. Für ihn sei eine erfolgreiche Karriere nicht alles, sondern vielmehr Teil von etwas Größerem, das Familie, Freunde, Gesundheit einschließe.

Geographischer Fixpunkt ist für Charles Olivieri-Munroe die tschechische Hauptstadt Prag. Es sei, erzählt er, eine bewusste Entscheidung gewesen, dass die Familie (Ehefrau Annabelle und die zwei Kinder) dort, wo er im Musikstudium Wurzeln schlug, bleibt und nicht mit ihm von Ort zu Ort (und damit weder nach Hilchenbach noch nach Krakau) zieht. Als international tätiger Dirigent (und hier nennt er Deutschland, Frankreich, Moskau, Bangkok) müsse man sichtbar sein, unterwegs – wovon dann auch das eigene Orchester profitieren könne. „Man bringt ja etwas mit.“

Der Philharmonie Südwestfalen wünsche er, dass das Projekt „Haus der Musik“ in Siegen gelingen möge. Bessere Probenbedingungen, ein Zuhause mitten in der Universitätsstadt, die günstigere Verkehrslage – all das könne nur noch positivere Ergebnisse bringen, werde das Profil des Orchesters weiter schärfen. Dazu hoffe er, dass die Philharmonie einen Dirigenten, eine Dirigentin wähle, dem/der es gelingen möge, motivierend und inspirierend zu arbeiten. Dass er jetzt, nach sieben Jahren, die Region verlasse, fühle sich für ihn genau richtig an, sagt Charles Olivieri-Munroe. Er habe sich bis zu diesem Zeitpunkt willkommen gefühlt – gehe nun gern, aber auch, um möglicherweise als Gastdirigent wiederzukommen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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